Mutter-Kind-Kur, 7. Tag. Ich muss mehr Termine haben, und auch alle anderen sind nur zwangsentspannt.

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Vordergründig entspannter Montag

2014 war ich mit meiner damals Vierjährigen in der Mutter-Kind-Kur im Schwarzwald. Wie es dort war, erzähle ich hier im Rückblick.

Wieder nur ein Termin im Plan. So geht das nicht weiter.

Die Kinder scheinen eingelebt, zumindest meine Tochter und ihre „beste Freundin“ L. Während sie mit dem Kindergarten eine Wanderung zum Alpenblick machen („da hat früher Heidi gewohnt!“) knalle ich meinen Plan in letzter Sekunde mit freiwilligen Terminen voll: „Musik verbindet“, „Stimme und Präsenz“, „Atem und Entspannung“. So. Jetzt hab ich morgen, zusammen mit den Pflicht- und Arztterminen, sage und schreibe 6 Termine! Jetzt hab ich endlich was zu tun. Zwei Artikel, die ich von zu Hause mitgenommen habe, müssen auch noch gelesen werden. Aber dazu komme ich jetzt ja gar nicht mehr.

Insgesamt ist dieser 7. Tag sehr entspannt. Die Sonne strahlt 12 Stunden am Stück vom wolkenlosen Himmel, die Kinder bauen mit Klötzen und rodeln, es gibt Stockbrot hinterm Bauwagen, dazu den versöhnlich stimmenden Räucherduft vom Lagerfeuer in Kleidern und Haaren. Der Schnee schmilzt in Strömen.

Nicht entspannt hingegen sind die Geschichten der anderen Mütter. Fast alle haben ein Problem mit ihren Kindern:

Entweder, sie wähnen ihr Kind dauerhilflos, dauergefährdet und vom Aussterben bedroht, holen sich dreimal am Tag im Schwesternzimmer Tropfen, Ratschläge, sonstwas. Diese Mütter heulen schnell und glauben die ganze Zeit, ihrem Kind zu wenig Zeit zu widmen. (Interessanterweise trifft das sowohl auf die Vollzeitjob-Mutter als auch auf die 24/7-Hausfrau zu.)

Oder, was noch schlimmer ist, die andere Sorte Mütter, die machen ihr Kind ständig und meist grundlos vor allen anderen zur Schnecke, beschweren sich in seiner Anwesenheit bei den anderen Müttern über ihren Nachwuchs. Wenn sie dann mit dem Kind alleine sind (oder es zu sein glauben, aber Kurwände flüstern), geben sie ihm restlos den Rest, pfeifen es wegen jeder Tätigkeit, die es aufnimmt, zurecht, brüllen es an, wie blöd, doof, zeitraubend, ungeschickt, unkonzentriert, strohdumm, unerwünscht und dickköpfig es doch sei.

Ist es ein Kind, das dennoch auf seinem Willen besteht, geben diese Mütter lautstark kund, niemals auch nur einen Zentimeter in dieser Sache nachzugeben, nur um fünf Minuten später dem Kind doch das zu geben bzw. es machen zu lassen was es will. Diese Mütter hyperventilieren schnell und erbrechen sich. Werden sie ihrerseits vom Personal zurechtgewiesen (was bei den ruppigen Angestellten hier durchaus mal passieren kann), reagieren sie hilflos, empört und hysterisch.

Eine Mutter der ersten Sorte wollte gestern schon wieder abreisen, weil die Erzieher im Kindergarten soooo ungerecht zu ihrer Tochter sind. Aber sowohl ihr Mann als auch die Ärzte rieten ihr, zu bleiben, sie bekam ein Beruhigungsmittel, und heute ist sie immer noch da. Eine andere Mutter, auch der ersten Sorte, brach bei der Ankündigung, die zuerst erwähnte Mutter wolle abreisen, in Tränen aus, weil ihr ihr eigenes Kind so leid tat: Wenn Mutter 1 abreist, nimmt die ja ihr Kind mit, und dann hat die eigene Tochter niemanden mehr auf der Welt zum Spielen.

Ich will mit dem allen möglichst wenig zu tun haben und versuche, solche Plätze des Ausbruchs möglichst zu meiden.

Alle Beiträge zu unserer Mutter-Kind-Kur gibt es hier.

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