Wer geht einkaufen?

„Gehst du heute einkaufen?“

„Okay. Wenn du einen Einkaufszettel machst.“

Eine viertel Stunde später.

„Hier ist der Einkaufszettel. Als Foto per WhatsApp.“

„Wo ist mein Handy? Ach hier, hoffentlich reicht der Akku. Jetzt fahre ich erst zur Arbeit, dann zum Supermarkt, dann die Kinder abholen.“

Zwei Stunden später. Per SMS:

„Habe noch was vergessen. Bring bitte Tomaten mit, aber nur die, die ich mag! Und wenn du noch vor 12 zum Metzger kommst, wäre das super! Bring Hackfleisch mit, aber nicht mehr als 300 Gramm! Und wenn du bei dm bist, Mülltüten! Aber nur wenn die auch einen Griff haben!“

Eine halbe Stunde später. Am Telefon:

„Du, ich habe jetzt noch ein Treffen, ich schaffe es gerade so, die Kinder abzuholen, aber aus dem Einkauf wird nichts.“

„Dann fährt einer von uns nachmittags nochmal los.“

„Ich muss gleich wieder nach A und B heute. Leider.“

„Also ich kann nicht fahren, ich habe gerade kein Auto, wie du ja weißt.“

„Brauchen wir die Sachen überhaupt?“

„Welche Sachen?“

„Na den Einkauf.“

„Achso. Nee, heute noch nicht. Aber morgen wird es dann knapp.“

„Dann reicht es ja, wenn wir morgen einkaufen.“

„Stimmt. Nur Brot haben wir dann morgen früh nicht mehr viel.“

„Ach egal, wir essen morgen früh einfach Brei. Das mögen die Kinder. Dann gehen wir eben morgen einkaufen.“

„Perfekt. Bis später…“

——

Auslöser für meinen Beitrag heute ist eine rege Diskussion auf Patricias Blog dasnuf.de, die sich darum dreht, wie man mit Apps, elektronischen Kalendern, Organizern, etc. sein Familienleben optimieren kann.

Unter den Kommentatoren gibt es total abgefahrene Ordnungsfreaks, das kannst du dir nicht ausdenken.

Da wird getimet, gesharet und synchronisiert und dann auch wirklich umgesetzt – nur das Nägelschneiden der Kinder wird ohne vorherige Terminierung erledigt. Also, angeblich.

Manche schreiben in ihre Kalender: Alle 3 Monate Rauchmeldertest durchführen. Angeblich.

Ehrlich, braucht ihr dafür einen Kalender?

 

Die Jüngste wird 1

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Wegnehmen, sich anbrüllen, schubsen, im Chaos versinken. Bruder (2) mit Schwester (hier noch 6 Monate)

Liebe Jüngste,

du wirst jetzt 1, dabei bist du doch noch so klein.

Du bist von uns allen die, die am meisten zu uns dazupasst.

Du bist Meisterin darin, den Vibe in jeder Situation zu erkennen und darauf zu reagieren.

Wenn dein großer Bruder, nur wenig älter als du, weint und Trost braucht, verziehst du nur dein Mündchen und sparst dir deine Tränen für später auf. Nie spielst du dich in den Vordergrund, du schreist niemals unnötigerweise und dir bereitet nichts Probleme.

Wie du dich bemerkbar machst

Wenn du willst, dass sich jemand um dich, nur um dich kümmert, hast du keine Hemmungen, dich bemerkbar zu machen.

Zum Beispiel: Nach drei Stunden wildem Spielen mit den großen Geschwistern wirst du hungrig. Dann robbst du weinend durch die ganze Wohnung und machst nicht eher Halt, bis du weinend und robbend bei meinen Füßen angekommen bist und mich am Hosenbein ziehst.

Oder du möchtest, dass dein Papa bitte mit dir spricht und nicht mit jemand anderem. Jedes Mal, wenn er einen Satz beginnen will, fährst du ihm mit einem lauten Aufschrei dazwischen, bis er sich endlich dir zuwendet. Dann sagt du, ganz sanft: „Ba-Ba!“

Was du schon alles kannst

Immer wieder fragen mich Mamas mit Einzelkindern, was du schon alles kannst.

Dabei fällt mir auf: So im Detail wissen wir noch gar nicht über dich Bescheid. 4

Ob du dich schon drehst? war eine der Fragen vor etwa einem dreiviertel Jahr. Hm… wusste ich es? Ich war unsicher und sah dir beim Spielen genauer zu. Dabei bemerkte ich, du konntest dich ja schon drehen, ziemlich gut sogar, als hättest du das schon öfter gemacht.

Und wann du immer so ins Bettchen gehst, wie viele Stunden du schon schläfst? fragten die anderen. Hm… mal so, mal so, war meine Antwort. Und dabei ist es bis heute geblieben.

