Coronatagebuch Tag #59

Die im Lockdown neu hinzuaddierten Hobbies festigen sich. Unsere heißen: Gartenbau und Spazierengehen. So unspektakulär es klingt, wir hatten vorher nie Zeit dafür.

Heute haben wir zum ersten Mal Salat, Radieschen und Erdbeeren geerntet und den Kompost weiter ausgebaut.

Und wir waren zum ersten Mal beim Bergwerksstollen mitten im Wald. Die Kinder haben am Bach gespielt, sind über Baumstämme balanciert und haben Lehm mit nach Hause genommen.

Komisch, mit Vierjährigen steht man auf Spaziergängen praktisch nur herum. Fünfjährige rennen die ganze Zeit vor und sind ständig aus dem Blickfeld, wenn man nicht hinterrast.

Heute war Sonntag. Unsere Kirche hat wieder offen. Es soll nachmittags einen kurzen Gottesdienst geben, draußen, mit Mundschutz, Sicherheitsabstand und ohne Gesang. Parallel gibt es aber immer noch den Youtube-Livegottesdienst. Dem haben wir uns heute gewidmet, während wir gleichzeitig mit den Kindern gebastelt und Spargel geschält haben. Vielleicht schafft man im Lockdown doch alles in kürzerer Zeit.

Coronatagebuch Tag #58

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Waldspaziergang mitten in der Woche. Egal wie lange.

Montag ist Kopiertag. Mittwoch ist Klaviertag. Freitag ist Abliefertag. Samstag ist Aufräumtag und Markttag. Sonntag ist Gottesdiensttag und meistens auch Ausflugtag.

Von Montag bis Freitag gilt von 9 bis 15 Uhr Lernzeit, mit egal wie vielen Pausen zwischendurch. Danach spielen die Kinder draußen mit den Nachbarskindern bis sie zum Abendessen wieder in der Küche stehen.

Die Woche hat eine Minimalstruktur.

Die Struktur ist genau richtig, um die Motivation zum Aufstehen und Lernen hochzuhalten. Vor allem die Zehnjährige hat da ihren vom Unterricht vorgegebenen Takt. Wir anderen platzieren unsere Tasks zwischendurch: Mal steht eine größere Einkaufstour an, mal ist Hausputz angesagt, mal gibt es Lohnarbeit für einen ganzen Vor- oder Nachmittag, mal schnappen wir uns die kleinen Geschwister und gehen für ein paar Stunden zusammen in den Wald.

Die Tage sind lang.

Aber auch die Nächte. Von 21 bis 7 Uhr herrscht Ruhe im Haus. Seit die Minimalstruktur vorherrscht, sind die Kinder abends schläfrig und entspannt und schlafen auch fast immer durch. Das sind 10 Stunden ohne Kinder, von denen ich einige dazu nutze, um auch mal nützliche Dinge gar nichts zu tun, ein wenig aufzuräumen oder mich im Internet umzusehen.

Heute war ein Samstag.

Das heißt Aufräumtag. Am Ende war alles so ordentlich, dass es mir leid tat, jetzt mit Kochen anzufangen. Daher holte ich Bargeld und Essen vom Döner.

Nach dem Mittagessen war es schon fast 15 Uhr. Wir brachen auf, unsere besten Freunde wiederzusehen. Zum ersten Mal wollten wir alle den Nachmittag zusammen verbringen. Drinnen und ohne Sicherheitsabstand. Das war kurz komisch, aber nach fünf Minuten nicht mehr. Die Kinder, vor allem die Jüngsten, waren durch das Wiedersehen merklich entspannter als sonst. Wobei sie ja auch sonst entspannt sind. Aber sie kehrten mühelos ihre besseren Seiten hervor, hatten Freude am Spielen, Freude am Essen und mussten viel weniger ermahnt werden.

In Addition unternahmen wir einen Spaziergang über die Felder. Über uns die Lerchen, am Horizont die Saftfabrik. In Sichtweite der Kinder Misthaufen und große Hunde, die über die Felder jagten. Sogar ein gemeinsames Abendessen trauten wir uns im Anschluss zusammen einzunehmen.

