Party on

Partysituation nach 12 Stunden

The party must go on.

Für Kinder ist das Leben eine einzige Party.

Das ist meine neueste und bislang auch fast einzige Erkenntnis über Kinder.

Ein paar Beispiele gefällig?

Wenn ich (als Mitglied des Party-Service-Personals) zum Essen rufe, reagiert ein Kind überhaupt nicht, weil es gerade Musik hört, rennt, klettert, springt, liest, lacht oder nachdenkt.

Das zweite kommt sofort angelaufen und ruft: „Gibt’s Schokolade?“.

Das dritte stößt einen unwilligen Schrei aus, der bedeutet „Na endlich! Ich warte auch schon drei Stunden!!! Ging das nicht schneller, oder was??!!!“

Sitzen dann alle auf ihren Stühlen, muss das Service-Personal ein Kind ständig ermahnen: „Setz dich richtigrum hin!“.

Das zweite muss alle paar Minuten neu an den Tisch rangeschoben werden, weil es sich mit dem Stuhl abschiebt und dann klagt: „Ranschieben! Ranschieben!“.

Das dritte muss angeschnallt werden, damit es nicht auf den Tisch kriecht.

Ein Kind versucht, die Essenszeit zu effektivieren, indem es sich entweder gar nichts nimmt, oder die gewählte Portion in Sekundenschnelle verdrückt, um noch mit vollem Mund zu fragen: „Kann ich jetzt gehen?“. Entgegnet das Service-Personal: „Warum?“, antwortet es schon im Gehen: „Das ist ein Geheimnis!“ und ist im Kinderzimmer verschwunden.

Das zweite untersucht jede Portion mit den Händen, zerlegt, zerkrümelt, filetiert, entsaftet, legt Würmer aus Spaghetti und Eisenbahnen aus Brotrinden, verlangt fünfmal hintereinander Milch oder Saft nachgeschenkt zu bekommen und schmeißt dabei mindestens einmal den Becher um.

Das dritte wirft je nach Lust und Laune zehn bis neunzig Prozent der dargebotenen Speisen auf den Boden. Zur Erleichterung des Service-Personals, vielleicht aber auch nur zufälligerweise, hebt es die Reste später manchmal im Vorbeikrabbeln wieder auf und isst sie dann doch noch.

Während das Service-Personal im Anschluss an die Mahlzeit wischt, fegt, die Spülmaschine vollräumt, Müll wegbringt… bauen die Kinder eine Höhle aus Kissen, Decken und Stühlen und spielen darin Picknick mit Puppengeschirr (ein Plastikservice, das aus 1024 Einzelteilen besteht und vom Service-Personal später aus allen Ritzen des Kinderzimmers geklaubt werden muss).

Im Anschluss kicken zwei Kinder einen Ball durch die Wohnung, wobei ihnen egal ist, was umfällt, außer, sie sind es selbst. Dann müssen sie sofort getröstet werden.

Das dritte nimmt solange seinen Nachtisch zu sich (Stifte, Radiergummis, Steine, Legokleinstteile, Schwämme, Biomüll) und versucht im Anschluss, die Leiter zum Stockbett hochzuklettern. Es kommt auf halber Höhe an, dann fällt es: mit dem Kopf auf die Duploeisenbahn, die sofort losrattert, aber in den nächsten Minuten von niemandem beachtet wird und einsam ihre Runden dreht.

Während das Kleinste von einem Mitarbeiter des Service-Personals getröstet wird, haben sich die beiden Größeren mit Fußballschals, Fahnen, Skibrillen und Faschingshüten unkenntlich gemacht, ziehen grölend durch den Flur und bleiben lauthals kreischend über ihre Verkleidung vor dem Spiegel stehen.

Das Mittagessen, das ich oben beschrieben habe, ist zu diesem Zeitpunkt erst seit zehn Minuten vorüber, aber keiner erinnert sich mehr daran. Schon wird lautstark verlangt, man möge Eis servieren, einen Film zeigen, eine Runde Fußball spielen („für dich kick ich extra auch ganz leicht!“), ein Meerschweinchen kaufen und bittebitte einen Flug buchen („warum fliegen wir nienienie irgendwo hin?!“).

Das Service-Personal, das sich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten kann, schielt unablässig zur Uhr: Wann wird es ein wenig ruhiger, wann können wir uns mal setzen / hinlegen / backstage eine Flasche Wein aufmachen / einfach gehen?

Nein, einmal früher Feierabend, oder ein Jobwechsel, das sind Dinge, die laut Arbeitsvertrag bei dieser jahrelangen Party nicht drin sind!

Aber es gibt eine Atempause für das Personal. Eine am Tag. Eine allzu kurze manchmal nur, aber in der Not nimmt man alles an. Das ist die Schlafenszeit, die die Feiernden einlegen müssen, um wieder Kraft zu schöpfen, schließlich startet die nächste Party schon wieder früh am nächsten Morgen.

Diese Schlafenszeit übrigens, die muss unsäglich langweilig sein, jedenfalls den Bemerkungen nach zu urteilen, die den Kindern einfallen, wenn das Service-Personal mal wieder (ganz behutsam, versteht sich), das Thema aufs Schlafen bringt.

Beispiele:

1. Ausreden: „Nein! Die / der hat noch nicht mal zu ABEND gegessen! Der / die darf bis zehn Uhr aufbleiben! Bis ZEHN! Morgen ist doch so gut wie fast gar keine Schule!…“

2. Ablenkungsmanöver: „Nein! Ich will noch einen Duplo-Turm bauen! Ich will einen ganz hohen Duplo-Turm bauen! Ich will den höchsten Duplo-Turm der Welt bauen! Du sollst mir beim Bauen helfen!“

3. Verzweiflung: „Neiiiiiiii—–???? —-nnnnnnnn!!!!! WÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!!“

Vielleicht ist die Dauerparty in unserem Hause ja der Grund dafür, dass ich die meisten Erwachsenenpartys (von Ausnahmen abgesehen) nicht mehr ganz sooo spannend finde?

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Dieser Beitrag wurde eingereicht für den scoyo ELTERN! Blog Award 2017.

Blogparade Mutter-Kind-Kur – Auswertung

Vielen Dank, dass Ihr bei der Blogparade  zur Mutter-Kind-Kur teilgenommen habt! Das hat mich total gefreut.