Was Einzelkinder bekommen

Vor sieben Jahren haben wir mit deiner großen Schwester (damals ein Einzelkind) alles, aber auch einfach alles optimiert. Immer in Bewegung sollte sie sein und Spielplätze lieben. Also packten wir sie ab dem Alter von 7 Monaten in jede Babyschaukel unseres Viertels, schubsten sie stundenlang an und ergötzten uns an ihrem Gegluckse. Wir zogen daraus den Schluss: Unsere Tochter ist eine geborene Schauklerin, gut, dass wir ihr das schon so früh bieten! Nicht auszudenken, was gewesen wäre, hätten wir mit der Schaukelei erst später angefangen.

Auch Bücher lesen und sprechen lernen, das sollte deiner großen Schwester ganz leicht fallen. Also setzten wir uns ab dem Alter von 10 Monaten regelmäßig mit ihr hin und gingen Tier für Tier im Pappbilderbuch durch. Wie macht die Kuh, wie macht die Ente, wie macht das Schwein? Und nur Minuten später fingen wir wieder von vorne an, wie macht die Kuh, wie macht die Ente… Mit dem Resultat, dass sie ganz schnell alle Tiergeräusche nachmachen konnte, und wir, ihre Eltern, vor Erschöpfung und auch ein bisschen vor Langeweile vom Stuhl fielen.

Was du bekommst

Dich haben wir bislang zweimal in eine Schaukel gesetzt. Du fandest es toll. Wir haben bislang auch einmal mit dir ein Buch gelesen. Das war beim Inhalieren, zur Ablenkung. Gackgack, Wauwau, Ball, sagte ich. Du antwortetest sofort mit Gaga, Wawa, Ba. Dann wolltest du das Buch lieber ablutschen und ich hatte sowieso keine Lust, noch weiter darin herumzublättern. Seither habe ich auch nicht nochmal überprüft, ob du diese süßen Worte immer noch kannst.

Um den ständigen Trubel um dich herum besser zu verkraften, die rücksichtslosen Bobbycar-Rennen, die Besuchskinder, die Spielzeugwälder um dich herum, ziehst du dich gerne ein wenig in dich zurück. Dabei nuckelst du an zwei Fingern und beobachtest.

Warum du an einem Abend mal ohne Nuckeln eingeschlafen bist

Einmal haben wir einen Mutter-Tochter-Abend gemacht. Ich war mit dir bei einem Konzert, das sehr familienfreundlich war. Es gab einen Bereich, in dem man während der Darbietungen etwas essen, trinken, herumlaufen und sitzen konnte. Ich trug dich eine Stunde lang dort herum, ließ dich krabbeln, zeigt dir die Menschen, spielte mit dir. Dann wurdest du müde und ich holte den Kinderwagen, in dem ich dich eine Weile herumschob, bis du eingeschlafen warst.

Kein einziges Mal an diesem Abend hast du nach deinen beiden Nuckelfingern gesucht, nicht mal zum Einschlafen. Denn an diesem Abend warst du einmal nicht in der Rolle der Beobachterin. Du warst ganz im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit, etwas, das du an den anderen Abenden nicht selbstverständlich bekommst. Das hat dich anscheinend so beruhigt, dass du an diesem Abend das Nuckeln nicht mehr gebraucht hast.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Vor nicht allzu langer Zeit wurde dein Bruder ein Jahr alt. Das habe ich damals geschrieben.

Fifferlotta: Kindermode aus dem Schwarzwald

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Landkind im Schlafanzug von Fifferlotta

Gleich vorweg: Nein, das hier ist keine Werbung oder sonstige Kaufempfehlung. Ich zeige euch hier nur das Unikat eines sehr, sehr schönen (wunderschönen!) weichen!!! Schlafanzugs für Kinder, der vom Stoffeinkauf bis zur letzten Naht in Baiersbronn / Nordschwarzwald hergestellt wurde.

Es ist ja nicht so, dass sich hier im dunklen Tal eine ausgewachsene Näh- oder gar Modeszene treffen würde. (Wobei, ein paar Täler weiter gibt es das Label Waldwerk. Waldwerk hat auch Sachen für Kinder, und zwar Hoodies und T-Shirts mit Schwarzwald-Optik. Ja, und auch auf Artwood lohnt es sich, herumzustöbern, hier gibt es Oberbekleidung für Erwachsene und Kunstfotografie. Und vor allem für Mütter von Babys interessant ist Mania Stillschal – eine Kreation aus Freudenstadt.)

Aber eigentlich werkeln wir hier auf dem Land alle nur so vor uns hin, nach Feierabend, an Samstagen, und häufig wird dabei das eigene Haus instand gesetzt oder für die Familie genäht.

Die Kindermode von Prisca Irmscher geht da einen Schritt weiter.

Freunde und Freundevonfreunden sind begeistert von Priscas Nähkünsten. Zu Recht. Immer wieder bekommt Prisca Anfragen nach neuen Stücken wie Hosen, Mützen, Lätzchen, Pullis, Kleidchen, Krabbelschuhen aus Leder, Windeltaschen, Wickelunterlagen, Schlüsselanhängern und Einkaufswagenchiptäschchen. Und „wenn’s die Zeit erlaubt, nähe ich auch Taschen für Muddi“, sagt Prisca, die selbst zwei Kinder, zwei Jobs und einen Hund hat.