Die letzten Wochen

Ein bisschen wehmütig fuhren wir nach Hause. Die Dämmerung kam gegen halb 10. Luft und Boden waren nach dem fast regenfreien Frühjahr so trocken wie im August. Das Gras war versengt. Es gab Risse im Boden, auch unter Bäumen, da wo immer Schatten war.

Die kommende Woche wird die vorerst letzte mit wenig Struktur sein. Danach beginnt wieder der Kindergarten. Unter was für Bedingungen auch immer. Wir haben uns an unseren langsamen Alltag so gewöhnt, dass ich mir kaum vorstellen kann, die Kinder für länger als vier Stunden nicht zu sehen.

Daher fühlte sich diese Abenddämmerung so an wie die letzte Woche im August. Es war dasselbe Gefühl wie in der letzten Ferienwoche, bevor die Schule wieder losgeht. Die Angst davor, dass einem unweigerlich viele Freiheiten wieder genommen werden, die man gerade erst erhalten hat. Und die lächerliche Hoffnung darauf, dass man sich einige der Freiheiten einfach in die kommende, arbeits- und entbehrungsreiche Zeit hinüberretten wird.

Coronatagebuch Tag #56

Wir gehen auf den wiedereröffneten Spieplatz. Dort sehe ich auf einen Blick drei Familien (komplett oder in Teilen) wieder. Mehrere Familien dürfen sich hier gleichzeitig treffen und unbegrenzt lange miteinander reden (nur nicht essen), die Kinder dürfen solange unbegrenzt lange spielen. Was auf der Straße nicht erlaubt ist, geht innerhalb der Spielplatzumzänung sehr wohl.

Wenn wir Hunger haben, verlassen wir den Spielplatz kurz, setzen uns einen Mundschutz auf und holen Eis, Schokocroissant oder Döner aus einem der umliegenden Läden (das geht natürlich aufs Kleingeld, der die letzten 8 Wochen zu Hause in der Schublade schlummerte).

Gesnackt wird wenige Meter vor dem Tor zum Spielplatz, danach können die Kinder wieder rein und weiterspielen.

Ein bisschen anders als sonst ist, dass mehr Väter bzw. komplette Familien an einem Donnerstagvormittag zugegen sind. Die Väter haben in letzter Zeit keinen Friseur mehr aufgesucht und tragen die Haare wie Christian Drosten.

Ich komme mir vor wie in einem Spiel. Oder in einem Spiel im Spiel. Oder in einem Spiel in einem Spiel in einem Spiel. Eigentlich spiele ich, dass ich zwischen Geburt und Tod irgendwie klarkomme. Darin gibt es einen Quest, der nennt sich Corona 2020. Innerhalb des Quests gibt es noch die Sonderaufgabe „Spielplatzbesuch“. Oder so.

Die Kinder denken sich gar nichts, sondern genießen es einfach, dass jetzt wieder Zeit und Raum für etwas anderes ist.

Coronatagebuch Tag #55

Ich überlege schwer, mit dem Coronatagebuch wieder aufzuhören.

Nächste Woche sind wieder reguläre Kinderarzttermine. Und die Literaturgruppe trifft sich wieder, in echt. Ich habe immer noch keinen vorzeigbaren Text dafür geschrieben.

Ab heute haben die Spielplätze wieder offen. Und man darf sich – anscheinend unverzüglich – draußen wieder mit mehr als einer Person treffen. Also können ab jetzt zwei „Hausstände“ zusammen spazierengehen.

Unser Nachbarskind geht ab dem 11. Mai wegen Systemrelevanz wieder in die Kita. Bisher haben ihre Eltern sich mit den Schichtplänen abgewechselt bzw. waren selbst krankgeschrieben oder in Urlaub. Auch alle anderen Kindergartenkinder dürfen ab dem 18. Mai irgendwie wieder in den Kindergarten. Aber nur in kleinen Gruppen, die sich dann irgendwie abwechseln. 

