Abschied vom Jüngsten. Loslassen.

Liebes Baby,

du bist jetzt 1 Jahr alt geworden. Du bist mit uns umgezogen, warst auch gerade mit uns im Urlaub. Und das erstaunliche ist: Die meiste Zeit, wirklich die meiste, ist es dir egal, wo du bist. Du fragst dich nicht, wozu du im Auto schwitzen musst, warum du in einer Trage auf Papas Rücken einen Berg hochgeschleppt wirst, wieso regelmäßig – oder unregelmäßig – Leute bei uns vorbeikommen und sich deiner annehmen oder auch nicht.

Egal wo, Hauptsache, dein Tag verläuft so wie der davor. Und der danach. Dabei bist du aber nicht pingelig und siehst großzügig über die Ausnahmen von der Regel hinweg.

Jetzt gibt es eine neue Regel. Seit genau 4 Wochen gehst du zur Tagesmutter. Es war ein sehr sanfter Abschied von der Zeit, die du fast ausschließlich mit mir verbracht hast. Aber ein Abschied. Und Abschiede tun weh. Immer.

Am Anfang war ich jeden Tag mit bei der Tagesmutter zu Besuch. Ich zog dort meine Schuhe aus und spielte mit dir und mit den anderen Babys. Die freuten sich schon auf mich. Ich stillte dich dort sogar noch und fütterte dich. Ab dem dritten Tag legte dich schon die Tagesmutter schlafen. Ich trank Unmengen Kaffee und machte Zeug auf dem Smartphone. Zum Beispiel nutzte ich die ganze Zeit bei der Tagesmutter damit, diesen Blog anzulegen.

Du warst immer glücklich und gelöst bei der Tagesmutter. So wie ich dich kannte. Ich hatte also gar keine Bedenken, dich mal 4 Stunden alleine dort zu lassen. Die Tagesmutter auch nicht. Die mich sogar jetzt noch manchmal fragt, wie du zu Hause drauf warst, um in Erfahrung zu bringen, ob es dir auch bei ihr gefallen hat.

Und obwohl ich in der ersten Woche immer mal wieder für eine Stunde weg war, zum Einkaufen oder Mittagessen, war es ein sehr seltsames Gefühl, dich am 8. oder 9. Tag morgens hinzufahren mit dem Wissen, dass ich diesmal gleich wieder gehe.

Jedes Mal ist es so. Weil ich weiß, dass du an manchen Morgen am liebsten auf meinem Arm bleiben möchtest, und ich nicht weiß, ob heute so ein Morgen ist. Und auch wenn du jeden Tag von Früh bis Spät unbändig gute Laune hast und nach wie vor allen Menschen, auch Fremden, tief vertraust: Es ist dennoch jedes Mal ein Abschied.

Für mich ist es auch ein Abschied von einem Baby, das nur nimmt. Denn du hast dich bei der Tagesmutter genau umgesehen und gleich gemerkt: Die anderen Kinder können viel mehr als ich. Die sind nicht nur ohne ihre Mamis hier. Die werfen mit Bällen. Die bringen den Erwachsenen Spielzeug. Die räumen Duplosteine in die Kiste. Die lassen los.

Das wolltest du auch können.

Und seither steckst du mir alle möglichen Spielzeuge und Brotrinden zu, wirfst Klötze in die Kiste, spielst mit uns Ball, steckst Formen in Öffnungen und versuchst sogar, zwei Duplosteine aufeinanderzustecken. Was süß ist, denn es sieht so aus wie zwei Duplosteine nehmen und zusammen wegwerfen. Wenn du willst, dass etwas zu dir kommt, deutest du mit beiden Armen auf dich und lachst oder strahlst unbändig.

Liebes Baby, du bist einen großen Schritt gegangen und ich bin sehr stolz auf dich.

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2 Gedanken zu “Abschied vom Jüngsten. Loslassen.

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