Priscas Hobby-Label trägt den sehr süßen Namen „Fifferlotta“. Ein Name, der wie Prisca aus einem dunklen Graubündener Tal in der Schweiz stammt: „Fifferlotta“ bedeutet dort nämlich „Lausemädchen“. Ich habe mich sofort verliebt!

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Fifferlotta steht für Mode, die den Alltag von Müttern und Babys hübscher und bunter macht – und dabei praktisch bleibt.

Stoff: Tipp-Tapp-Stoffe aus Baiersbronn / Obertal
Wer an weiteren Unikaten von Fifferlotta interessiert ist, schreibt einfach der Prisca: prisca.irmscher@email.de.

Wenn es eine interessante Mode-Entwicklung im (Nord-) Schwarzwald gibt, von der ich noch nicht gehört habe (und das ist ziemlich wahrscheinlich), schreibt hier einen Kommentar hin! Ich werde gerne berichten, sofern es um Mode für Kinder oder Eltern geht.

Dieser Beitrag enthält keine Werbung. Ich schreibe über das, was mir gefällt ohne Gegenleistung, und setze Links auf Webseiten, wie es mir gerade passt.

Was man auf dem Land alles machen kann

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Wir haben beim Spaziergang eine Baggerschaufel gefunden und spielen jetzt erstmal eine Viertelstunde lang darin.

Was kann man auf dem Land machen? Was kann man mit Kindern auf dem Land machen? Wie ihr seht, wird es hier uns kein bisschen langweilig (okay, meistens)!

Auf dem Land kann ich…

  • …meine vier Kinder plus fünf Besuchskinder auf der Ladefläche eines Unimog herumkutschieren.
  • …für die 20 Schulkinder einen Doppeldecker-Reisebus für 150 Personen inkl. Videoleinwand und Espressomaschine  einsetzen (weil gerade kein Bus in angemessener Größe vorhanden ist).
  • …mangels Spielplätze einen eigenen bauen mit drei Rutschen und acht Schaukeln. Und zwei Baumhäusern, die die Kinder selber dazubauen.
  • …mein Auto hochbocken, drunterkriechen und feststellen, dass man das auch alles ohne Werkstatt machen kann.
  • …nach Feierabend meine Pferde von der Koppel holen, nach den Bienen sehen und mir einen selbstgebrannten Apfelschnaps genehmigen.
  • …bei jedem leisen Schneefall zwei Stunden Grundstück freischippen.
  • …den Kindern ein Legozimmer, ein Playmobilzimmer, einen Turnraum und ein Musikzimmer zur Verfügung stellen.
  • …für die Kinder ein Zelt aufbauen und einen Wasserspielplatz, alles Lego und Duplo ausleeren und aufbauen, fremde Gäste beherbergen, und das alles gleichzeitig und ohne sich dabei auf die Zehen zu treten.
  • …im Sommer auf dem Heuboden schlafen. Oder im Garten. Oder im Wald.
  • … meine Kinder endlos draußen spielen lassen, während langsam Mond und Sterne aufgehen.
  • …zusehen, wie meine Kinder den Nachmittag mit einem Fußballmatch beginnen, dann doch lieber eine Wasserschlacht machen, dann eine Fahrradtour, dann eine Unterholz-Expedition, um danach in der Werkstatt abzuhängen und was zusammenzuhämmern.
  • …meine Kinder zur Tagesmutter bringen, danach in den Wald fahren und als einziger Mensch weit und breit um 9 Uhr früh Langlaufski fahren.
  • …bei schlechtem Wetter vergeblich nach Indoorspielplätzen, Kletterhallen, Cafés mit WLAN und Kinderspielecke googlen, abwinken und die Kinder vor den Laptop setzen.
  • … nach Monaten, in denen kulturell, kunst-, konzert- café- und partymäßig nichts, aber auch gar nichts passiert ist (außer vielleicht ein paar Schülerkonzerten), abwinken und mich vor den Laptop setzen.

Auf ein ehrlicheres 2017. Mit Rotwein, vielleicht

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Authentisches Kinderzimmer mit selbst gebautem Bett (nicht von mir) und selbst gebastelter Qualle (nicht von mir). Der Rest: IKEA und ALDI.

Kurz vor Adventsbeginn. Auf Twitter geht es hoch her. Ein Thema unter Elternbloggerinnen, was nicht nachhaltig genug diskutiert werden kann, heißt: Adventskalender selber basteln, YES or NO?

Entscheidet man sich für das Basteln, hat man eine Menge zu tun. Je nach Größe der Familie benötigt man 24, 48 oder sogar 96 Geschenke, die man wochenlang liebevoll aussucht und in selbstgemachte Tütchen / Boxen / Strümpfe füllt.

„Man“? – Achnein, das machen doch immer nur die Mütter, oder???

So oder so ähnlich äußert sich zum Adventskalenderbasteln die Bloggerin, Schriftstellerin und Mutter Frau Ruth, die ich dank der Verlinkung von dasnuf kennengelernt habe.