Eines vorweg: 8 der 13 Beiträge waren eindeutig positiv, zwei fielen negativ aus und drei Beiträge verbuche ich unter „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“.

Mithilfe Eurer Beiträge habe ich eine ganze Menge nützlicher Tipps für künftige Mutter-Kind-Kuren gesammelt rund um die Antragstellung, Packliste, Rechtliches.

Eure Gründe, eine Kur anzutreten, Eure Erwartungshaltung, Euer Durchhaltevermögen bei Durststrecken (wie Einsamkeit) sind insgesamt sehr unterschiedlich. Auch das Angebot in den Kliniken unterscheidet sich teilweise wie Tag und Nacht.

Doch einige Erkenntnisse ziehen sich durch (fast) alle Eure Berichte. Kurz zusammengefasst:

  1. Nicht mit zu kleinen Kindern auf Kur fahren (Stichwort Eingewöhnung in der Kur-Kita)
  2. Nicht schwanger auf Kur fahren (wenn man die Kurse alle mitmachen möchte)
  3. Jeder hat bei der Kurklinik freie Wahl, die Wunsch-Klinik muss jedoch häufig mit Bestimmtheit gegenüber der Krankenkasse durchgesetzt werden
  4. Die Ärzte und Therapeuten vor Ort müssen manches Mal überredet werden, die passenden Anwendungen / Kurse zu verschreiben oder überhaupt zuzuhören
  5. Nicht zu viel von den Behandlungen erwarten und die Kur am besten als „Urlaub vom Alltag“ genießen

Da kann ich nur sagen: Hätte ich das alles mal vorher gewusst.

Wer jetzt noch Zeit und Lust oder das Bedürfnis hat, sich weiter ins Thema Mutter-Kind-Kur einzulesen, dem möchte ich die Berichte nicht länger vorenthalten. Weiter im Text!

PRO

Allerlei Themen (Petra): Eine Erholung war es. Aber: Nicht mit (zu) kleinen Kindern! Und: Ein Ratgeber

Petra (war in Boltenhagen an der Ostsee) hat einen lesenswerten Ratgeber zusammengestellt. Auf was sollte man achten, bevor man in die Kur fährt? Was muss ich im Vorfeld wissen? Wie viel kostet eine Kur? Werde ich als Arbeitnehmer weiterhin bezahlt?

Petra schreibt, eine Kur mit kleinen Kindern sollte man nur machen, wenn man sie auch (gerne) in fremde Hände geben möchte. Eine Eingewöhnungszeit gibt es im Kur-Kindergarten nicht.

Petra ist zufällig an ihre Kurklinik „geraten“ und war mit der Einrichtung sehr zufrieden.

Was hat Petra aus ihrer Kur mitgenommen:

„3 Wochen nicht putzen, einkaufen oder kochen: Super Erholung! Genau das wollte ich (…) Ich weiß jetzt: Ich schaffe auch 8 Stunden Zugfahren mit meinem Kind, ich habe Freunde, denen ich vertrauen kann UND ich werde zu Hause vermisst!“


Ein Haufen Liebe (Sandy): Rundum zufrieden

Auch Sandy war mit ihrer Kurklinik (auf Rügen) sehr zufrieden. Sie hatte die Klinik im Vorfeld selbst ausgesucht.

Was Sandy aus ihrer Kur mitnimmt:

– meine Familie ist mir das wichtigste und die geb ich nie mehr her
– ich habe tolle, für ihr Alter recht selbstständige Kinder, auf die ich mich verlassen kann
– ich mache schon viel “ richtig“ in unserer Erziehung und den Rest lerne ich nach und nach
– es ist egal, was andere denken (an dem Punkt arbeite ich noch weiter)


Tulpentopf (Tina): Die kleinen Dinge wieder schätzen lernen

Tina (sie war in der Ostseeklinik Zingst in Boltenhagen) zieht ein Jahr später Bilanz. Ihre Kinder erinnern sich noch gut an die Zirkusnummer, die sie ihren Müttern vorgeführt haben. Aktivitäten wie Weben, Trommeln, Stockkampf haben den Kindern – und ihrer Mutter – gezeigt, wie sie sich im Alltag entspannen können. Zu Hause setzt die Familie dieses „an nichts anderes denken (können) und Spaß dabei (haben)“ u.a. beim gemeinsamen Lego-Bauen und Ausmalen um.

Zwei von drei größeren Schritten, die Tina in ihrem Leben gehen wollte, hat sie seit der Kur schon geschafft: Sie hat die Arbeit im Vereinsvorstand abgeben können und ein Studium begonnen.

Vor der Kur hat Tina sich oft geärgert, wenn sie mal „nichts“ oder „nichts Sinnvolles“ machte. Mit der Kur hat sich ihr Fokus verändert. Ihr Fazit:

„Ich habe gelernt, geduldiger zu sein. Mit mir, mit meinen Plänen, mit den kleinen Dingen. Ich kann mit Langeweile umgehen und wertschätzen, was mir gut tut.“

Interessant sind aber auch Tinas Erfahrungen, den sie bereits direkt im Anschluss an die Kur im Blog festhielt. Hier schrieb sie u.a.: „Du wirst während der Kur nicht von dem geheilt, was du an Leiden mitgebracht hast. Mit ein bisschen Pech wird dieses Leiden nämlich gar nicht erst behandelt oder vielleicht ein einziges Mal besprochen.“ Auch Tinas Kinder kamen um Magen-Darm nicht herum. Insgesamt ist eine Kur sowieso erst was für Kinder ab 5, findet Tina.


Schnuppismama: Info-Blog rund um die Kur in Norddeich

Schnuppismama (Haus ReGenesa in Norddeich) hat ihre Organisation rund um die Kur umfassend beschrieben. So gibt sie bereits Tipps zur Antragstellung.

Wer wie Schnuppismama im Haus ReGenesa in Norddeich zu kuren gedenkt, kann gerne in die Infos rund ums Packen, Parken, Waschen, Zimmeraufteilung, Essen, Qualität und Quantität der Kinderbetreuung etc. reinlesen. Sie beschreibt auch, welche Verordnungen man bekommt und wie der Therapieplan vor Ort aussieht.

