Campen gehen mit Kindern. Ein Erfahrungsbericht

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So geht Campen mit Babys, Kleinkindern, größeren Kindern (und Erwachsenen)

Ein Leitfaden für mehr Harmonie im Urlaub

  1. Campen mit Babys
    Babys ab etwa 4 Monaten lieben es, auf dem Boden herumzukullern, mit allem zu spielen, was ihnen in die Quere kommt, mit den Augen und Ohren vertraute Details zu erhaschen. Unser Baby hat sich beim Zelten rundum wohlgefühlt – wahrscheinlich am wohlsten von uns allen. Auf dem weichen Boden herumrutschen und durch die sanft schaukelnden Zeltwände den Stimmen der Familie zu lauschen, die nicht sichtbar, aber deutlich hörbar vor dem Zelt rumort: Mehr wollte unser Baby nicht, und das am liebsten den ganzen Urlaub lang. Die Zeltliebe des Babys ging so weit, dass ich nach der Ankunft zu Hause gleich ein kleines Strandzelt auf dem Balkon aufbauen musste, um dem genervten Geschrei der Jüngsten ein Ende zu setzen.
  2. Campen mit Kleinkindern
    Kleinkinder ab 1,5 Jahren sind rund um die Uhr am Entdecken. Es gibt einfach nichts, was nicht spannend für sie ist und sich irgendwie umfunktionieren lässt. Heringe, Zeltleinen, die Essens-Kisten im Zelt, der Müll vor dem Zelt, die Schuhe, mühevoll weggeräumte Taschenlampen, Handys und Geldbeutel… Und nicht nur das. Mit dem Zelten fallen auch die liebgewordenen Rituale des Kleinkindes weg: Hell und Dunkel, müde und wach, damit sieht es auf einmal ganz anders aus. Kleinkinder sind einfach die größten Störenfriede des auf Ordnung und Minimalismus bedachten Campers. Aber auch hier lässt sich mit ein paar Tricks das beste rausholen. Das erste und oberste Gebot lautet: Das Kleinkind muss am Laufen gehalten werden! Es darf niemals ruhen, außer wenn es schläft, dann aber unbedingt. Nimm es jedes Mal mit, wenn du zum Klo, zum Spülen, zur Rezeption musst. Auch wenn der Weg dadurch jedes Mal zehn Minuten länger dauert: halte es sooft es geht vom Zelt fern. Setze dich mit ihm ins benachbarte Strandbad, dort kann es stundenlang Steine sammeln, im Sand buddeln, Enten hinterherjagen. Wenn es abends dann immer noch nicht schlafen will, setze es in deinen Fahrradanhänger, dein Kanu, dein Auto, egal. Hauptsache, es darf nochmal eine schöne Abendrunde drehen.
  3. Campen mit größeren Kindern
    Eigentlich sind größere Kinder beim Camping zu allem bereit. Lange aufbleiben zum Beispiel, kein Problem. Mal früher ins Bett müssen, auch nicht soooo schlimm. Kein Eis heute zum Nachtisch, macht nichts, morgen ist ja auch noch ein Tag. Regen stört sowieso überhaupt nicht, da darf man im Zelt bleiben, spielen und malen und alles durcheinanderbringen. Was große Kinder eher stört, ist das Programm, das mit dem Zelten gar nichts zu tun hat. Man hat ihnen erzählt, dass sie mit ihren Eltern zelten dürfen / müssen. Darauf haben sie sich seit Wochen eingestellt, dazu sind sie bereit. Und nun das: Kanufahren? Wandern?! Alte Studienfreunde der Eltern besuchen???!!!! WTF??????!!!!!!!!
    Aber auch das machen größere Kinder mit. Wenn man ihnen im Gegenzug ihre eigenen Ideen gestattet. Den ganzen Tag auf dem Camping-Spielplatz spielen zum Beispiel. Einfach im Zelt sitzen, lesen und schreiben, anstatt mit den Besuchskindern zu spielen. Den Campingplatz alleine erkunden und wiederkommen ohne sich Fragen anhören zu müssen, wo man so lange war. Dann sind auch die großen Kinder vom Campingurlaub und seinen Nebenerscheinungen restlos begeistert.
  4. Campen mit Erwachsenen
    Fürs Campen eher ungeeignet haben sich die Erwachsenen erwiesen. Gut, sie liefern die Fakten wie Auto steuern, Zelt aufbauen, Essen kochen, alles schnell wegräumen bei Regen. Aber sie bezahlen das Ganze ja auch. Was die Erwachsenen nicht können, ist: das Campen, das sie sich ja selbst eingebrockt haben, so zu nehmen, wie es ist. Es müsste ihnen doch eigentlich klar sein, dass sie am Morgen nicht so einfach und schnell an einen Kaffee kommen wie zu Hause. Sie müssten doch wissen, dass sich die Kinder nicht willig um sieben Uhr abends ins Bett legen, sondern noch spielen wollen, bis es dunkel wird.
    Aber sie sind stur, diese Erwachsenen, und sehen einfach nicht ein, dass manches nicht so ist, wie sie es von zu Hause gewohnt sind. Das macht die Erwachsenen oft biestig. Ein wenig zu biestig für den Geschmack der Kinder. Daher auch der sehnsüchtige Blick des ältesten Kindes auf campende Jugendgruppen: „Wenn ich so alt bin, gehe ich nur noch mit meinen Freunden zelten!“