Frau Ruth scheint den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben. In ihrer kleinen Geschichte geht es um nicht viel, außer, nunja, den Frust, den frau verspürt, wenn sie nachts alleine im Wohnzimmer rumsitzt, den Bastelkleber in der Hand und noch soooo lange basteln muss, damit kind am nächsten Morgen oder nächste Woche vor Freude Luftsprünge macht, aber über was freut sich denn da das Kind, nunja, es ist ein böser, kapitalistischer ADVENTSKALENDER, es sind vieleviele Geschenke, möglichst klein, möglichst billig, damit sie in die 24 Taschen des Adventskalenders passen, und was lernt das Kind dabei: es gibt jeeeeden Tag ein Geschenk, juhu!, also: nichts.

Dieses Bild einer übernächtigten Mutter, die alles lieber möchte, nur nicht „Zwangsbasteln“, traf in der online-Elternschaft auf sehr gemischte Gefühle. Von Annas Bastelverteidigung und Adventsliebe bis hin zur adventsmüden Rike war alles dabei.

Ich fand alle Reaktionen lustig und wichtig. Sehr nachdenklich hat mich allerdings die kluge Frau Brüllen gestimmt. Sie hat gestern eine lange Liste auf ihrem Blog veröffentlicht.

Eine Liste, die all jene Punkte anspricht, die man online besser nicht zugibt.

Damit ist der #Adventskalender nur ein Synonym für vieles, was in Online-Elternkreisen nicht kritisiert werden darf. Und auch wenn mir jetzt einige eine virtuelle Bastelschere an den Kopf schmeißen: Ja, das ist wirklich so.

Nicht in meiner realen Welt übrigens. Ich bastele und backe kaum. Aber ich habe viele einmalige Freundinnen, die für ihr Leben gerne basteln und stricken, Pflanzen ziehen, Seife herstellen, Quilts oder Taschen nähen, backen und vieles andere mehr. Das ist toll. Ich habe noch nie gedacht, eine meiner Freundinnen möchte mich mit ihren Back-, Bastel- oder Sangeskünsten dazu auffordern, es so zu machen wie sie.

Wenn meine Freundinnen mir stolz ihre Ergebnisse präsentieren – und da sind wirklich tolle Sachen dabei, von Hochzeitskleid bis Studioaufnahme – dann freue ich mich total mit ihnen darüber, was sie da geschafft haben. Gar nicht, weil sie Kinder haben. Haben auch gar nicht alle. Sondern weil sie es können. Weil sie mehr von den Abenden erwarten als einfach nur tot vor der Glotze rumzuliegen. Weil sie sich und andere beschenken wollen. Weil sie kapiert haben, wie man wertschätzt.

Völlig abgesehen davon, dass sie Brauchbares mit ihren Händen schaffen können, sind meine Freundinnen vor allem eines: Menschen. Ich nehme meine Freundinnen nicht über das (oder wegen dem) wahr, was sie alles mit Nadel, Fotoapparat und Mikrofon herstellen können. Ich weiß Dinge über sie, die weiß das Internet nicht. Und das, was ich über sie weiß, hat in der Regel kaum was mit den Dingen zu tun, mit denen sie sich gerne umgeben.

So ist das im realen Leben. Online ist das ein wenig anders.

Die selbstgebauten Betten, selbstgeschlungenen wunderschön bedruckten Tragetücher, selbstbefüllten Brotboxen und selbstgebackenen Kuchen und Cupcakes sind online meist das einzige, was ich von einer Person kenne.

Das stört mich.

Es geht um Kuchen, von denen ich nicht abbeißen kann. Um Bilderbuchgeburtstage, zu denen meine Kinder nicht eingeladen sind. Um Frühstücksboxen, die gerade frisch gefüllt wurden und mit einem Fotofilter versehen, der das Gemüse noch knackiger aussehen lässt, aber NIE ein Bild davon, wie diese Dose aussieht, wenn die mittags wieder in Mamas Küche landet. Und bei alldem wird mir suggeriert: so könnte es doch bei dir auch aussehen, wenn du nicht so faul wärst oder die falschen Prioritäten hättest. Oder??? ODER?????

Zwei Dinge sind es, die mich nach dem Betrachten all dieser Blogs häufig stumm zurücklassen:

Erstens, diese schönen Dinge sind gar nicht für mich da. Auch, wenn das ganze so präsentiert wird.

Zweitens, diese schönen Dinge sind Teil einer IMMER! positiven Selbst-Inszenierung.

Zur positiven Selbst-Inszenierung gehört die Erzählung vom schönen, guten Familienleben. Das erst schön und gut ist, seit alle im Familienbett schlafen. Seit man schmerzfrei gebären gelernt hat – #hypnobirthing. Seit man das Baby #breifrei und #windelfrei großzieht. Seit man #vegan, #glutenfrei, #paleo lebt. Seit man die Kinder #unerzogen und #selbstbestimmt machen lässt, worauf diese gerade Bock haben (und NIEMALS, NIEMALS „nein“ sagt oder gar schreit (pfui, des Teufels!).