Zwischendurch einfach mal „nichts tun“ tat ihr gut. Schön war es auch, einfach loszuziehen und das touristische Programm vor Ort zu genießen. Auch die Andachten bzw. Gottesdienste in der evangelischen Kur-Einrichtung taten ihr gut.

Fazit: Schnuppismama war vor allem von der Physiotherapie und den Sporteinheiten begeistert. Nicht ganz so zufrieden war sie mit dem psychotherapeutischen Teil ihrer Kur. Aber sie lenkt ein:

„Es hätte also hier vielleicht besser laufen können, aber seien wir ehrlich, (…) eine freie Therapeuten-Wahl lässt sich aus Zeitgründen einfach nicht umsetzen. Daher bin ich dennoch sehr zufrieden mit diesem Teil und habe einiges für mich mit nach Hause genommen.“


Frühlingskindermama: Alles steht und fällt mit der Kinderbetreuung oder: Weniger ist mehr

Die Frühlingskindermama (Ostseestrand Kurklinik Klaus Störtebeker) war mit großer Skepsis in ihre Kur gefahren. Zu viele negative Erfahrungsberichte hatte sie vorab gehört und gelesen. U.a. deshalb entschied sie, mit nur einem Kind loszufahren. Sie wählte den Großen, für den sie im Alltag weniger Zeit hat als für ihre anhänglichere Kleine.

Das war sicher eine gute Idee, denn einen Sechsjährigen muss man nicht lange an die neuen Umstände gewöhnen. Dachte die Frühlingskindermama.

Die Kinderbetreuung stellte dann aber als etwas holperig heraus:  1) fand die Betreuung der Kinder meist nur am Vormittag statt, war also zu kurz, 2) ging ihr Sohn auch noch ungern in die Kur-Kita, sodass sie ihn auch mal nur für drei Stunden abgab. Was sie in ihrer Entscheidung, ihre jüngere Tochter zu Hause gelassen zu haben, bestärkte:

„Eine zuverlässige Fremdbetreuung ist unglaublich wichtig für das Gelingen einer Kur. Mit sehr kleinen oder trennungsängstlichen Kindern würde ich mir sehr gut überlegen, auf eine Mutter-Kind-Kur zu fahren.“

Die Frühlingskindermama buchte gleich eine Menge Kurse. Das wurde ihr dann doch zu viel, und so machte sie ab der zweiten Woche weniger.

„Es können lediglich Anregungen zur Bewältigung vermittelt werden und Eltern für typische Probleme sensibilisiert werden. Dessen sollte man sich bewusst sein, sonst wird eine zu hohe Erwartungshaltung sicher nicht erfüllt.“

Die Erwartungen der Frühlingskindermama jedenfalls wurden sicherlich mehr als erfüllt: Sie liebte die Natur rings ums Haus, den nahen Strand und den Wald. Ihr Kind schloss schnell Freundschaften und auch sie fühlte sich in der Gruppe Mütter wohl:

„Gut, dass ich die Kur gemacht habe!“


Mutterseelesonnig (Annette): Kraft tanken in der Wunsch-Klinik, solange die Gesellschaft (noch) nichts für die Mütter tut

Annette fragt sich, warum die Mütter eigentlich so schnell ausbrennen und verbindet ihre Überlegungen mit dem Aufruf, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen.

Was kann man gegen den miserablen Gesundheitszustand vieler Mütter tun? Annette meint:

„Man könnte die Betreuungssituation verbessern, man könnte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern (…) man könnte präventiv Haushaltshilfen verordnen, man könnte bessere Netzwerke für Familien spannen, man könnte bezahlbaren Wohnraum für Familien schaffen (…) Stattdessen hetzen die Frauen sich kaputt und werden alle paar Jahre liebevoll wieder aufgepäppelt.“

Solange die gesellschaftlichen Zustände so sind, nimmt Annette die Möglichkeit einer Kur aber gerne an. Ihr Engagement und ihre Durchsetzungsfähigkeit haben sich bei der Suche nach der richtigen Klinik bewährt:

„Ich hab mir eine Klinik gesucht, gefragt ob der Platz zu meinem Wunschzeitraum frei ist und habe dann genau diese Klinik zu diesem Zeitpunkt in den Antrag der Krankenkasse geschrieben. Die Krankenkasse hat dann gesagt: Nö, zu teuer, such Dir was anderes aus, was aus unserm Katalog. Ich hab dann gesagt: Nö, ich will dahin und nirgends anders! Weil die Klinik aus diesen und jenen Gründen genau richtig für mich ist. Und dann haben die das bewilligt, irre!“

Annette fährt, wann immer sie kann, in ein und dasselbe Kurheim: das Caritashaus am Feldberg, das sich tatsächlich als rundum schönes, übersichtliches und erholsames Haus erwiesen hat (running gag dieser Blogparade: ich war in demselben Haus, habe es aber eher als Stationierung empfunden!).

Annette macht es nichts aus, wenn eine Kur mal ohne ein bestimmtes Konzept daherkommt, wenn sich Leerlauf ergibt und sie dadurch viel Zeit, auch mit den Kindern, verbringen kann. Denn im Alltag als Alleinerziehende mit fulltime job sind es in erster Linie die Entspannungszeiten, die ihr fehlen. Rumlümmeln, Spazierengehen, gemeinsam mit den Kindern im Bett lesen: Das ist Annettes bescheidener Anspruch an die Kur. In ihrem Lieblings-Kurheim kommt dann on top hinzu, dass ihr das Programm wirklich zusagt.

Annette nennt ihren Blogbeitrag „Unter Müttern“. Das sagt eigentlich schon alles. Jede hat eine andere Erzählung, eine andere Erziehungsmethode im Gepäck hat. Nicht immer ist es leicht, die Geschichten und Gewohnheiten der anderen um einen herum zu ertragen.

„Drei Wochen unter Müttern zu sein, ist vielleicht die größte Herausforderung an der Kur.“

Dennoch will Annette auch weiterhin die Mutter-Kind-Kur als eine kurzfristige Lösung von Alltagsproblemen und Burn-out-Gefahr nutzen:

„Und anderem, damit ich weiter die Kraft habe, mich für eine Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen zu Gunsten von Familien und besonders Alleinerziehenden zu engagieren, damit es diese Kuren nicht mehr braucht.“

DANKE, Annette, für Deinen Text, den Du extra für die Blogparade geschrieben hast! *winkt rüber zum Feldberg, wo Du gerade mal wieder auf Kur bist, was sonst!*


Karolina (Linalisu): Dranbleiben, dann wird es auch was mit der Wunsch-Klinik!

