Mutter-Kind-Kur, 19. Tag. Abreise und nie wieder

2014 war ich mit meiner damals Vierjährigen in der Mutter-Kind-Kur im Schwarzwald. Wie es dort war, erzähle ich hier im Rückblick.

Mit einem großen Gefühl der Erleichterung habe ich heute früh mein Frühstückstablett in den Spülwagen geschoben: Nie wieder aufgepumpte Brötchen, auf deren obere und untere Hälfte exakt eine abgepackte Margarineportion passt, nie wieder immerdiegleichen Haferflocken, immerdiegleichen Cornflakes und fader Kaffee mit zu süßer, dünner Milch, all das verzehrt bei einer durchdringenden Note Desinfektionsgeruch. Nie wieder!

Kaution und Pfand rausbekommen. Automat in der Halle liefert keine Chips und keinen Orangensaft, warum?

Dann kommt mein Taxi, bestellt eigentlich auf Kosten der Rezeption, die sich aber nun doch weigert, die Fahrt zu bezahlen, was nicht nur mir, sondern auch dem Taxifahrer aufstößt: Normalerweise wird er doch sofort vom Portier bezahlt!

Der Portier ist heute eine (eigentlich) sehr nette, ältere Dame, die darauf besteht, dass der Empfang das nicht zahlt. Zähneknirschend unterschreibe ich eine Quittung über 21 Euro. So viel kosten die 5 Minuten Fahrt runter nach Bärental. Von dort sind es bis Heidelberg (mit Sparpreis) nochmal 14 Euro.

Am Empfang und auf der Freitreppe ist viel los: Viele Mütter empfangen gerade die wochenends zu Besuch kommenden Väter, Kinder rennen in Papis Arme. Andere brechen gerade zu Wanderungen auf.

Türen zu, Motorstart, die Szene auf der Treppe wird plötzlich lautlos, das Taxiradio spielt die letzten Takte einer Abschiedshymne (oder es klingt so), gleichzeitig fangen einige der Mütter auf der Treppe an zu winken. Das alles geschieht wie in Zeitlupe. Die vielen Mütter und ihre Kinder sehen für einen winzigen Moment lang so aus, wie fürs Gruppenfoto positioniert. Mir kommen die Tränen.

Mit niemandem habe ich in der Kur Freundschaft geschlossen, mich an keine Heilung, kein Versprechen binden wollen. Ich gehöre nicht zu denjenigen, die alle vier Jahre hier hochkommen. Mir geht es so unvergleichlich gut. Zuhause, bei meinem Partner, bei Freunden, bei einer tendenziell aufsteigenden Kurve meiner beruflichen Tätigkeit, zum zweiten Mal schwanger, mit einem immer gesunden und munteren Kind an meiner Seite, mit dem Vertrauen in das Kontinuum vieler Dinge und mit dem Wissen, überall auf der Welt fremd zu sein.

Und doch…

Alle Beiträge zu unserer Mutter-Kind-Kur gibt es hier.

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