Das wäre ja eigentlich noch OKAY, wenn man nicht immer wieder erleben würde, dass sich auf Blogs und auf Twitter nur ganz selten Mütter etwas zu sagen trauen, die zum Beispiel… Stillen öde finden und dazu stehen. Babys mit sich rumtragen solala finden und ihre Haltung dazu nicht revidieren wollen. Kinder alleine in ihrem Zimmer lassen voll in Ordnung finden. Veganes Essen zwar mögen, aber genauso gerne Fleisch und Zucker und Fett, und das auch auf Kleinkindertellern. Mütter, die zugeben, dass sie wieder fix und alle waren und ihre Kinder laut angeschrien haben (und zwar täglich!). Mütter, die… ach lassen wir das.

Für 2017 nehme ich mir jedenfalls vor, die ganzen kunstvoll aufgenommenen und veredelten Bilder, die Ideen, und auch die Ideologien, die auf einigen Elternblogs kursieren, mehr als das zu nehmen, was sie sind: ein Teil der Selbst-Inszenierung. Ich nehme mir vor, einfach zu vergessen, es könnte dabei um Authentizität gehen. Das ist nicht negativ gemeint. Klar sind wir alle super-authentisch. Wenn wir alleine sind, mit unseren Freunden, oder in unserer Familie. Aber online nicht.

Hier nun meine Liste der ungeschriebenen DON’Ts! nach dem Vorbild von Frau Brüllen. Triggerwarnung: Nachmachen könnte zu brüllenden, stinksauren Kindern sowie Krankheiten und Verletzungen bei allen Familienmitglieder führen.

Auf ein freakigeres, toleranteres Miteinander mit bitte nur noch 50% Authentizität. Auf ein ehrlicheres 2017. Mit Rotwein, vielleicht. *lach*