Campen gehen (adult edition)

Campen gehen mit den Kindern (6, 2, 0) und Angst haben vor:

  • Rückenaua
  • Durchschrei- und Durchnuckelnächten
  • im Zeltgetümmel in Richtung See oder in Richtung Straße verschwundenes Kleinkind
  • was essen/ trinken gehen wollen, wegen völliger Übermüdung aber ins Bett müssen
  • was essen/ trinken gehen wollen, aber vor dem Zelt sitzen und die schlafenden Kinder bewachen
  • wegen der zu lauten Kinder angezählt werden
  • selbst die zu lauten Mitcamper anzählen, die die eigenen Kinder nicht schlafen lassen
  • nicht genügend Schlaf zu bekommen (erwähnte ich das schon irgendwo?)
  • Regen
  • Zecken (besonders an Babys und Kleinkindern)
  • Hunden
  • Krankheiten (auf jeden Fall alles mit Fieber und schlimmer!)
  • schlechter Laune (wegen Regen, zu wenig Schlaf, zu viel Enge…)
  • ständig unaufgeräumtem Zelt

Aber campen gehen.

Initiationsritus. Warum es dazu jetzt zu spät ist

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Lieber Nordschwarzwald, liebes Dörflein R.,

wenn ich etwas jünger und formbarer gewesen wäre,  hättet ihr mich jetzt. Ihr hättet mich durch eure Herzlichkeit, eure Unbestechlichkeit, eure Lieder. Ich habe hier schon mehrmals „der Mond ist aufgegangen“ in Gruppen von >50 Personen gesungen. Der Wald steht abends wirklich schwarz und schweiget.

Ihr hättet mich besonders durch die Natur. Ihr das Holz abzuringen, ihr Heu einzuatmen, das hätte mich schon längst gepackt.

Wer hier nicht mit dem Unimog in den Wald fahren kann, der kann dorthinein joggen oder sich dort die romantischsten Sonnenaufgänge und -untergänge vor die Kameralinse holen. Wer hier kein Heu macht, nicht fliegenfischt, keine Pferde sein eigen nennt, hat trotzdem täglich damit zu tun, grüßt den Heuwender, den Fliegenfischer, den Pferdeheimbringer. Und auch wer wie ich kein Beil halten kann und bei Motorsäge nur Bahnhof versteht, der versteht dennoch, was es heißt, der Natur das Holz abzuringen.

