Urlaub mit zwei Großfamilien

Berlinfamilie hat sich spontan aufgemacht gen Süden und ist für knapp zwei Wochen bei Landfamilie zu Gast.

Das heißt: sechs Kinder von 2 bis 10, vier Erwachsene von 38 bis 40. Inhaltlich geht es zwei Wochen lang um Wechselklamotten, Windeln, Homeschooling, Schlafengehmethoden, Pfannkuchen mit Apfelmus und viel, viel Kaffee.

Alles wird auf zwei Wohn-Ebenen gleichzeitig bespielt und hin- und hergezerrt: die Lego-Eisenbahn, die Stofftiere, die Carrera-Bahn, die Wachsmalkreiden, die Aufziehfrösche und die Puzzle.

Im Garten findet sich seltsames Sand-Kreide-Pulver und rätselhafte Häufchen aus Steinen und Stöcken an jeder Ecke. Es scheint, man könne das Gewirr aus Sand und Plüsch, Kreide und Plastik, Gras und Müsli nie wieder auseinanderbekommen. (Das Planschbecken haben wir in weiser Voraussicht gar nicht erst aufgestellt.)

Zwischen 6 Uhr morgens und 14 Uhr vergeht kaum eine Stunde, in der nicht in der Küche gegessen oder aufgeräumt wird. Zuerst gibt es einen Milch für die Kleinste, danach Pfannkuchen (meist nur für die zwei bis drei Frühaufsteher-Kinder). Ein Erwachsener muss zur Arbeit und isst im Stehen ein Brot. Dann kommen die Home-Schooler, und zuletzt setzen sich die urlaubenden bzw. gastgebenden Erwachsenen an den Tisch. Halb 9, Zeit für einen Kaffee und die Tagesplanung. Dabei isst die Kleinste ihr Drittfrühstück.

Gegen 11 ist die Küche fertig aufgeräumt. Wasserflaschen und Zwischen-Mahlzeiten werden gerichtet. Ein Teil der Kinder und Erwachsenen ist bereit für einen Ausflug. Ein Erwachsener darf sich jetzt aber meist erholen und die Küche in Richtung Bett oder Hängematte wieder verlassen. Wenn er oder sie nicht den Einkauf erledigen muss.

Zwischen 12:30 und 14 Uhr wird gekocht und gegessen. Dabei bin ich immer wieder erstaunt, wie gut unsere gemeinsamen zehnköpfigen Mahlzeiten funktionieren – ohne längere Absprachen oder gar genauere Planung. Es haben auch immer alle gleichzeitig Hunger und keiner mault, dass ihm nichts des Dargebotenen schmeckt.

Es gibt immer Reis oder Nudeln in rauen Mengen, dazu das Doppelte an Soße. Gemüse und Fleisch bzw. Tofu gibt es in kleineren Portionen, da keiner alles isst. So will ein Kind dreimal Lauch, eines zweimal Würstchen und ein drittes Kind will nichts davon.

Um 14 Uhr ist erstmal Küchenstillstand. Vielleicht noch ein schneller Kaffee, aber dann ziehen sich alle zurück. Die Erwachsenen schlafen (oder schreiben) unbehelligt. Die Kinder widmen sich wieder den Schauplätzen in Spielzimmer und Garten. So könnte es bis abends endlos weitergehen. Und manchmal tut es das auch.

Stressig wird es erst wieder nach 19 Uhr. Dann, wenn einige „Dursts“ und „Hungers“, die zwischendurch abgefedert werden konnten, nicht mehr so richtig kleinzukriegen sind. Jetzt gibt es entweder Brot für alle oder wir grillen was. (Manchmal sind noch weitere Freunde dabei und rollen mit den Augen ob der zehnköpfigen Riesenmaschine, die von Chaos lebt und wieder neues Chaos gebiert.)

Die Bettgehzeit zieht sich mit sechs Kindern (davon immerhin drei in Urlaub) endlos, von 20 bis 23 Uhr. Immer ist noch was. Es ist noch nicht aufgeräumt, oder die Jüngste war schon eingeschlafen und ist wieder putzmunter, oder zwei haben wieder (warum?!) Hunger, es dürfen alle noch zum abendlichen Gießen in den Garten kommen, es gibt Vorleserunde 1, Vorleserunde 2 und Vorleserunde 3, Zähneputzen dito, und um 23:30 quatschen die beiden Großen auf ihrem Matratzenlager immer noch.

Bier, Grillengezirpe, Terrasse. Gespräche über Vergangenes und Zukünftiges und über Feminismus. Großes Feriengefühl. Für zwei Stunden. Danach dann so müde…

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