  1. Ich hatte einen Kaiserschnitt und zwei normale Geburten.
  2. Wir schlafen nicht im Familienbett.
  3. Alle Kinder sind geimpft.
  4. Ich habe alle drei Kinder gestillt, die Älteren bis sie 1 Jahr alt waren. Die Jüngste mal sehen.
  5. Ich habe nicht wahnsinnig gerne gestillt, aber es war praktisch.
  6. Ich habe gelesen, langes Stillen senkt das Allergierisiko, woanders steht, das sei Quatsch und jetzt weiß ich auch nicht.
  7. Alle drei Kinder bekommen/ bekamen ab etwa 5 Monaten Fertigbrei aus dem Gläschen, bis sie am Tisch mitessen konnten.
  8. Nachdem ich die Kinder abends in ihre Betten gebracht / gelegt habe, gehe ich aus dem Zimmer. Und komme nur dann zurück, wenn etwas wirklich Schlimmes ist.
  9. Wenn die Kinder wieder angerannt kommen, weil sie noch nicht schlafen können, schicke ich sie dorthin zurück, wo sie herkommen.
  10. Ich habe keines der Kinder getragen. OK, wir haben eine Trage, die meistens mein Mann benutzt. Wir hatten auch mal ein Tragetuch. Das habe ich verkauft oder verschenkt, weil das Gewickel so lästig war. Ich habe keine Ahnung, welche Marke das Tragetuch hatte.
  11. Wir haben einen Kinderwagen. Darin kann man Kinder 2 oder 3 Jahre lang schieben.
  12. Ich habe alle drei Kinder mit babylove Windeln von dm gewickelt.
  13. Ich habe die Jüngste mal versucht mit Stoffwindeln zu wickeln, die alte Methode mit Wickeln, Krempeln, Knoten. Nach 1 Versuch bin ich zu den Wegwerfwindeln zurückgekehrt.
  14. Alle unsere Kinder waren (oder kommen) ab 1 Jahr in die Krippe oder zur Tagesmutter.
  15. Ich kann nicht stricken, nicht häkeln und so gut wie nicht nähen. Ich kann auch nicht sägen, stanzen, ausschneiden und kleben.
  16. Ich kaufe alle Kinderkleidung auf dem Flohmarkt, bei ALDI, dm, H&M und C&A. Ich lasse mir aber auch gerne welche schenken.
  17. Ich bügle nichts, außer meine Blusen und Bügelperlenbilder.
  18. Unsere Kinder dürfen Schokolade und Nutella, Pommes und Gummibärchen essen.
  19. Unser Schulkind bekommt in die Schule gerade so viel zu Essen mit, dass wir der Lehrerin keinen Anlass zur Sorge bereiten. Also in dem Fall keine Süßigkeiten, kein Nutella, aber auch nicht gar nichts. Es gibt meist Marmeladenbrot in einer No name-Plastikbox und Wasser in einer Glasflasche. Das bringt sie Mittags meist alles unangetastet wieder zurück.
  20. Unser Kind geht auf die naheliegende Dorfschule.
  21. Babyschwimmen und Pekip muss nicht sein. Aber sobald Kinder eigene Interessen entwickeln, bin ich dafür, diese zu fördern. Unsere 7-Jährige hat in Kursen Flöte, Klavier, Fußball und Schwimmen gelernt oder lernt noch.
  22. Ich war schon jeweils vor den 1. Geburtstagen abends weg, ohne das Baby mitzunehmen.
  23. Schwanger trinke ich Kaffee, oder, wie meine erste Gynäkologin sagte: „Mehr als 5 Tassen am Tag sollten Sie nicht trinken.“
  24. Stillend trinke ich Kaffee und mit dem dritten Kind sogar Alkohol.
  25. Ich senke Fieber spätestens ab 38,5 Grad mit Nurofen oder Benuron.
  26. Meine Kinder bekommen Antibiotika, wenn es sein muss.
  27. Manchmal machen wir 4 Wochen lang nicht sauber. Es mag einfach niemand putzen.
  28. Wir machen unsere Betten nie.
  29. Ich backe nie Kuchen, außer zu Anlässen wie Geburtstag und Einschulung.
  30. Wenn ich Muffins backe, bekommen sie maximal bunte Streusel. Aber kein Topping.
  31. Ich mag Kindergeburtstage nicht, weder Planung noch Durchführung liegen mir. Aber ich mache das.
  32. Meine Kinder wollen (müssen) meine Musik mithören. Sie lieben laute Musik, besonders auf Autofahrten. Dafür muss ich dann auch ihre Hörspiele mithören.
  33. Wir waren mit unserer Größten drei Mal auf einem mehrtägigen Festival.
  34. Auf Autofahrten in den Urlaub halten wir nicht unbedingt bei jeder Träne an. Unsere Kinder heulen manchmal lange im Auto, ungeachtet der Tatsache, dass sie vom Prinzip her sehr gerne Auto fahren.
  35. Wir sind mal ein halbes Jahr ohne TÜV gefahren und das Auto ist nicht unter unseren Hintern zu Schrott zerfallen.
  36. Ich bin nach dem Autositz für 2-3-Jährige gleich auf eine Sitzschale umgestiegen, ohne Kopfstütze.
  37. Ab dem Sitzschalen-Alter nehme ich Kinder notfalls auch komplett ohne Sitz mit, wenn gerade keiner da ist.
  38. Ich habe ausschließlich gebrauchte Autositze und keine Ahnung, ob sie noch TÜV haben und wie man das überprüfen könnte.
  39. Aber bei der Airbag-Warnung für Maxi Cosys, da bin ich konsequent.
  40. Außer bei Autos, die keinen Airbag haben. Da schnalle ich ein Baby auch verkehrtherum auf dem Beifahrersitz an.
  41. Wir haben zwei Autos.
  42. Wir fahren auch mal mit dem Rad. Wir Eltern tragen dabei keine Helme.
  43. Wenn eines meiner Kinder gerade im Kleinkindalter ist und es will um alles in der Welt „da hoch“, „da rüber“, „nicht das“, „noch bleiben“ etc., dann kann es vorkommen, dass ich es festhalte, damit es meinen Weg einschlägt und wenn das nichts bringt, trage ich das strampelnde und brüllende Kind einfach fort und brülle manchmal auch zurück.
  44. Meine Kinder dürfen ab dem 1. Schultag alleine zum Schulbus laufen. Bislang waren aber immer andere Kinder mit auf dem Weg.
  45. Wir essen Fleisch und Weizen und Milchprodukte.
  46. Wir kochen etwa alle drei Tage von vorne wieder dasselbe.
  47. Wir kaufen unser Essen meist im Discounter, obwohl wir wissen, dass es Besseres gibt.
  48. Ich schminke mich fast nie.
  49. Ich habe Kontaktlinsen, bin aber morgens immer zu müde, sie einzusetzen. Also Brille. Kein Foto.
  50. Unsere Kinder müssen keine Frisuren tragen, aber gekämmt müssen sie sein. Kein Foto.
  51. An Fasching fragen wir unsere Kinder, als was sie sich verkleiden wollen. Wenn ihnen nichts einfällt und sie nichts dagegen haben, bekommen sie ein paar Striche Schminke ins Gesicht. Kein Foto.
  52. An Ostern suchen unsere Kinder Ostereier aus Schokolade.
  53. An Nikolaus bekommen unsere Kinder Kleinigkeiten in ihre Schuhe.
  54. An Weihnachten gibt es einen kleinen Weihnachtsbaum und (aus Elternsicht) viel zu viele Geschenke für die Kinder.
  55. Ja, und ich bastele Adventskalender nicht. Ich kaufe welche bei ALDI. Mit Schokolade.

Wir lesen vor: Die kleine blaue Lokomotive

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Abends lesen wir unseren Kindern immer etwas vor. Es gibt dabei nur ganz wenige Bücher, bei denen alle 3 zuhören. Eines davon ist

Die kleine blaue Lokomotive.

Ich habe seltener ein so farbiges Buch mit einer ebenso so simplen wie emotional erzählten Geschichte in der Hand gehabt. Wir haben die gebundene deutschsprachige Ausgabe vom Carlsen Verlag von 1988 1984, die ich selbst schon als Kind gelesen habe.

