Schöne Landschaften machen mich glücklich – mir fehlt hier allerdings ein guter Indie-Schuppen

Interview mit einem Land-Blogger 

Wer sind sie: die “Stadteier”, deren Zeit in der Stadt irgendwann abgelaufen war? Die auf dem Land erst so richtig Beruf und Berufung fanden? Die noch immer nach etwas suchen, was sie vielleicht nur in der Stadt finden können? Die auf dem Land endlich ihren Sehnsüchten Raum verschaffen konnten? Die Kompromisse eingingen und dabei erwachsen wurden?

Landfamilie fragt, gestandene Land-Blogger antworten.

Teil III: Plötzlich Pfarrerin.

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Wie lange ist es her, dass du das Land– gegen das Stadtleben getauscht hast und warum das Ganze?

Ein Jahr und zwei Monate. Ich bin Pfarrerin im Probedienst und dafür wird man auch auf Stellen „entsandt“, die im ländlichen Raum liegen. Viele haben Angst vor dem Pfarramt auf dem Land und ich hatte auch Schiss, vor allem davor, auf einmal alleine verantwortlich für alles zu  sein. Ich wollte aber auch wissen, ob ich das hinkriege oder nicht – deshalb bin ich hier.

Du kommst abends mit dem Auto oder mit dem Zug in dein Dorf zurück. Woran merkst du, dass du „nach Hause“ kommst?

Die Kompostkatze huscht auf das Nachbargrundstück und der feine Duft von Marderkacke steigt mir in die Nase. Wenn ich über die Hintertür ins Haus will, muss ich an einem kleinen, wieder sehr verwildertem Stück Garten vorbei, das meine Schwiegermutter in spe im Sommer hübsch gemacht hat. Nach Hause kommen heißt für mich auch die wiederkehrende Erkenntnis: ich sollte dringend mal was im Garten machen. Und Lagerfeuer gegen den ganzen Pappmüll von der letzten Ikea-Bestellung.

Was sagen deine Kinder / dein Partner über das Landleben? Kannst du diese Meinung teilen?

Meinen Partner zieht es zurück in die Großstadt. Ich kann ihn verstehen, brauche den Trubel einer Metropole für mich aber eher weniger.  Ich mag es, ein Haus und den Garten zu haben und hätte gerne mehr Zeit, beides zu genießen. Im Sommer ist es bei mir in der Gegend mit den ganzen Seen einfach wundervoll. Unlängst habe ich entdeckt, dass schöne Landschaften mich glücklich machen – vielleicht ein Zeichen des einsetzenden Alterungsprozesses?

Ein Blick zurück: Vermisst du etwas, das es nur in der Stadt gibt? Oder hast du aufgehört, etwas zu vermissen? Warum?

In der Stadt war ich viel aktiver bei Instagram, Eye Em und Twitter – das hat stark nachgelassen, weil ich nicht mehr mit den Öffentlichen unterwegs bin (die gibt es hier einfach nicht). Die Anonymität der Großstadt fehlt mir manchmal – hier kennen mich alle. Vor dem ersten Kaffee ist das unangenehm. Ich vermisse weniger die Stadt als mein studentisches Leben in der Stadt. Mir fehlt hier allerdings ein guter Indie-Schuppen, aber die werden auch in den großen Städten weniger, vielleicht auch ein Zeichen des Alterungsprozesses.

Ein Blick in die Zukunft: Lebst du auch noch im Alter auf dem Land? Warum / warum nicht?

Hm – wenn Land mit Haus und riesen Garten und Alleinsein zu tun hat, dann eher nicht, dafür bin ich zu faul. Aber wenn Land heißt, zusammen mit anderen vielleicht endlich die Kommune auf dem Land gründen, dann ja. Und wenn ich mein Gärtnerinnen-Ich in der Zwischenzeit wiederfinde.

Zur Person: Plötzlich Pfarrerin will anonym bleiben. Ihr gutes Recht. Aus dieser Anonymität heraus informiert sie uns hoffentlich weiterhin so glasklar und ironisch über ihr Vorantasten im neuen Job. Wie vom Vorhaben, mit Hilfe ihrer Gemeinde das Rauchen aufzugeben, über die Weitläufigkeit ihres Bezirks aka Das große, waldige Gemeindewesen oder das noch schnell gemeinsam essen gehen nach dem Gottesdienst. Aber auch alle anderen Beiträge der Pfarrerin sind höchst amüsant. Unbedingte Leseempfehlung!

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