Man sieht und man BEGREIFT, wie das Holz ganzjährig in langsamen, zeitlupenartigen Bewegungen gefällt, gelagert, gewässert, geschält wird. Wie Stamm für Stamm, Brett für Brett, Scheibe für Scheibe freigelegt, gestapelt und schließlich seiner Verwendung zugeführt wird. Man sieht einen Zaun, einen Bretterstapel, ein Lagerfeuer oder einen Stock, an dem ein Kind herumschnitzt und spürt KÖRPERLICH jede einzelne Minute, die es gedauert hat, bis das Holz dieser Verwendung zukommen konnte.

Manche stehen 9 Monate im Jahr eine halbe Stunde früher auf, um das Holz im großen Ofen zu schüren, der das ganze Hause warm hält.

Dieses frühe Aufstehen entfällt nun. Es ist Juli. Mit etwas Glück muss erst im Oktober wieder geheizt werden. Dafür schart man sich nun abends um die Lagerfeuer.

Jeder Scheit, der in den Feuern verbrennt, ist schon lange vorher gestapelt, gespalten, gelagert, gefällt worden. Jeder Scheit verbrennt mit dieser Stille, mit der auch der Wald still dasteht und schweigt. In dieser Stille steckt eine unglaubliche Kraft. Man kann ihr nur zusehen, aber niemals, niemals ein Teil von ihr werden.

Ich bin nicht mehr 20, und ich bin nicht aus freien Stücken hier. Ich bin nur zu Gast und werde es für immer sein. Ich will hier eigentlich gar nichts. Ich will nur eines: es meinen Kindern hier so angenehm wie möglich machen. Sie sollen die weiten, duftenden Wiesen, die seltsam lebendigen Waldmaschinen, den Wald bei Sommer und bei Winter lieben. Sie lieben das alles schon jetzt, ungebeten und spontan und tief überzeugt.

Ich will sie aber auch stark machen für das, was zu einem späteren Zeitpunkt kommen wird. Ich will ihnen zeigen, dass dieses Landleben nur eine Option unter vielen ist. Dass es in den meisten Teilen der Welt anders zugeht. Dass das meiste, was hier selbstverständlich ist, es anderswo keineswegs ist. Dass das, was wir hier erleben, woanders zwar genauso möglich ist, dort aber immer nur eine Möglichkeit unter vielen bleibt.

Manchmal, da will ich meine Kinder aber auch einfach nur in Ruhe lassen. Sollen sie doch alles für eine Selbstverständlichkeit erachten, Kinder machen das doch eh. Dass sonntags fast alle in die Kirche gehen? Geschenkt. Dass mittags die fürsorgliche Oma oder Mama nicht nur manches Mal, sondern immer kocht? Selbstverständlich. Dass der Vater, der Onkel, der Großvater entweder in einem renommierten Unternehmen schafft, oder Lehrer oder Pfarrer ist? Ist doch normal. Dass jede Aktion, die für die Kinder bereitgehalten wird, entweder in einer Kirche oder in einem Verein stattfindet, de facto aber von den eigenen Eltern, den älteren Geschwistern, einem Onkel oder einer Tante durchgeführt wird? Immer.

Irgendwann werden meine Kinder dann selbst an so einem Lagerfeuer sitzen und zusammen mit ihrem Verein, ihrer Kirche, ihren Nachbarn, wahrscheinlich einer Mischung aus allen, den Initiationsritus begehen. Sie werden singen und sich verlieben und sich für immer, immer an ihre Heimat binden. Und auch, wenn sie sie später für immer verlassen sollten, wird ihr Herz doch im Nordschwarzwald im Dörflein R. bleiben.

Für mich ist es dazu schon zu spät.

Ich will diesen Sommer mein Handy zu Hause lassen

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Ich im Sommer 2001. Foro: Archiv. No filter

Ich will diesen Sommer mein Handy zu Hause lassen und auch keinen Computer nutzen.

Gut, nur im August, okay, nur etwa rund drei Wochen lang, kurz: also während der paar Tage, in denen ich voraussichtlich nicht zu Hause, sondern in der Sommerfrische bei Verwandten weilen werde.