In Karolinas Familie sind es vor allem ihre beiden Kinder, die mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Mit ihrem ersten Kur-Aufenthalt (in Cuxhaven in der Strandrobbe) vor einigen Jahren war Karolina mehr als zufrieden.

Drei Jahre nach ihrer guten Erfahrung beantragte sie zum zweiten Mal eine Kur. Ihr Wunsch, wieder nach Cuxhaven zu kommen, wurde erst nicht genehmigt, aber Karolina blieb hartnäckig an ihrer Krankenkasse dran. Sie schreibt:

„Nicht aufgeben! Widerspruch einlegen und am Ball bleiben. Immer wieder anrufen und nachfragen. Man hat ein Recht auf seine Wunschklinik!“

Wie auch Annette (mutterseelesonnig) wusste Karolina: Jedem steht ein Platz in seiner Wunschklink zu – auch wenn man dann ggf. nicht sofort seine Kur antreten kann. Umfassende Informationen liefert das Müttergenesungswerk. Also: Bevor man an die Krankenkasse schreibt, unbedingt erstmal Beratung hinzuziehen!

Karolina war jedenfalls auch beim zweiten Mal mit ihrer Kur rundum zufrieden. Von der Kinder- und Hausaufgabenbetreuung über die Wattwanderungen bis zum Austausch mit den Ärzten und anderen Eltern: Alles stimmte.

„Immer wieder würden wir eine Kur machen und wir hoffen, dass wir auch ein drittes Mal in die Strandrobbe fahren dürfen.“


Ahoikinder (Ute): Kein Haushalt, kein Job und immer gut zu essen

Ute hatte mit zwei Kindern und ihrem Job und dem Blog schon eine ganze Menge am Laufen. Als sie zum dritten Mal schwanger war, verließen sie die Kräfte. Erst dachte sie:

„Ich bin doch nicht krank! Ich schaffe doch immer alles und habe genug Energie für alles.“

Ihr Körper sagte ihr jedoch anderes, und so bekam sie noch während der Schwangerschaft einen Kurplatz (in der Kurklinik Lindenhof, Nähe Passau).

Ute beschreibt ihre Kur als sehr entspannend. Keine Hetze am Morgen, sehr flexible Kinderbetreuungszeiten. Kein Haushalt, kein Job und immer gut zu essen! Unterm Strich hatte sie somit viel mehr Zeit für ihre Kinder als zu Hause.

Ihre beiden Jungs hatten Spaß bei Fußball- und Indianerspielen, sie selbst erholte sich bei Massagen und Wannenbädern. Einiges war ihr in der Schwangerschaft aus ärztlicher Sicht nicht erlaubt, kneippen und Aquagymnastik zum Beispiel. Ute konnte jedoch ihre Kur-Ärzte überreden, und so durfte sie immerhin bei der Gymnastik im Wasser mitmachen.

Wer mehr über die Voraussetzungen rund um eine Kur erfahren will, liest Utes Interview mit Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks.


CONTRA

Mama arbeitet (Christine): In die Räder der Kur-Industrie geraten

Christine wagt sich über ein Jahr nach Beendigung ihrer Kur (die im Bayerischen Wald stattfand) an ein zweites Fazit, das nicht gut ausfällt. Dafür ist es diesmal ein ehrliches, wie sie sagt.

„Mir schwebte Wellness mit All-Inclusive Verpflegung und Kinderbetreuung vor.“

Stattdessen fand sie sich mit ihren drei Kindern in einem winzigen Zimmer mit Stockbetten wieder:

„Das ganze sah aus wie in einer Jugendherberge. Insgesamt wohnten wir in diesen 3 Wochen auf etwa 15 Quadratmetern.“

Christine wurde in der Kur (ungefragt) auf Diät gesetzt, obwohl sie, um sich erholt zu fühlen, lieber mehr als weniger isst. Hinzu kam, dass für sie keiner der Programmpunkte infrage kam. Kein Wunder, dass sie sich fehl am Platz fühlte und anfing, sich zu langweilen. Tatsächlich sagte ihr die Klinikleitung:

„Tja, Frau Finke, das tut mir Leid – wir wissen manchmal auch nicht, warum die Krankenkassen uns die Leute schicken.“

Aber die tägliche Langeweile war nicht das Schlimmste. Am traurigsten war Christine darüber, dass ihre Tochter den 3. Geburtstag in Quarantäne, also im Zimmer verbringen musste.

„Da war ich so traurig, dass ich (…) weinte, und meine Tochter mich trösten wollte.“

Christines trauriges Fazit:

„Mein Gesamteindruck war, dass ich in die Räder einer Kur-Industrie geraten war, in der Menschen als Belegeinheiten gesehen werden.“


Goldkäferblog (Stephanie): Nie wieder schwanger und mit Kleinkind auf Kur

Stephanie (Kur in Thüringen) fand die Kur mit einem nur 1,5-jährigen Kind beschwerlich. Zum Beispiel war der Wickelplatz im Bad zu eng und es gab nicht mal Seife. Hinzu kam, dass die Wege für so einen kleinen Laufanfänger sehr weit waren. Täglich musste zum Essen mehrmals das Haus gewechselt werden, was sich für die Mutter eines Kleinkindes (mit dem zweiten Kind schwanger) als purer Stress herausstellte.