Von politischer Seite ist seit heute auch geklärt, dass jedes Kind vor den Sommerferien irgendwie nochmal die Schule von innen gesehen haben soll. Das bedeutet für die meisten Kinder, dass die Schule für sie am 15. Juni wieder beginnt. Die Klassen dürfen nur abwechselnd im Schulgebäude sein, müssen in kleinen Gruppen unterrichtet werden und Lehrer der Risikogruppe bleiben weiterhin zu Hause. Das ergibt unterm Strich etwa drei Stunden Unterricht pro Tag. Der Rest wird weiterhin zu Hause erledigt. Im entsprechenden Beitrag auf der Seite unseres Bundeslandes heißt es: „So haben alle Schülerinnen und Schüler bis Schuljahresende noch mindestens zwei Schulwochen Präsenzunterricht an der Schule.“ Das hat sich dann ja gelohnt.

Auch alle Cafés, Restaurants und Ferienhäuser/ Hotels sollen im Lauf des Monats Mai wieder öffnen. Ins Ausland darf man dann wohl kaum. Aber pünktlich zu den Pfingstferien steht dann innerdeutscher Urlaub an. Also vielleicht. Wenn man in Hotels tatsächlich auch übernachten darf. Und auch einfach so Freunde oder Verwandte besuchen. Vielleicht sogar in Berlin? Das wünscht sich unser Fast-Schulkind schon lange.

Vielleicht kann das Kind im Juli sogar ganz normal Geburtstag feiern. Wie das genau aussehen soll, nachdem der Kontakt zu fast allen Kindergartenkindern abgebrochen ist, weiß ich nicht. Aber so oder so wird es im September einen ersten Schultag geben. Und einen Schulranzen und eine Schultüte. In welchem Rahmen auch immer wir dann Einschulung feiern.

Coronatagebuch Tag #54

Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

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Diese Frage stellte Bloggerkollegin Frau Brüllen vor ungefähr 27 Millionen Jahren. Also noch vor Corona. Die Frage soll immer am 5. eines Monats inklusive Hashtag #wmdedgt in einem Blogeintrag beantwortet werden.

Mittlerweile ist es so, dass sich nicht nur eine Handvoll Realos diese Frage stellen, die es begrüßen, dass ihr Alltag langweilig ist (äh – so wie ich). Nein, gerade stellen sich alle Menschen die Frage, was mache ich hier eigentlich die ganze Zeit. Und das auch noch 24/7 und in Echtzeit.

Dabei entstehen recht absurde Ideen. Wie z.B. die, dass es kein Virus gäbe, wir umsonst eingesperrt würden, weil uns jemand (ein Computererfinder und Gesundheitsmogul etwa) gefügig machen wollte. Weil das für sich genommen noch ziemlich langweilig ist, so über seine Lage herumzuphilosophieren, kann man jetzt auch jenseits der einschlägigen Onlineforen aktiv werden. Auf verbotene Demos gehen. Parteimitglied werden (in einer Gruppierung, die die Regierung absetzen will). Oder in den bewaffneten Untergrund gehen, wie es der Koch mit Kochshow unlängst verkündete.

5. Mai 2020

Der Tag beginnt wie jeder Homeschooling-Tag. Vater und Tochter stehen zwischen halb 8 und halb 9 auf. Beide haben letzte Woche neue Geräte bekommen. Ein neuer Laptop im Haus Landfamilie war überfällig. Und die Tochter hat ein Schul-iPad geliehen.

Seither habe ich meinen Laptop wieder für mich. Könnte eigentlich 24/7 arbeiten. Geht aber heute schlecht. Ging auch gestern schlecht. Wird auch morgen nur solala gehen. Die Schule in diesem Haus geht vor.

Die beiden Kindergartenkinder des Hauses bemerken es sofort, wenn sie nicht im Fokus stehen. Sie werfen sich auf den Boden; wenn man sie anspricht, antworten sie nicht, sondern beschweren sich über alles Mögliche. Spielzeug wird durchs ganze Haus geschleppt und natürlich wird nur in höchster Lautstärke gespielt.