Und wenn ich mich schon so einschränke, kann ich auch gleich noch Fernsehen und Bier auf die Abschussliste setzen. Und jeden Morgen täglich Gymnastik machen und in der Bibel lesen oder ein paar Stunden eine neue Fremdsprache aus einem Buch lernen. Nachmittags auf Kaffee verzichten und stattdessen eine Runde Fahrrad um den See fahren.

Klingt jetzt asketisch?

Nun ja. Meine Urlaube verliefen früher so. Zum Beispiel mein Urlaub in Südwestfrankreich 2001, nach dem Abi. Morgens Gymnastik und Bibel. Frühstück ohne Kaffee. Dann ein Plätzchen suchen, an dem man gut etwas malen oder schreiben kann. Farben und Schreibsachen hatte ich immer in meinem Rucksack, egal wohin es ging. Den Mittag, wenn es zu heiß war, drinnen verbringen, mit einer Musikkassette (ja, so altmodisch war ich da noch, aber ich hab ja heute auch kein Spotify) oder mit einem Roman (den ich von zu Hause mitgebracht oder sogar erst im Urlaub gekauft hatte, dann war der eben komplett auf Französisch, egal. Lernt man ja beim Lesen). Nachmittags konsequent schwimmen gehen oder Fahrrad fahren, am besten beides. Nie ohne die Kamera aus dem Haus. Abends Wein. Dann ins Bett.

Das Ganze funktioniert nicht erst seit gestern nicht mehr, aber es muss so etwa sechs Jahre her sein, dass meine Fähigkeit, mich in meiner Freizeit sinnvoll zu beschäftigen, langsam verlorengegangen ist.

Vor 2009, also vor den Kindern, hatte ich immer eine halbe Stunde hier, eine halbe Stunde da zur Verfügung, um zu einem Buch, einem Stift zu greifen. Lesend und schreibend Neues zu entdecken, eins mit mir zu sein. Ach was, viel mehr als halbe Stunden waren das! Selbst auf einem lauten und vollen Festival konnte ich mich mal für eine Stunde am Stück im Zelt verkriechen und den Tag Revue passieren lassen, reflektieren, was passiert war, wie ich dazu stehe und was ich am morgigen Tag gerne machen möchte.

Jetzt muss ich in meiner Freizeit (ja, nicht nur dann, aber dann auch) das Geschirr von fünf Leuten sauber kriegen, darüber nachdenken, was diese in drei Stunden wieder essen wollen könnten, ich muss gleichzeitig über drei verschiedene Kindergarderoben informiert sein, zum Beispiel: Wenn wir jetzt zum Strand gehen, sind dann nicht nur die drei Kinder da, sondern auch die drei Kinder-Sonnenhüte und die drei Kinder-Badeanzüge und die drei Kinder-Badehandtücher? Haben alle ihre Zahnbürsten mit und putzen sie die Zähne auch? Hat jeder etwas altersgerechtes zum Vor- oder Selberlesen dabei? Reicht der Windelvorrat noch? Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Tja nun, und in der dann noch verbleibenden freien Zeit muss ich schlafen, schlafen, schlafen. Oder arbeiten.

Meine geliebten Urlaubs-Beschäftigungen wiederzubeleben, ist mit drei Kindern natürlich nicht so einfach. Aber vielleicht geht es ja, wenn ich im Urlaub auf meine Inspirations- und Informationsquelle Internet verzichte. Ich will mich nicht von Neuigkeiten im Pixelformat inspirieren lassen, die nur ein paar Sekunden oder Minuten Bedeutung für mich haben. Sondern von der Natur und von den Menschen um mich herum.

Da ich jetzt aber fast Angst bekomme, dass ich dann im Urlaub nichts zu tun haben werde, so ganz ohne Internet, bestelle ich jetzt ein paar Bücher, die ich in meinen Koffer packen will. Außerdem sehe ich mal nach, wie komplett meine Aquarellfarben noch sind und kaufe mir mindestens noch ein neues Zeichenbuch.

