Mutter-Kind-Kur, 12. Tag. Pizza, Graubrot, Teewurst

2014 war ich mit meiner damals Vierjährigen in der Mutter-Kind-Kur im Schwarzwald. Wie es dort war, erzähle ich hier im Rückblick.

Starkregen gibt es so wohl nur am Berg. Kein Kindergarten heute. Kind erkältet. Also fällt nicht nur Sandkasten, sondern auch Hallenbad ins Wasser. Wie verbringen den Vormittag dennoch ganz zerstreut in unserem Zimmer. Heizung an, Bauklötze raus, dann hole ich mein Notizbuch und meine Tochter Schere und Kleber. Ich schreibe auf, was an den letzten Tagen so los war und wäre so viel lieber im Internet, was am Arbeiten oder Organisieren. Der Regen trommelt pausenlos. Das Kind bastelt ein Papiermännchen, das mir sehr gefällt.

Im Nebenzimmer ist die Schreckschraube beim Hausaufgabenmachen mit ihrem Sohn schon wieder auf 180. Man versteht jedes einzelne Wort: „Das ist ein großes R!!! … „BIER schreibt man mit I-E!!!“ … „Wenn du das nicht kannst, mach eben ich es!!!!“ usw.

Einen Teil des Tages hängen wir auch einfach in den Fluren bei Kunstlicht rum. Ich habe das „Einrichtungs-“ Gefühl. Wir leben in einer Einrichtung und können hier nicht weg. Wir sind immer die ersten beim Essen, weil, was soll man sonst machen? Umso schlimmer, dass es zu Mittag nur verkochte Nudeln mit einer graubraunen Bolognesesoße gibt. Meine Tochter weigert sich, das zu essen.

Zwei Mütter beschließen daraufhin, abends einfach Pizza zu bestellen, denn uns graut schon vor dem ewiggleichen Abendessen: Graubrot mit Aufschnitt, Reste vom Mittagessen, kalt, im Joghurtdressing schwimmend, plus Cornflakes, dieselben, dies es zum Frühstück schon gegeben hat.

Wir hangeln uns vom Spieleraum (puzzeln, Lego, malen) zum Kaffeeautomaten (Internet) zur Turnhalle (Barren, Seile, Frisbee).

Alle Kinder (oder die meisten) sind heute vorlaut oder weinerlich, aber noch schlimmer sind die Mütter. Die Keifzangen keifen noch lauter als sonst. Eine Mutter hat von ihrer Zimmernachbarin Alpträume. Eine andere hat begonnen, Antidepressiva zu nehmen. Eine dritte hat Magenschmerzen, wegen der Gespräche mit der Psychologin, die sie nicht mag. Eine vierte fährt jeden Tag nach Neustadt wegen Medikamenten, die es auch im Haus gibt, deren Frische (Haltbarkeitsdauer nach Anbruch) sie aber nicht traut. Ich beauftrage sie jedes Mal, mir etwas mitzubringen: Bonbons, Zahnpasta, Tee. Ohne Rossmann geht eben gar nichts.

Beim Abendessen mit meiner Großen (ich nehme immer nur Streichwurst, sie immer nur Marmelade aufs Brot, alles andere sieht einfach unappetitlich aus), kommen die Dreijährigen B. und M. angewetzt und rufen ihr zu: „Teewurst! Teewurst!“ Sie ärgert sich. Doch da kommt ihre Freundin L., die B. hinterherschreit: „B. ist verliii-hiiebt, B. ist ein Lieeebespaar!“ Meine Große macht sofort begeistert mit. B. und seine Freundin M. hören es gar nicht, aber Bs Mutter. Die will hinterher ganz genau von mir wissen, ob ihr Sohn geärgert wurde und was da gerufen wurde.

Wieso muss ich das eigentlich erzählen? Kann ich was dafür, wenn Kinder sich gegenseitig ärgern?! Ist doch nicht meine Sache, wenn die durchdrehen.

Das generelle Problem hier ist: Alle Mütter denken entweder immer, alles ist ihre Schuld, oder aber ihrem Kinder wird Unrecht getan (dann ist ein anderer Erwachsener Schuld), oder aber ihr Kind ist selbst immer an allem Schuld (inklusive an ihrem eigenen Scheiß-Leben als Mutter). Es ist kompliziert.

Zum Glück ist jetzt doch noch die Pizza gekommen. Meine Zimmernachbarin teilt sich ihre Bruschetta mit mir, meine Tochter bekommt zwei Stück Pizza (glückliche Augen!), ihre Freundin isst glückselig NORMALE Spaghetti mit NORMALER roter Soße. Bald danach gehen alle ins Bett, weil niemand mehr diesen Tag aushält.

Alle Beiträge zu unserer Mutter-Kind-Kur gibt es hier.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s