10:25 Uhr. Ich habe mich ins Heimbüro geschlichen. Erstmal Brief ans Finanzamt tippen und diverse Geräte-Reparatur-Services anrufen und Zeug reklamieren. Ich plane einen Ausflug zur Stadtbücherei, mit Umweg über Handy- und Laptopreparaturservice. Ich lese E-Mails und korrigiere einen Text. Die Kinder wollen, dass ich ihre Puppe frisiere. Sie streifen sich alle Haargummis, die sie finden können, über die Handgelenke. Sieht nach einem neuen Trend aus. Mangels Festivalarmbänder diesen Sommer.

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Dann stelle ich Albas tägliche Sportstunde an. Die Kinder sind nicht so begeistert, machen aber brav mit.

12:15. Abzüglich wievieler Minuten? habe ich heute eine Stunde gearbeitet, beschließe ich. Schreibe ich auf. Das alles funktioniert nur, weil glücklicherweise Deadlines und Termine verschoben wurden. Weil ich eh in Projekten arbeite, bei denen es unterm Strich meine Sache ist, wie lange ich brauche. Und weil das Arbeitsamt länger zahlt. Und weil es trotz allem immer noch Jobs gibt, mit denen ich vom ALG wegzukommen gedenke.

13:00 Es gibt Mittagessen. Danach muss der Lehrer sofort wieder in sein Büro. Die Kinder üben Zaubertricks: „Mama, mach mal die Augen zu…!“

Zwischen 14 und 15 Uhr ist das Schulkind normalerweise fertig. So auch heute. Wir haben unseren „Kreis“ um eine neue Familie alte Freunde erweitert. Seither treffen sich die Kinder jeden Tag. Helm auf, Mundschutz auf, schon ist die Tochter auf dem Weg zur Haltestelle.

15:00 Der Mann hat eine Videokonferenz. Wir hauen lieber ab. Wir bringen Bücher zur Stadtbücherei, essen ein Eis und kaufen dem Sohn einen Fahrradhelm. Er trägt ausschließlich gebrauchte Sachen. Auch sein Fahrrad ist mehrfach gebraucht. Was ganz Neues an ihm zu sehen, kommt einer Premiere gleich. Ich habe extra viel Geld auf dem Konto, weil ich die letzten zwei Monate so gut wie nichts gekauft habe. Auf eine sehr große Wirtschaftskrise würde ich jedenfalls nicht wetten.

Funfact: Seit Mundschutz in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr Pflicht ist, tragen viel weniger Menschen das Stück Stoff freiwillig auf der Straße oder beim Fahrradfahren. Überhaupt finde ich, es fühlt sich gar nicht mehr nach Corona an. Die Sonne scheint immer noch hell, aber nicht mehr apokalyptisch. Es gibt auch Zwischentöne. Zum Beispiel haben alle Geschäfte auf, nur die Cafés sind verrammelt. Das Stadtleben fühlt sich dadurch mehr nach Landleben an. Man geht halt nur zum Einkaufen raus, lungert nicht an einem place to be mit free wifi auf Palettenholzmöbeln herum. Keiner bleibt sitzen, stehen, liegen, keine Gruppen quatschen, rauchen, lachen. Stattdessen stehen Leute in Schlangen vor dem ein oder anderen Geschäft. Insgesamt wirken alle sehr bodenständig.

Das Eis schmeckt nicht. Eigentlich meine Lieblingssorte. Aber was man mit Mundschutz auf den Lippen auswählt, schmeckt auch danach nach Papier. Für euch getestet.

Nach dem Eis geht es in die Stadtbücherei. Wer einen Mundschutz aufhat und eine Büchereikarte dabei, darf sich erst an einem Spender desinfizieren und dann immer den Pfeilen folgen. Über Umwege betritt man den Buchbereich, aber nicht ohne pro Person einen Streifen Papier zu bekomen, den man die ganze Zeit in der Hand hält und am Ausgang zurück in einen Korb wirft. Es fühlt sich ein bisschen an wie Schnitzeljagd.

