Wie sie es in Schwaben machen. Und wie sie es in Baden machen. Trigger-Warnung: Baden-Bashing

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Schwäbische Schwarzwaldfichte oder Badische Weintraube? Das Wappen von Sasbachwalden / Baden kann sich nicht so ganz entscheiden.

Seit ich hier im Schwäbischen wohne, und das immerhin schon seit einem Jahr, wird mir das Badische immer suspekter. Ich meine, was muss man alles sehen, wenn man an einem unbescholtenen Sams- oder Sonntag ins Badische hinüberfährt?

Da wohnen Leute, die an einem ganz normalen Samstagvormittag nicht schaffen. An einem Samstag!

Zu einer Uhrzeit, wenn ordentliche Leut auf den Wiesen und Holzplätzen und Vorgärten mit Sensen und Rindenschälern und Spitzhacken am Werk sind. Es wird Heu und Holz und eine neue Garageneinfahrt gemacht. Jawohl, alles mit der Hand. Muss ja alles fertig werden, bevor es Sonntag wird. Man fährt mit dem Fahrrad vorbei, auf dem Weg ins Badische, man grüßt, und man sieht: Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Nur ein paar Kilometer weiter flussabwärts rollt man über die Landesgrenze. Und sofort bietet sich ein ganz anderes Bild: Im Badischen, da versammeln sich am hellichten Tag Leute um die Tische ihrer Gärten und ihrer Cafés. Sie sitzen im Grünen, und sie sitzen am Straßenrand. Einfach so. Es fließt Alkohol, und das, der Lautstärke der Gespräche und des Gelächters nach zu urteilen, in rauen Mengen. Am hellichten Samstag, wohlgemerkt. Aber auch sonntags. An jedem Tag eigentlich.

Klar. Mr schaffet, und die, die besaufen sich! War klar, ne. Hat der Badenser denn keine eigene Wiese, keinen eigenen Forst, die er bestellen kann? Hat er nicht mal an seinem Haus etwas auszubessern? Nichts? Na dann, dann… müsste er sich doch einfach etwas ausdenken, was es zu schaffen gibt! Irgendwas!

Man sieht auch sofort, dass die Badenser lange nicht so geschickt sind wie die (fast hätte ich gesagt: wir) Schwaben. Schonmal einen badischen Holzhaufen gesehen? Nein? Umso besser, denn den traurigen Anblick erspare ich gerne jedem. Ich sage nur: Es gibt gleich lang hacken. Und es gibt nicht gleich lang hacken. Es gibt aufschichten. Und es gibt hinschmeißen. Für mehr traurige Details fehlen mir hier einfach die Worte.

Zum Straßenausbessern muss ich an dieser Stelle auch noch was sagen. Ich bin sie schließlich schon alle abgefahren, die Verbindungen zwischen Schwaben und Baden, mit dem Fahrrad und noch viel öfter mit dem Auto. Hier droben bei uns, da ist der Asphalt nämlich völlig in Ordnung. Wir bessern ja auch jedes Teilstück einer Landes- und Bundesstraße turnusmäßig aus, indem wir dieses Stück (je nach Länge) für einige Monate oder Jahre komplett sperren und in dieser Zeit einfach den Asphalt einmal komplett austauschen. Und zwar lange, bevor Risse und Schlaglöcher auftauchen. Was wir machen, machen wir richtig.

Was sie hingegen in Baden mit den Straßen machen, wollen wir gar nicht so genau wissen. Wir vermuten aber aufgrund des plötzlich auftretenden Gerüttels stark, dass Schlaglöcher hier mit Teerbatzen zugekleistert werden. Muss nicht weiter kommentiert werden.

Und dann muss ich an dieser Stelle unbedingt noch was über die Bahnübergänge sagen. Es fährt nämlich so ein Bähnle, von der Landeshauptstadt der Badenser etwa anderthalb Stunden bergan, bis es auch bei uns (huch!) Schwaben ankommt. Nimmt man nicht dieses Bähnle, sondern, wie ich, Fahrrad oder Auto, muss man also ziemlich oft Bahnübergänge kreuzen. Das nervt, denn jedes Mal anhalten und so. Wir Schwaben haben das aber voll im Griff: Schranke runter, zack Bahn fährt vorbei, Schranke wieder rauf. Funktioniert doch, oder?

Mal schauen, wie sie es in Baden so machen. Schranke runter. Warten. Warten. Warten. Warten. Motor aus. Warten. Warten. Warten. Fenster auf, Lieblingssender suchen, Handy checken. Sich von Motorrädern überholen lassen. Warten. Da, der Zug. Motor wieder an. Warten. Warten. Warten. Warten. Warten. Ah, da muss doch noch irgendwann der Zug aus der Gegenrichtung kommen. Motor wieder aus. Aussteigen. Zigarette anzünden, Dehnübungen machen, irgendeine Nummer wählen. Baden, oder: Menschen, die auf Schranken starren. Ich meine, die Zeit- und Spritvergeudung, die sich da ansammelt, die schadet doch  der Volkswirtschaft??!!

Und mr schaffet. Um das wieder auszugleichen. War klar, ne.

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Ein Gedanke zu “Wie sie es in Schwaben machen. Und wie sie es in Baden machen. Trigger-Warnung: Baden-Bashing

  1. Petra schreibt:

    Selten so geschmunzelt. Als echte Schwäbin bin ich nun schon lange in Baden, wohlgemerkt in Südbaden. Stimmt alles , aber im Süden geht’s noch relaxter zu.

    Gefällt mir

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