Habt ihr noch Freizeitbeschäftigungen, die eure eigenen sind?
Wer lässt diesen Sommer auch sein Handy zu Hause?
Und wer geht einfach ohne Handtücher und Zahnbürsten in den Urlaub?

Stillen im Café oder: Hipster 2.0

Neulich bin ich in meinem derzeitigen Lieblingscafé gewesen und es ist noch mehr zu meinem Lieblingscafé geworden.

Aber der Reihe nach.

Wir, die Eltern, atmen gerade ein wenig arbeitsfreiere Luft. Wir gehen jetzt manchmal mitten in der Woche schwimmen. Oder wir setzen uns früh um halb 9 ins unser Lieblingscafé mitten im Dorfkern, oder heißt das politisch korrekter Ortskern. Wir sind um diese Uhrzeit die einzigen. Alle anderen schaffen, ob auf der Arbeit oder in Haus und Hof. Und alle jungen Mütter, die mit Baby unterwegs sind, scheinen lieber spazierenzugehen.

Wir stellen unseren Fahrradanhänger mit Baby drin in den Schatten und bestellen frisch gebackene Dinkelbrötchen, selbst gemachte Brombeermarmelade und ein frisches Stück Marmorkuchen (die Rezepte gibt’s hier). Das Mehl wird vor Ort gemahlen. Neben unserem Platz an der Sonne rauscht das Wasser für den Mühlenantrieb. Die Limonade, verfügbar in allen schrägen Geschmacksrichtungen, auch Cola, wird ganz lokal im Nachbartal hergestellt.

Unsere Hipsterherzen sind also befriedigt und wir finden alles schon genauso gut wie in der Stadt. Aber dann finden wir es hier auf einmal noch viel besser!

Das liegt daran, dass die Bedienung, eine Großmutter mit Brille, Charme und Schürze, von unserem Baby wie magisch angezogen ist. Zusammen mit ihrer Kollegin versucht sie, das Alter des Babys zu erraten und liegt gleich richtig. Als das Baby gestillt wird, erhalten wir ein strahlendes Lächeln: „Die Kleine muss ja auch satt werden!“. Und selbstverständlich passen beide Servicekräfte auch mal kurz auf das Baby im Anhänger auf, während die Eltern weg sind, und halten es solange bei bester Laune.

Das muss das neue hipster sein.

Die große Schwester

Es war ein friedlicher Tag. Aber am frühen Abend brechen alle drei Kinder (alle!) in ohrenbetäubendes Gebrüll aus.

Während das große Kind (6) schreiend im Elternschlafzimmer unterm Bett liegt, weil es eine Hausaufgabe vergessen hat („du bist schuld, Mama!“), brüllt das mittlere Kind (fast 2) zum ersten Mal, weil es ins Bett muss, und zwar nicht nur ein bisschen, sondern ist richtig verzweifelt („Nein! Nein! Nein!“). Das Baby heult einfach so, oder weil es Zähne kriegt, da hört keiner mehr so genau hin.

Glaubts oder lasst es bleiben, aber der Vater ist so erschöpft, dass er trotz Schreikonzert hoch drei auf dem Sofa einschläft.

Das Baby hört irgendwann auf und lacht wieder. Die Große gibt erst Ruhe, als ich mich an ihre idiotische Hausaufgabe mache: eine Woll-Bommel wickeln. Ja, Mütter kann man es ja machen lassen. Grummel.

Ich sitze also und wickele und wickele und ich habe Handarbeit schon immer gehasst und das Geschrei des Mittleren hört einfach nicht auf. Immer wieder gehe ich zu seinem Bett, nachgucken, was er will, er will nichts, nur raus! Ich nehme ihn auf den Arm, aber das reicht ihm nicht. Er will herumlaufen, dabei ist er hundemüde. Ich stecke ihn zurück ins Bett, Geschrei geht von vorne los.