Oh Mann, die halbe Welt hat einen hübscheren Mundschutz als ich. Frust!!! Besser bleibe ich ab jetzt zu Hause. Also bis der urbandoo (ist immer noch keine Werbung) da ist. Seufz. Die Kinder haben Yakari, Lucky Luke und Wormworld ausgesucht. Ich nehme Marianengraben mit. Auch wenn mir gar nicht nach etwas Traurigem ist.

18:00 Mann, der Junge sieht mit dem gelben Helm toll aus. Wahrscheinlich bin ich verblendet. Schließlich ist er mein Sohn und er sähe in jedem gutsitzenden Helm toll aus. Ich fahre den ganzen Heimweg hinter dem gelben Helm her und denke zum ersten Mal, dass er jetzt emdgültig groß ist und eigentlich nicht noch größer werden muss. Was Eltern eben so denken.

Abends gibt es Brot mit wahlweise Knoblauchraukensoße, Tomatenmark oder Käse. Ein bisschen wird aufgeräumt. Gelesen und gebloggt. Ich freue mich sehr auf morgen. Unsere Nachbarin hat angerufen und Kindertausch angeboten. Wir haben dann drei Kindergartenkinder von 9-12 bei ihr und von 12-15 Uhr bei uns. Das hat sich bewährt. Dann kann ich morgen vielleicht eine Bewerbung schreiben. Mal sehen.

Coronatagebuch Tag #53

Letztens redete ich mit jemandem, der sagte mit, er sei prinzipiell immer für Konsens. Er sähe immer das Verbindende und nicht das Trennende. Er würde sich daher auch niemals mit anderen streiten, sagte er.

Philosophie in Zeiten von Corona

So könne es durchaus sein, dass es Corona gar nicht gibt. Doch es könne ebensogut sein, dass es existiert. Man kann sich da nicht so festlegen. Es könne doch sein, dass es stimmt, die Bundesrepublik sei nicht Deutschland. Andererseits ist Deutschland die Bundesrepublik. Meistens jedenfalls.

Es könne schon sein, dass Chefideologe Chefvirologe Drosten immer recht hat in allem, was er sagt. Er könne sich allerdings auch mal irren. Genausogut kann auch mal Streeck recht haben. Oder Wodarg. Oder keiner von ihnen. Oder jemand ganz anderes. Mal so, mal so.

Die Masken schützen uns unter manchen Umständen. Unter anderen eben nicht. Die Lockerungen, auf die wir gerade warten, könnten durchaus viel zu früh und überstürzt sein. Schließlich könnte es sich im ein Virus handeln, das sehr gefährlich ist, so ansteckend wie Schweinegrippe und so tödlich wie Vogelgrippe zusammen. Vielleicht sind die Lockerungen aber auch längst überfällig und hätten schon viel früher stattfinden müssen! Denn es könnte sich durchaus auch um eine harmlose Grippe handeln, und unsere boomende Wirtschaft ist ganz umsonst zwangsstillgelegt worden. Wer weiß.

Es könne schon sein, dass das Virus gezielt freigelassen wurde, um einem Machthaber oder einer Firma zu dienen. Es könne aber auch sein, dass es ganz zufällig entstanden ist. Es könne schon sein, dass das Virus dafür genutzt wird, das Bargeld abzuschaffen, das Internet auszubauen und die Impfpflicht einzuführen. Andererseits wäre das sowieso passiert.

Die Flugzeuge am Himmel, doch doch, sie versprühen hin und wieder auch mal Chemtrails. Dann wieder versprühen sie nichts. Dann wieder, an ganz seltenen Tagen, versprühen sie Gold. Ausgeschlossen ist es nicht. Sie fliegen über der Erde, die auch mal flach sein kann. An manchen Tagen. Dann ist sie wieder rund. Oder ein Oktaeder. Mal so, mal so.