„Im Allgemeinen fand ich Kur nur anstrengend. Ich habe mich keinesfalls erholt. Ich wollte jeden Tag mehr Heim. (…). Ich bin teilweise aggressiv geworden…“

Stephanies Fazit:

„Ich (…) habe für mich gelernt, dass ich NIEMALS mehr schwanger und mit Kleinkind auf irgendeine Art Kur gehen werde. Ob ich sowas überhaupt wiederholen werde, steht in den Sternen.“ Denn: „Schwanger wirst du behandelt wie ein rohes Ei und mit dem Kleinkind macht es einfach keinerlei Freude, wenn der Kurort gleich so gegen null dafür ausgerüstet ist, obwohl er es zu meinen scheint…“

Interessant ist auch Stephanies Vorbericht. So sagte ihr die erste Kurklinik kurzerhand ab, als die von ihrer Schwangerschaft erfuhr. Stephanie musste sich dann sehr zügig für ein anderes Haus entscheiden, „denn im Mai würden sie Schwangere bereits auch (hier) nicht mehr aufnehmen.“


Mit 1 lachendem und 1 weinenden Auge

Wiktoria’s life (Wiktoria): Programm & Essen gut, persönliche Beratung schlecht. Und alle werden krank

 

Wiktorias erste Woche (sie war in Neuhaus-Schierschnitz in Thüringen) lief gut an. Unterkunft: geräumig, Ausblick: klasse, Essen: vom Feinsten. Auch das für sie bereitgestellte Programm war passend und ihr Kind ging gerne in die Krippe.

Zur Halbzeit wurden an die dreißig Mütter und Kinder krank: Magen-Darm. Wie auf einer Kur üblich bedeutete das für die Kranken: Quarantäne, also vom Arzt verschriebener „Stubenarrest“. Wiktoria schreibt:

„Leider ist seitdem auch die Stimmung im Haus etwas gekippt. Alle hatten sich verschanzt. Die Kranken, um nicht anzustecken. Die Gesunden, um sich die Pest nicht auch noch zu holen. Unser toller Zusammenhalt, den ich letzte Woche gelobt habe – er war weg. Zwei Tage später sind drei Mamas abgereist.“

Die dritte Woche bringt endgültig Enttäuschung. Entlastende Gespräche mit einem Therapeuten haben bislang nicht stattgefunden. Die Sozialpädagogin nimmt sich erst Zeit für Wiktoria, nachdem diese bei einer Feedbackrunde angegeben hatte, sich nicht genügend versorgt zu fühlen. Doch die Pädagogin kennt sich mit ihrem Problem (ADHS) gar nicht aus. Die Klinikleitung verspricht Abhilfe, doch dann muss Wiktoria wegen ihrem kranken Kind früher abreisen.

Wiktorias hat aber Positives für sich mitgenommen:

„Ich muss gar nichts. Nichts gegen meinen Willen tun, nichts erdulden und schon gar nichts ertragen.“

Sie will in Zukunft öfter „Nein“ sagen können und sie möchte mehr für ihre Bewegung tun.


Mann Kind Koffer (Pseudonym: Mutterstiefchen): Kleinkind und Kur geht gar nicht

Mutterstiefchen (war in Arendsee in Sachsen-Anhalt) missfiel auf ihrer Kur einiges: Die Essenszeiten waren wie im Krankenhaus extrem früh (z.B. Abendessen spätestens um 18 Uhr). Der Ort („liegt gefühlt mitten im Nirgendwo“) war ein Kaff, man konnte nur begrenzt etwas unternehmen. Für ihr Kleinkind (2 Jahre) fehlte ihr die Eingewöhnungszeit für die Krippe. Sie hatte einen vollen Terminplan und musste dafür „bereits am dritten Tag Mini Mann von 8 – 16 Uhr in einer fremden Kita abgeben“.

Am Alter ihres Kindes lag es auch, dass für Mutterstiefchen die ersten zwei Wochen reiner Stress waren. Erst in der dritten Woche wurde es doch noch schön, aber als die Entspannung einsetzte, war die Kur auch schon wieder vorbei.

Ihr Fazit:

„Mit einem Kind in diesem Alter (2 Jahre) würde ich nicht mehr in Mutter-Kind-Kur fahren.“

Dennoch plant sie eine weitere Kur, denn mit einem älteren Kind (und vielleicht auch mit weniger Terminen pro Tag) ist so eine Kur doch eine tolle Sache.


Mamanatur (Anita): Einsam am Strand

Mamanatur zieht erst fünf Jahre nach ihrer Kur Bilanz. Und die fällt hauptsächlich negativ aus. Anita fühlte sich in der Kur einsam, ganz auf sich allein gestellt mit ihren beiden 3-jährigen Zwillingen. Sie vertraute den Erziehern wenig und versuchte, möglichst viel Zeit mit ihren Kindern am Strand zu verbringen. Da sie zu dritt in einem Bett schlafen wollten (Familienbett), wurde Anita mit ihren Kindern „etwas abseits“ untergebracht. Das störte sie nicht, im Gegenteil, hofft sie doch, abseits vom Trubel ein wenig mehr Schlaf zu finden. Dennoch: Tagsüber hätte sie gerne Anschluss zu den anderen Müttern gefunden.

Insgesamt kam Anita ihre Kur „wie ein netter Urlaub“ vor. Aber:

„Die Einsamkeit hat mich sehr mitgenommen“.

Ihr vorsichtiges Fazit:

„Das ist nur meine Erfahrung und jedes Haus ist anders und nicht jede Klinik passt zu jeder Familie, denke ich.“

Jeden Tag ist Zirkus. Besonders am Wochenende

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Himmelfahrts-Wochenende in Bildern #wib

Das Wochenende beginnt am Donnerstag. Ich bin vier Tage lang Strohwitwe mit drei Kindern, zur Hilfe. Also lasse ich mich nicht lumpen und führe die Kinder in den Zirkus aus. Das Bild entstand nach erfolgreich überstandener Show vor der Kamelweide.

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Nach Cola und Zuckerwatte klingt der Tag mit Erdnussflips aus.

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Freitagvormittag. Seit zwei Tagen spinnt das Auto wieder. Da wir gerade erst eine völlig bescheuerte, sinnlos teure Reperatur hatten und dasselbe Problem schon wieder aufzutreten scheint, fahre ich sofort in die Werkstatt. Dort ist aber gleich auf zweifache Weise alles gut: Erstens, das Problem ist gar keines (oder hat sich wieder eingerenkt). Zweitens, die Kinder können in der Spielecke spielen.