Schließlich ist es acht Uhr, das Ende der Bommel-Wickelei ist nach über zwei Stunden noch nicht in Sicht. Da schlage ich meiner großen Tochter vor, es doch auch mal mit ihrem neinschreienden Bruder zu versuchen. Schließlich mache ich hier ihre Hausaufgabe des Schuljahres!

Sie geht zum ihm und fragt: „Willst du noch was lesen?“
„NEIN!“
„Willst du… das mit dem Schäfchen lesen?“
„NEIN!“
„Willst du lieber das hier lesen?“
„NEIN!“
„Willst du lieber Conni lesen?“
„NEIN!“
„Willst du… willst du vielleicht kuscheln?“
„Nein.“
„Schau mal, ich komm zu dir ins Bett…“ (klettert ins Gitterbettchen)
„Mach mal so und mach mal so, leg dich mal so aufs Kissen…“
„Nein…“
„Ich erzähl dir jetzt was. Du denkst, dass du fliegst…“
„NEIN!“
„Du denkst…“
„NEIN!“
„Du denkst…“
„NEIN!“
„Du denkst…“
„NEIIINN!“
(An dieser Stelle denke ich, dass sie vor Wut und Enttäuschung gleich selbst anfängt zu heulen. Aber beim vierten Mal setzt sie sich durch:)
„Du denkst, dass du fliegst. Ganz weit. Zu Gott und nach Afrika. Und wieder zurück.“

Kurze Zeit später ist alles still. Meine Große schlüpft zu mir ins Zimmer und sagt zum ersten Mal in ihrem Leben:

„Ich geh ins Bett.“ Was sie auch sofort tut.

Friday Fives – 5 Dinge, für die ich dankbar bin

Nicht in chronologischer Reihenfolge.

  1. Freitagnacht, 23 Uhr: Rückkehr des Einjährigen aus dem Kreiskrankenhaus, wo ihm eine Zecke entfernt wurde, die sich fast in seinem Auge festgebissen hatte, also mitten in den Wimpern unterhalb des rechten Auges saß. Zuvor hatten insgesamt fünf Erwachsene, davon ein Bereitschaftsdienstler und zwei Nachbarn mit insgesamt neun unterschiedlichen Pinzetten ihr bestes gegeben, Arme, Beine und Kopf des Jungen gleichzeitig und gemeinsam festgehalten und nach einer Stunde wieder aufgegeben, weil die Zecke da immer noch drinsaß.
  2. Donnerstagabend, 20 Uhr: Der Einjährige schläft. Nach zwei Stunden Tränen und Geschrei. Die große Schwester hat ihn nun endlich beruhigt, sich zu ihm ins Gitterbettchen gelegt, ihm eine Geschichte erzählt. Das hat geholfen. Danach schläft sie selbst sofort erschöpft ein.
  3. Klein-Baby verweigert den Zwei-Stunden-Rhythmus. Wer ihr nach wie vor alle zwei Stunden Milch anbietet, bekommt nur schrillstes Geschrei zur Antwort. Jetzt trinkt sie also alle 3 Stunden und ist dazwischen auch mal richtig wach und vergnügt, findet uns lustig, guckt ihre vier Landfamilienmitglieder an und lacht.
  4. Ein Projekt ist zu Ende, lang hat es gedauert, aber gut ist es geworden. Letzte To dos erledigen, dank eines guten Freundes/ Kollegen alles hinkriegen, Mails schreiben, Rechnung schreiben. Freuen.
  5. Wir haben alle kommenden Wochenend-Termine und Ausflugzeiten (und -ziele) für die Ferien sondiert, vom Fußballspiel übers Zelten bis zum Festival. Viel Nachdenken, ob die Freizeitwünsche von zwei Erwachsenen für fünf Leute mit fünf unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen kompatibel ist. Alles geht nicht. Aber ich bin dankbar darüber, wie viele Möglichkeiten wir haben. Dass wir Freunde und Verwandtschaft treffen können. Alle drei Kinder sind gesund und lieben alle drei das Fahren mit Auto, Fahrrad und Zug. Beste Voraussetzungen also.

Mehr #FridayFives gibt es bei Buntraum.