Könnte doch sein.

Coronatagebuch Tag #52

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Aufbackbrötchen, Nutella, Zoom-Kinderbibelstunde, YouTube-Live-Gottesdienst. Wir erfahren, dass unsere Kirche nicht öffnet. Noch nicht. Darüber bin ich sehr erleichtert. Bei dem Gedanken, alle Leute, auch Freunde und Bekannte, nur mit Mundschutz und 1,5 Metern Abstand (ohne Händeschütteln, ohne Umarmen!) zu begrüßen, immer zwei Stühle Abstand zu halten und nicht mehr singen zu dürfen, wird mir schlecht.

Aufräumen, Aufräumen, Aufräumen.

Wir entdecken dabei (nachdem wir schon über ein halbes Jahr in dem Haus wohnen) zum ersten Mal den winzigen Dachboden.

Weiter aufräumen. Schul-iPad für morgen konfigurieren. Der IT-Lehrer richtet die notwendigen Apps von fern ein. Wohlgemerkt an einem Sonntag.

Kochen, essen, Siedler spielen, Klettern gehen im Wald, am Brunnen spielen im Wald, Knoblauchrauke mitnehmen (von LandLebenBlog empfohlen), leider keine Bilder machen.

Merke: Wenn die üblichen Orte wie Spielplätze und die Wiesen am Fluss gesperrt sind, nehmen die Kinder eben ein Seil und klettern damit zwischen den Bäumen die Felsen hoch. Begleitet vom Duft einer kleinen Kifferrunde, die sich in 1,50 bis 15 Metern Entfernung davon getroffen hat.

Zu Hause weihen wir die neue Feuerschale ein. Mit Würstchen, Knoblauchrauken-Brot und Bier.

Keine neue Infektion mehr in Island – ein Genforschungs-Institut und eine Tracing App haben die Krankheit dort anscheinend zum Erliegen gebracht. In Deutschland steht die Frage im Raum, ob Menschen, die früher eine Lebendimpfung mit TBC erhalten haben, möglicherweise auch gegen die neue Krankheit immun sind. In Spanien dürfen die Menschen seit sieben Wochen zum ersten Mal wieder raus. Der Premier Großbritanniens hat die Krankheit persönlich überstanden und benennt sein Kind theatralisch nach seinen Notärzten.

Über 3,5 Millionen weltweit haben sich in dem letzten knappen halben Jahr nachweislich angesteckt. Knapp 250.000 sind gestorben. In Deutschland sind es über 165.000 Infizierte, damit liegt Deutschland vergleichweise ziemlich weit vorne, aber es sind gibt nur 6845 Tote, was sehr wenig ist.

Coronatagebuch Tag #51

Die mehr als nur erträgliche Leichtigkeit des Seins

Familieninterner Gastbeitrag

Ich lebe meinen Traum. Ich stehe auf, wenn ich wach genug dazu bin. Ich habe ein ausgiebiges, abwechslungsreiches und langes Frühstück. Ich teile mir meinen Tag ein, wie ich Lust habe. Ich mache was ich will, wann ich will, wie ich es will. Früher hatte ich immer so viele unerfüllte Pläne, Träume, Projekte. Jetzt habe ich Zeit, einiges von dem zu verwirklichen, das schon so lange auf meiner Liste steht.

Ich lege einen Garten auf dem Grundstück an, das wir uns letztes Jahr gekauft haben. Das Wetter dafür ist traumhaft. Ich habe genug Zeit, mich in Permakultur Gardening einzulesen. Ich habe genug Zeit, unterschiedliche Pläne für den Garten zu entwerfen, zu vergleichen und mich mit meiner Familie und Freunden für einen zu entscheiden. Ich habe einen sehr guten Freund, der mir mit leidenschaftlichem Einsatz dabei hilft.