Die kleine blaue Lokomotive handelt von Hilfsbereitschaft und über das Sich-Hinausgehen. Die Wagen einer kleinen mit Spielzeug gefüllten Bimmelbahn müssen über einen Berg gezogen werden. Mehrere ebenso große wie dumpfbackene oder alte Lokomotiven weigern sich. Doch eine junge, kleine blaue Lokomotive traut sich die Aufgabe zu. Die Gewinner sind: die Spielzeuge, die Kinder, die am Ende mit dem Spielzeug spielen dürfen sowie die kleine blaue Lokomotive selbst, die sehr stolz auf ihre eigene Leistung ist: „Ich habs geschafft!“ Ein Plot für jeden Disneyfilm.

Kind 1 kann schon lesen. Die kleine blaue Lokomotive ist was für Leseanfänger, aber ohne den belehrenden Tonfall, den ich leider in vielen Leseanfänger-Büchern finde. Es gibt es nur ganz wenige Sätze pro Seite, denn die Kleine blaue Lokomotive ist hauptsächlich ein Bilderbuch. Kind 1 und ich lesen abwechselnd jeder eine Seite.

Dabei denkt sich die Mama:

„Hach, ist das aber in einer schönen Serifenschrift (warum nur sind alle Kinderbücher und Lesefibeln heutzutage in diesem geleckten Arial?). Und so eine schöne Sprache. Und hier geht der Mond auf und die Lokomotive ist sich und allen anderen treu und voller Selbstvertrauen und belohnt sich und die anderen mit ihrem Durchhaltevermögen. Dabei ist sie so bescheiden und nicht anbiedernd. Davon können wir uns alle eine Scheibe abschneiden!“

Kind 1 (7 Jahre) denkt:

„Toll, wie schnell das Lesen geht! Ich lese genauso viel wie Mama und ich kann schon alles verstehen. Jetzt haben wir schon wieder eine Seite geschafft! Mein Bruder hört mir gespannt zu.“

Kind 2 (2 Jahre) denkt:

„Die eine Dampflok ist kaputt! Die Lokomotiven haben alle Glocken. Die eine hier ist ganz groß. Aber sie will nicht helfen. Die rote ist sooo müde. Jetzt kommt die blaue. Sie lächelt. Sie kann helfen. Sie fährt ganz weit über den Berg. Puh, ist das schwer. Aber sie hat es geschafft!“

Kind 3 (8 Monate) denkt:

„Wieder so ein Buch mit dünnen Papierseiten! Die kann man so schön mit den Händchen zerknautschen! Schade, dass Mama mich nicht lässt. Ich muss schnell zu meinem Spielzeug robben, sonst wird mir langweilig. Aber es ist schön, dass Mama und meine Geschwister gerade so ruhig sind. Und gut, dass das Vorlesen nicht so lange dauert.“

Die kleine blaue Lokomotive ist von Watty Piper (Autor) und Ruth Sanderson (Illustrationen). Übersetzt von Ursula Kopsch-Langhein. Ab 3 Jahre.

Der Beitrag wurde geschrieben für das Blog Juliliest – Das Blogazine für Familien, die gerne lesen. Fast täglich gibt es hier einen tollen Kinderbuch- oder Hörbuchtipp mit vielen Geschenkideen für Kinder.

Ein Bett im Schwarzwald

6 Gründe, warum Eltern mit Airbnb vermieten sollten (keine Werbung)

Vorab: Airbnb ist diese Plattform zur privaten Vermietung von Gästewohnungen oder Gästezimmern.

Ich habe mit wenigen Klicks und ein paar Fotos aus meiner Kamera ein Inserat erstellt. Jetzt wohnen regelmäßig Urlauber bei uns. Fast immer sind es junge Paare, die im Schwarzwald wandern gehen. Tipps rund um Wanderwege und Gastronomie erhalten sie direkt von uns, ihren Gastgebern. Sie bezahlen keine Kurtaxe.

Lange haben wir gezögert, ob wir ein Zimmer unserer (jaja, zugegeben luxuriös großen) Wohnung aufgeben sollen. Wo soll denn dann unsere eigene Verwandtschaft unterkommen, wenn die mal zu Besuch sind? Und wohin sollen die größeren Kinder sich verkrümeln, wenn sie mal ein Video gucken oder mit Lego spielen wollen, ohne dass die Kleineren ihnen reinpfuschen? Und wann sollen wir das alles stemmen: das Inserat up-to-date halten, Gäste auswählen, Betten frisch machen, alles neben unserem eigenen Haushalts-Wahnsinn?

Doch dann gab es einen (kleinen) finanziellen Engpass, und so haben wir vor einem Monat beschlossen, unser Gästezimmer endlich zu inserieren. Ich betreibe hier keine Werbung für Airbnb, und ich kann die Plattform selbst auch nicht uneingeschränkt empfehlen. Dennoch, gerade für Familien in Elternzeit macht die (Unter-) Vermietung eines Zimmers ziemlich viel Sinn!