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Es ist so heiß. Ich will mit den Kindern heute ins Schwimmbad. Aber hunderte von Dingen schieben sich dazwischen. Wir packen, packen um, machen die Fahrräder flott, dann wieder doch das Auto, ich bringe Müll raus, und RUMMMS. Sofort renne ich zurück, und da steht mein Sohn neben einem Meer aus Scherben. Der Wind hat die Zwischentür zugehauen. Der Sohn hat keinen einzigen Kratzer, sondern guckt nur ein wenig überrascht. Nach einer halben Stunde haben wir aber auch die Scherben weg und können endlich ins Schwimmbad fahren.

20170527_152803.jpgSamstag. Unsere Große ist kein Pferdefan. Bislang. Seit gestern wünscht sie sich aber nicht sehnlicher, als auf einem Bauernhof zu wohnen. Passt ja, dass ausgerechnet heute Aktionstag auf dem Hofbauernhof ist. Pferdereiten, Pferdestriegeln und Hufe auskratzen ist angesagt.

Doch bevor wir zum Hof fahren, kommt erst der Ernst des Tages: das allsamstägliche F-Jugend-Fußballturnier.

Schließlich können wir los. Zu dem Hof fährt man eine sehr abgelegene, einsame Strecke durch den Wald (aber eigentlich muss man hier für fast jeden Ort eine sehr abgelegene, einsame Strecke durch den Wald zurücklegen).

Maximal acht Kinder (meine eigenen eingerechnet) sind da und unsere Große ist schwer begeistert. Einfach von allem.

Die Atmosphäre ist so toll, dass wir da im Café hängenbleiben und uns mit allen möglichen Leuten unterhalten. Junge Menschen, die ein FOEJ (Freiwilliges Ökologisches Jahr) machen, grillen und bedienen uns, ein älteres Ehepaar, das gerade die örtliche Schule gekauft hat, schaut vorbei, und meine Kinder freunden sich mit anderen an. Wir wollen nie wieder nach Hause gehen.

20170527_165634.jpgNeben dem Café, das eigentlich ein kleiner Demeter-Kaufladen ist, und einigen Tieren, gibt es eine Menge tolles Zeug für Kinder – das gleichermaßen für Erwachsene geeignet ist. Zum Beispiel dieses riesige Baumhaus hier, ein riesengroßes, selbstgebautes Holzkarussell, auf dem gut zwanzig Kinder und / oder Erwachsene Platz finden. Und natürlich Hund, Katze, Schaukeln, Feuerstelle, Außendusche und Außenbadewanne…

Doch, manchmal ist es ganz schön, hier zu wohnen.

Vom Sonntag gibt es leider keine Bilder. Aber weil ich die Kinder ein weiteres Mal ausführen wollte, waren wir im Gottesdienst in unserer Dorfkirche (die Kinder verbrachten die Kinderstunde mit Blumenpflücken, die Erwachsenen hörten eine sehr inspirierende Predigt). Danach gab es einen Kurztrip an den Fluss, oder besser in den Fluss, was für die Kinder lustig, für mich ein Spießrutenlauf war. Ich höre mich jetzt noch rumschreien: „Nur bis zu den Knien! NUR BIS ZU DEN KNIEN! NICHT weglaufen, ich muss dir erst die Hose ausziehen… bzw. das T-Shirt wieder anziehen! NICHT da hochklettern!…“ etc.etc.

Weil wir alle hungrig waren, liefen wir von dort aus zum Feuerwehrfest. Ein Kind versank dort im 7. Pommes-Himmel, eines im Apfelschorle-Wahn und eines lief gleich wieder zurück zum Fluss, um mit Kleidern direkt bis in die Mitte zu waten…

Seht noch mehr „Wochenenden in Bildern“ #wib im Blog „Geborgen wachsen“ von Frau Mierau.

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? – WMDEDGT im April

Der 5. jeden Monats ist WMDEDGT – Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Zanktag

Heute schreien zwei von drei Kindern den ganzen Tag rum. Weinen, befehlen, kreischen, trampeln und schubsen. Nicht eine Minute kann man die beiden heute zusammen in demselben Zimmer auf den Boden setzen. Diese beiden Kinder sind 1 und 2 Jahre alt und müssen noch ein ganzes oder zumindest einen großen Teil ihres Lebens miteinander klar kommen. Also ich sehe da schwarz.

Rechtfertigungs-Tag 

Nachdem ich beide bei der Tagesmutter abgeliefert habe und beim Bäcker war, ruft mich der Tageselternverein ein. Der Grund: Beide Kinder sollen ab Mai nicht mehr nur 70 sondern 104 Stunden pro Monat betreut werden. Das haben wir so in den Antrag geschrieben.

Komischerweise kann man den Betreuungsumfang jederzeit ohne Begründung zurückfahren. Also jetzt zum Beispiel in der Eingewöhnungzeit, wir Eltern halb in Elternzeit bzw. Elterngeld, halb mit Arbeit versorgt, da brauchten wir nur 70 Stunden für jedes Kind pro Monat und gönnten es uns und ihnen, viel zusammen zu Hause zu spielen. Wir haben beide ein Büro zu Hause und arbeiten, wann uns die Arbeit eben ruft. Lehrer und Freiberufler und Elterngeld halt. Luxus.

Jetzt sollen es aber wieder mehr Stunden bei der Tagesmutter sein und da fragt der Verein am Telefon allen Ernstes:

„Warum brauchen Sie jetzt wieder mehr Stunden? Arbeiten Sie (als Mutter, Anm. von mir) jetzt wieder mehr? Oder bringt der Vater ab jetzt immer die Kinder in die Tageseinrichtung?“

Lieber Tageselternverein, Sie hätten mich gerne noch mehr fragen können. Sie hätten mich fragen können, wer von uns eigentlich mehr arbeitet (dazu haben wir nämlich bei Ihnen gar keine Angaben gemacht). Sie hätten fragen können, ob es nicht eigentlich praktischer ist wenn der, der an Tag X mehr Arbeit hat, sich in seinem Homeoffice verkriecht, während der, der weniger zu tun hat, die zeternden Kinder anzieht und ins Auto setzt. Sie hätten fragen können, ob es nicht vielleicht doch praktischer wäre, wenn nicht der, der an Tag Y sowieso raus muss (meist der Teilzeit-Lehrer) die Kinder gleich mitnimmt und auf dem Weg zur Arbeit rauslässt, weil dann nämlich nicht zwei Erwachsene in zwei Autos losmüssen und doppelt Sprit verfahren.

