Coronatagebuch Tag #20

Mundschutz-Rezension

Rezension auf Amazon für einen gebrauchten Mundschutz, Zustand Sehr gut

Darf man schon? Oder ist man dann vielleicht die einzige?

Nein, ich fühle mich damit soooo blöd. Als wäre ich Latexfetischist oder Zwangsneurotiker. Bin ich ja nicht. Soll auch keiner von mir denken. Also lass ich die Gummihandschuhe lieber da wo sie sind, in ihrem ungeöffneten Pappkarton im Schrank und gehe mit nackten Händen einkaufen.

Noch komischer als die Gummihandschuh-Frage ist die Mundschutz-Frage.

Darf man schon? Nein, ist ja sooo peinlich. Man sieht aus wie, wie, ja wie ein der Konformität gehorchender Bürger Chinas. Aber man ist doch hier nicht komform! Man trägt, was man will und wie es einem gerade passt!

Seit die Krankheit in Europa ihren Lauf nimmt, sind täglich Widersprüchlichkeiten rund um das richtige oder falsche Tragen eines Mundschutzes zu hören, es ist eine wahre Abfolge von Absurditäten, im folgenden veröffentlicht:

Mundschutz – ja oder nein?!

Chronologie März 2020

  1. Deutscher Online-Shop hamstert Millionen Mundschutze in China (ausgerechnet) und verkauft sie zum zigfachen Preis auf Amazon.
  2. Meinung: Einen Mundschutz zu tragen bringt nichts, ja birgt sogar eine Gefahr. Denn wie hoch steht die Chance, dass man ihn falsch aufsetzt und dann schützt der gar nicht!!!1einself!
  3. Außerdem: Es gibt ganz unterschiedliche Mundschutze! Man kann nicht nur den richtigen Mundschutz falsch aufsetzen, man kann auch den falschen Mundschutz richtig aufsetzen und das bringt dann auch nichts!
  4. Mundschutze sind mittlerweile in Apotheken und Baumärkten ausverkauft.
  5. Aber das ist nicht schlimm. Man erfährt: Ein Mundschutz bringt nur dem medizinischen Personal etwas, denn nur die haben mit Kranken zu tun und müssen sich schützen. Otto Normalverbraucher hat nicht mit Kranken zu tun und muss sich folglich nicht schützen.
  6. In unzähligen Gifs/ Slideshows unter dem Titel „Mundschutz für Dummies“ erfährt man: Es gibt zwei Mundschutz-Arten: Es gibt den Mundschutz, mit dem man sich vor Kleinstpartikeln wie Viren schützen kann (FFP2-Maske oder Feinstaub-Maske). Und es gibt den Mundschutz, der davor schützt, die eigenen Tröpfchen zu verbreiten (OP-Maske).
  7. Ungeachtet dieses kleinen, aber feinen Unterschieds nähen die Flüchtlingsfrauen auf Lesbos ihre Mundschutze einfach aus Stoff.
  8. Krankenhäuser überall in Europa stehen vor dem Schutzmaterial-Kollaps. Schutzmasken und -mäntel werden mehrfach getragen oder untereinander getauscht, weil es nicht mehr genügend gibt. Es fehlt auch Desinfektionsmittel. Überall beschweren sich Ärzte, dass ihnen Material und Mittel weggeklaut werden.
  9. Ärzte und Politiker mahnen: Kaufen Sie keine Mundschutze! Das medizinische Personal ist dringend darauf angewiesen! Aka: Wenn Sie ohne Not einen Mundschutz kaufen, stirbt woanders ein Patient!
  10. Auch Beamtungsmasken für Patienten mit Lungenentzündung werden rar. Kliniken bitten die ehrenamtlich organisierte 3D-Druck-Welt um Mithilfe, bevor führende Firmen (Autoindustrie) auf die Herstellung von Beatmungsmasken umsatteln.
  11. Bekleidungsfirmen fangen an, Mundschutze herzustellen.
  12. Dem Bundesgesundheitsminister wird zum Vorwurf gemacht, er habe Mundschutze im Februar einfach an China verschenkt und die Produktion im Inland nicht erhöht.
  13. Auf Amazon gibt es Mundschutze mittlerweile zum Fantasiepreis. Zum Beispiel den Trendsetter „Einweg-Mundschutz gebraucht, Zustand Sehr gut für 7,95€“. Geliefert wird erst in 4-8 Wochen. Wenn überhaupt.
  14. Auf einmal verweisen die Politiker und ihre Berater doch auf die asiatischen Mundschutz-Nationen: das Virus würde dort so wunderbar eingedämmt, die Infektionen lägen auf einem ganz niedrigen Level. Warum? Ahaaa! Es gibt dort eine Mundschutzpflicht!
  15. Österreich erlässt als erstes Land in Europa eine Mundschutzpflicht beim Einkaufen. Seit heute werden dort Einweg-Mundschutze vor den Supermärkten verteilt. Aber auch hier mangelt es an der vorhandenen Stückzahl, wie nicht anders zu erwarten war.
  16. Haltung der Politiker in Ö: Ein Mundschutz schützt nicht vor Ansteckung, aber einen zu tragen, zeige „gegenseitigen Respekt“.
  17. Führende Virologen ermuntern auch die Deutschen, mit Mundschutz vor die Tür zu gehen. Erneut Diskussion, ob man den Mundschutz nur dann aufsetzen soll, wenn man krank ist. Oder eher dazu, um sich vor potenziellen Kranken in der Öffentlichkeit zu schützen. S. 6.
  18. Man hört, dass es „höflicher“ sei, einen Mundschutz zu tragen als keinen.
  19. Es gibt keine Mundschutze zu kaufen, daher gilt nun auch aus Sicht führender Berater: man kann sie ganz einfach selbst aus einem Stück Stoff basteln. Oder sich einen Schal über den Mund ziehen. Das reicht.
  20. Unzählige Anleitungen zum Mundschutz-Selber-Basteln schwirren durchs Netz.
  21. Man darf Mundschutze nur nähen und verkaufen, wenn das Wort „Schutz“ nicht vorkommt. Medizinisches Personal darf jedoch nicht auf Selbstgenähtes zurückgreifen, da es dafür keine Zertifikate gibt.
  22. Die DIN-Normen für medizinisches Schutzmaterial sind aufgehoben. Jeder darf jetzt ungestraft Mundschutze nach der DIN-Norm produzieren.
  23. Nichtsdestotrotz werden Mundschutze weiterhin aus China importiert. Dabei gehen anscheinend besonders Händler aus den USA kriminell zur Sache: sie kaufen die bereits georderte Fracht für Frankreich oder Deutschland auf dem Weg zum Flughafen für das Drei- bis Vierfache in bar ab.
  24. Und schließlich: Atemschutzmasken im Faktencheck, nach heutigem Stand.

Heute sind es 77.779 Infizierte in Deutschland, 18.7000 sind wieder gesund und 909 sind gestorben.

Ein Gedanke zu “Coronatagebuch Tag #20

  1. Es ist echt schwierig und ja … man kommt sich blöd vor. Es braucht Überwindung. Aber bei allem hin und her der „Oberherren“ der einfache Menschenverstand sagt mir, wenn ich einen trage, dann kommt definitiv weniger bei mir an und es geht weniger an andere raus. Auch wenn es kein 100%iger Schutz ist, ist es aber geschützter als gar nichts vorm Gesicht zu haben.

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