Ich finde jedenfalls, wie hätten schon viel früher damit anfangen sollen! Warum? 6 Gründe, warum Eltern mit Airbnb vermieten sollten:

  1. Es macht kaum zusätzliche Arbeit. Eltern, die viel zu Hause sind bzw. in Elternzeit, rennen den ganzen Tag zwischen Waschmaschine, Wickeltisch und WLAN hin und her. Nebenher noch ein Gästezimmer zu saugen und ab und zu mal die Airbnb-App zu checken ist, verglichen mit dem abendlichen Aufräumen des Kinderzimmers oder der Putzaktion des Hochstuhls, wirklich ein Klacks.
  2. Die Waschmaschine läuft sowieso schon. OK, jetzt kommen noch ein paar Gästebettbezüge und Gästehandtücher dazu. Doch: ein paar Wäschen hin oder her, zählen wir da überhaupt noch mit? Die Waschmaschine darf halt nicht schlapp machen.
  3. Die Welt kommt zu uns ins Wohnzimmer. Wenn man Kleinkinder hat, ist man oft und viel zu Hause. Ja, das ist langweilig. Immer schläft gerade ein Kind, oder ist krank, oder alles spielt gerade so schön, macht Hausaufgaben, oder man muss selbst dringend schlafen. Und schon ist der Tag wieder rum, ohne dass man vor die Tür gekommen ist. Von abendlichen Ausgängen ganz zu schweigen. Gerade in diesem extrem auf das Haus konzentrierten Lebensabschnitt gibt es nichts Schöneres, als die Welt zu sich nach Hause zu holen! Wir haben mit unseren Gästen spontan Pizza gegessen oder Pilze und Esskastanien aus dem Wald gekostet. Wir haben ganze Abende mit unseren Gästen verquatscht. Das war, anders als ich zunächst befürchtet hatte, kein bisschen anstrengend. Im Gegenteil. Wir brauchten dazu auch keine WhatsApp-Verabredungen, keinen Babysitter und konnten die Hausschuhe einfach anlassen.
  4. Es kommen noch mehr Freunde und Verwandte als vorher. Der Platz für die eigenen Verwandten und Freunde wird nicht weniger, im Gegenteil. Denn: nicht immer ist ein Airbnb-Gast da. Viele Tage steht das aufgehübschte Gästezimmer auch einfach nur leer rum. Freunde und Verwandte kucken sich das im Internet an. Und plötzlich checkt es jeder: da gibt es ein nettes, aufgeräumtes Zimmer mitten in einem Feriengebiet. Und jetzt will jeder mal zu Besuch kommen. Das ist schön!
  5. Der eigene Alltag wird relativiert. Seit gut anderthalb Jahren leben wir hier auf dem Land. Und nein, ich bin nicht ganze Nachmittage, Abende oder Wochenenden damit beschäftigt, die Hochzeit der Kusine aus dem Nachbardorf auszurichten und mit Schwester, Mutter, Freundin spazieren, joggen, Kuchen essen zu gehen. Das, was andere Mütter so machen, die hier aufgewachsen sind und sich hier prima auskennen. Gut, sicher bin ich (sind wir) auch etwas zu zurückhaltend oder zu selbstverliebt, um uns in das Leben hier zu stürzen. Sicher wiegt die Erinnerung an das Zurückgelassene, die alte Heimat, zu schwer. In Kontakt mit anderen Reisenden, Fremden zu treten, das tut in solch einer Situation gut. Wir sind trotz unseres überschaubaren Wissens über die Gegend für einen kurzen Moment die Welterklärer für unsere Gäste, die aus Spanien, Belgien, Frankreich zu uns in den Schwarzwald kommen. Im Gegenzug erfahren wir Einzelheiten zum Beispiel aus dem Künstlerleben Mallorcas. Ferne Orte sind plötzlich ganz nah. Wir sprechen wieder Englisch und Französisch. Mitten im Schwarzwald zu leben fühlt sich nicht mehr absolut, sondern relativ an. Und falls es einmal doch nicht ganz so nett mit einem der Gäste sein sollte (was bisher nie vorgekommen ist): Für den Rest des Lebens wird man nichts mehr voneinander hören.
  6. Man kann Geld verdienen. Der ursprüngliche Grund, warum wir als Eltern vermieten: das Geld! Mit Vermietung an Urlauber kann man kleinere Lücken mit geringem Aufwand wieder stopfen, was als Arbeitende/r in Teilzeit oder Elternzeit mitunter notwendig werden kann. Mit Airbnb ist dieses Hinzuverdienen auch noch erschreckend einfach. Mit der Zusage, die Gast und Gastgeber einander geben, steht der Preis fest. Einen Tag nach Eintreffen des Gastes wird die Summe auf mein Konto überwiesen. Kein Bargeld, keine Nachzahlungen, kein Gewese mit dem Gast über vorzuschießende oder zurückzuzahlende Kaution, der Gast muss im Ausland nicht an einen Bankautomaten, ich brauche kein Wechselgeld, kurz: ich verdiene Geld, ohne es zu bemerken. Fast ein bisschen unheimlich.