Wir hätten uns über viele spannende Themen unterhalten können. Zum Beispiel auch darüber, ob nur ich (als Mutter) die Mutter-Kind-Parkplätze vor den Supermärkten nutzen darf, oder ob auch mein Mann darauf parken kann, wenn er das möchte.

Aber ich verstehe schon, wir müssen bei den Routinefragen bleiben, wo kämen wir denn sonst hin.

Smartphone-Tag

Mittags bin ich müde. Kleine Schwester schläft heute lange und ausgiebig. Die beiden Großen (der kleine Bruder darf jetzt ein Großer sein) bekommen mein Smartphone und dürfen sich damit amüsieren. Sonst kann ich ja keinen Mittagsschlaf machen.

„Aber nur Fiete, Fiete Sport, Maus und Elefant“. – „Ja, Mama.“

Als ich eine Stunde später mein Handy wieder hole, läuft: YouTube.

„Die Maus geht nicht.“

Stimmt. Das ist ja ein großes Manko bei den Filmen mit der Maus. Glücklicherweise habe ich bei Youtube yxpila abonniert, und so haben die Kinder moderne finnische Clips angesehen, die ein finnischer Vater zusammen mit seinen sechs Kindern gefilmt hat. (Geheimtipp. Muss nicht jedem gefallen. Immerhin ist das, was der Vater in seiner Freizeit mit seinen Kindern zustande bringt, sicherlich um einiges Brauchbarer als das, was mir mit meinen Kindern so einfällt.)

Und glücklicherweise wurde nicht „Kacka“ gegoogelt.

Spiel-Tag

(Ihr merkt schon, heute ist’s nicht so mit Arbeiten, obwohl es ein gewöhnlicher Mittwoch ist. Ein gewöhnlicher Mittwoch kann auch Lohn-Arbeit mit sich bringen – aber heute war bei mir die Spiel-Arbeit dran.)

Ab 15 Uhr bin ich in einem Spielhaus verabredet. Ein Spielhaus ist ein Haus voller Spielzeug, Rutschen, Puzzles und süßem Tee aus Plastikbechern. Solch ein Haus ist vor allem für Kinder bis 5 Jahre interessant. Trotzdem habe ich meine Älteste (7) zum Mitkommen überreden können, weil da auch ein Tischkicker steht. Sie spielt richtig gut, nach kürzester Zeit stand es 5:4 für mich, sodass ich fragte:

„Woher kannst du das? Spielst du das in der Schule?“

Die vielsagende Antwort:

„Nö.“

Dann wurden wir wieder von ihren beiden kleinen Geschwistern unterbrochen, die Kekse wollten, hochwollten, was anderes spielen wollten. Schade, war ein spannendes Match.

Mehr WMDEDGT gibt es hier.

Meine Kur. Macht mit bei der Blogparade! #meinekur

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Wart ihr schonmal in einer Mutter- oder Vater-Kind-Kur? Hat es euch dort gefallen? Warum? Warum nicht?

Drei Jahre ist sie jetzt her, meine Mutter-Kind-Kur.

Es gab einige Gründe, warum ich diese Kur unbedingt machen wollte, die da waren:

  1. So eine Kur mit Kind steht einem alle vier Jahre zu – warum nicht abgreifen?
  2. Einige Bekannte, die schon eine Kur erlebt hatten, schwärmten davon.
  3. So ein Kind und die damit einhergehende Verantwortung ist immer ein Grund, um sich fixundfertig, alle und schlapp zu fühlen.
  4. Ich hatte seit der Geburt, wie auch schon vorher, immer an irgendetwas gesessen. Gearbeitet, geschrieben, mich beworben, gemacht. Teilweise für Geld. Teilweise freiwillig. Oft des nachts. Jetzt sollte Schluss damit sein! Jetzt war Erholung dran!
  5. Ich habe seit meiner Kindheit Asthma und diverse Allergien. Ich nehme deshalb täglich Medikamente. Ich bin also zusätzlich belastet. Wenn das kein Grund für einen sofortigen Kurantritt ist, weiß ich auch nicht…

Hier lest ihr, was ich in der Mutter-Kind-Kur gemacht habe. Wie das Miteinander war, welche Anwendungen ich hatte & wie hilfreich die waren. Wie die Kinderbetreuung war, wie wir unsere Freizeit gestalten konnten. Und was diese Quarantäne ist & wie man garantiert eine bekommt.

Blogparade #meinekur

Wart ihr selbst schonmal in einer Mutter- oder Vater-Kind-Kur? Habt ihr ein Blog, auf dem ihr ein persönliches Fazit gezogen habt? Oder hattet ihr ein besonderes Erlebnis auf eurer Kur, das ihr mit uns teilen wollt?

Dann seid ihr bei der Blogparade #meinekur richtig. Verlinkt euren Beitrag unter diesem Beitrag in den Kommentaren! Ganz egal, ob ihr euren Beitrag neu schreibt oder ihr einen älteren Beitrag wieder hervorkramt – was zählt, ist eure eigene Sicht auf die Kur.

Die Blogparade startet ab sofort. Deadline ist der 31. Mai 2017.

Nach der Deadline sammle ich eure Beiträge in einem extra Post, verlinke auf jeden einzelnen Beitrag und versuche, ein Fazit aus dem Sammelsurium eurer Beiträge zu ziehen (Darauf freue ich mich schon!).

Ich freue mich über viele unterschiedliche Sichtweisen! Sagt uns eure Meinung!

Optional, aber toll: Verwendet in eurem Beitrag die Tags #meinekur, gerne auch #mutterkindkur #vaterkindkur und #eb2gether und verlinkt auf diesen Beitrag: https://landfamilie.net/category/mutter-kind-kur/

#eb2gether bedeutet „Elternblogs together“ und ist eine Idee von Frida Mercury aka @2kindchaos.

Nicht selbstverständlich

Wenn die Wohnung unbewohnbar wird. Mit der Familie auf Zwischenstation

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2012. Mit der Familie auf Zwischenstation.

Was macht man, wenn die eigene Wohnung plötzlich nicht mehr bewohnbar ist? Wenn man schon so groß ist, dass man dann nicht mehr alles schnell in zwei Kisten und zwei Koffer schmeißen kann und ab zu den Eltern? Was ist, wenn man schon ein Kind hat?

2012 standen wir an diesem Punkt. Mein Mann und ich hatten drei oder vier Jobs. Mies bezahlt, aber noch mit einem Bein in der Uni, da nimmt man das ja in Kauf.

Wir wohnten auf einer Baustelle. Monat für Monat versanken wir tiefer in Lärm und Schmutz. Schließlich waren wir die einzige Wohnung im Haus, die noch bewohnt war und die Bauleute renovierten um uns herum. Wände fielen. Manchmal gab es nur Campingtoiletten. Über allem lag eine feine Staubschicht, wie in der Wüste.

Im Sommer machte es Spaß, durch die ganzen leeren Wohnungen zu rennen, die keine Türen mehr hatten.

Im November machte das keinen Spaß mehr. Das war, als wir eines Tages nach Hause kamen und keine Heizung mehr hatten. Unser Schornstein war komplett abgedichtet worden, es gab keinen Abzug für die Öfen mehr. Absicht der Bauleute? Ein Versehen? Weiß man’s? Damit wir keine Rauchvergiftung erleiden, hatte der Schornsteinfeger die Öfen einfach abgedreht.

Wir verpackten unsere Möbel in Plastikfolie, um sie vor dem grauen Putz- und Eisenstaub zu bewahren. Dann fuhren wir erstmal zu meinen Eltern und blieben dort. Tag um Tag verstrich. Irgendwann war das zu viel. Zu viele Leute in einer kleinen Wohnung, zu viele ungeklärte Fragen. Wir mussten wieder raus.

Was nun? Wir gingen alle Optionen durch. Wen anrufen? Wo schlafen? Zu Dritt? Zurück in die Staubwohnung?

Ein oder zwei Tage später hatten wir eine Bleibe. Mein Mann hatte unseren Freund angerufen. Der steckte gerade mitten im Umzug und zahlte noch die Miete in seiner alten Wohnung. Wir konnten sofort dort unterkommen, für einen geringen Betrag, den wir ihm überwiesen.

Unser Freund hatte gerade geheiratet und war bei seiner Frau eingezogen. Für seine Möbel war bei ihr kein Platz. Also ließ er erstmal alles so stehen, wie es war. Wir konnten unsere Kleidung in seinen halbleeren Schrank hängen, unsere Wäsche bei ihm im Flur trocknen, seine Tische zum Essen und Arbeiten nutzen. Sogar eine eigene Festnetznummer und WLAN hatten wir.

Es kam ein kalter Winter. Wir hatten es immer warm und trocken. Während wir auf unseren neuen Mietvertrag und auf den neuen Job warteten, der endlich ein Einkommen versprach, kam Weihnachten. Wir kauften einen kleinen Weihnachtsbaum. Als wir auf eine Weihnachtsfeier gingen, blieb unsere Tochter zu Hause (ja, es fühlte sich schon wie ein echtes Zuhause an!) und backte mit der Babysitterin Zimtsterne.

Auch sonst war alles wie immer. Wir vermissten nichts. An Fasching zogen wir um.

Auch, wenn unser Freund jetzt sagt, das wäre doch selbstverständlich, und er habe schließlich ein wenig Geld dafür bekommen, entgegne ich: Das war es für uns nicht. Es war ein Geschenk. Geschenke, die die dringendsten Bedürfnisse stillen, fühlen sich niemals selbstverständlich an.

Alles Gute zum Geburtstag, lieber Freund.

Dieser Beitrag ist im Juni 2017 in der Anthologie „GASTFREUNDSCHAFT“ erschienen. Kost nix. Erhältlich als Ebook bei ORBANISM PUBLISHING. Dazu eine Mail schreiben an cf at orbanism com.

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Wer geht einkaufen?

„Gehst du heute einkaufen?“

„Okay. Wenn du einen Einkaufszettel machst.“

Eine viertel Stunde später.

„Hier ist der Einkaufszettel. Als Foto per WhatsApp.“

„Wo ist mein Handy? Ach hier, hoffentlich reicht der Akku. Jetzt fahre ich erst zur Arbeit, dann zum Supermarkt, dann die Kinder abholen.“

Zwei Stunden später. Per SMS:

„Habe noch was vergessen. Bring bitte Tomaten mit, aber nur die, die ich mag! Und wenn du noch vor 12 zum Metzger kommst, wäre das super! Bring Hackfleisch mit, aber nicht mehr als 300 Gramm! Und wenn du bei dm bist, Mülltüten! Aber nur wenn die auch einen Griff haben!“

Eine halbe Stunde später. Am Telefon:

„Du, ich habe jetzt noch ein Treffen, ich schaffe es gerade so, die Kinder abzuholen, aber aus dem Einkauf wird nichts.“

„Dann fährt einer von uns nachmittags nochmal los.“

„Ich muss gleich wieder nach A und B heute. Leider.“

„Also ich kann nicht fahren, ich habe gerade kein Auto, wie du ja weißt.“

„Brauchen wir die Sachen überhaupt?“

„Welche Sachen?“

„Na den Einkauf.“

„Achso. Nee, heute noch nicht. Aber morgen wird es dann knapp.“

„Dann reicht es ja, wenn wir morgen einkaufen.“

„Stimmt. Nur Brot haben wir dann morgen früh nicht mehr viel.“

„Ach egal, wir essen morgen früh einfach Brei. Das mögen die Kinder. Dann gehen wir eben morgen einkaufen.“

„Perfekt. Bis später…“

——

Auslöser für meinen Beitrag heute ist eine rege Diskussion auf Patricias Blog dasnuf.de, die sich darum dreht, wie man mit Apps, elektronischen Kalendern, Organizern, etc. sein Familienleben optimieren kann.

Unter den Kommentatoren gibt es total abgefahrene Ordnungsfreaks, das kannst du dir nicht ausdenken.

Da wird getimet, gesharet und synchronisiert und dann auch wirklich umgesetzt – nur das Nägelschneiden der Kinder wird ohne vorherige Terminierung erledigt. Also, angeblich.

Manche schreiben in ihre Kalender: Alle 3 Monate Rauchmeldertest durchführen. Angeblich.

Ehrlich, braucht ihr dafür einen Kalender?