Ich mache unglaublich viel Musik, vielleicht mehr als in den letzten paar Jahren zusammen. Musik ist seit Teenagerzeiten meine Leidenschaft. Das ist auch jetzt noch so. Yeah! Ich fühle mich wohl mit dem, was ich musikalisch abliefere. Mein Gesang entwickelt sich in eine Richtung, die ich gut finde. Der Krampf in meiner linken Hand, den ich seit drei Jahren beim Gitarrespielen spüre, merke ich nicht mehr. Ich bin dem Aufbau eines kleinen Heimstudios – mein Traum seit Jahrzehnten –  jetzt ein Stück näher gekommen. Ich mache viel mehr Sport. Ich fühle mich so fit und trainiert, wie ich es nur selten vorher war, was auch am Garten liegt.

Diese Zeit ist ein Geschenk an mich!

Ich kann mich um die Entwicklung meiner Persönlichkeit kümmern bzw. wenigstens ein Coaching organisieren, um meine Organisationsprobleme auf die Reihe zu kriegen. Ich wollte das schon so lange machen. Immer rauschte die Zeit an mir vorbei, jetzt ist die Stunde, die mir gehört.

Meine Kinder sind immer da. Ich kann sie immer sehen und mich an ihnen erfreuen. Der beunruhigende und Energie raubende Gedanke, dass sie negative Erlebnisse und Einflüsse in Kindergarten und Schule erfahren könnten, ist ausgetilgt. Sie starten fröhlich in ihren Tag und verfolgen – ungestört von den Dysfunktionalistäten der pädagogischebn Einrichtungen – ihre Ziele. Sie haben sich unglaublich weiterentwickelt: Die 10-jährige hat Sprünge beim Lesen, ihren Computer-Skills und beim Klavierspielen und vor allem bei der Motivation und Selbstorganisationm gemacht. Der 5-jährige rechnet und schreibt munter drauflos und malt die Welt detailgetreu mit Buntstiftren in seinen Zeichenblock. Allerdings: Die 4-jährige hat irgendwie eine Entwicklungsphase, in der sie ständig müde ist und ihre Rolle sucht. Ab und zu ist ihr langweilig. Aber sie spielt auch oft mit ihren Geschwistern. Alle drei verstehen sich im Moment ziemlich gut.

Wir sind ausgeglichen. Wir verpassen nichts. Wir müssen niemanden treffen und mit niemandem kommunizieren. Niemand auf der Welt erlebt gerade irgendetwas, von dem wir wissen, dass wir es auch erleben wollen. Niemand verkauft etwas, das wir haben wollen. Unser Leben hat Elemente von dem, wie ich mir die Glückseligkeit vorstelle.

Wir genügen uns selbst. Zumindest sind alle Bedürfnisse, die ich habe, im Hier und Jetzt erfüllbar. Die jetzt unerfüllbaren Dinge wie Reisen oder Ausgehen hätten in diesen Wochen auch so kaum stattgefunden. Wie denn, als voll berufstätiger Vater von drei Kindern?

Soundtrack zu meinem aktuellen Zustand: Die Sterne: Du musst gar nix

Ich weiß: Wir sind die glücklichsten Menschen dieser Erde. Wir haben alles, was wir zum Leben brauchen und noch hundertmal mehr. Vielen Familien geht es nicht so gut, müssen diese Zeit in engen Wohnungen und unwirtlichen Stadtteilen verbringen ohne auf Spiel- und Sportplätze ausweichen zu können.

Viele Menschen sind allein und haben niemanden. Verlieren ihren Job, sind in Kurzarbeit, wissen nicht wie es in Zukunft weitergeht. Sind häuslicher Gewalt ausgesetzt. Andere werden schrecklich krank oder sterben sogar. Manche wollen ihren Schul- oder Universitätsabschluss machen und ins Leben starten, mit ihrem Start-up vorankommen, Musik und Kunst präsentieren und werden jetzt dramatisch ausgebremst.

Für all diese Menschen will ich, dass es aufhört. Für mich selbst und meine Familie kann ich gut und gerne noch ein bisschen durchhalten. #stayhomeyeah

Coronatagebuch Tag #50

Heute ist ein Feiertag.

An Feiertagen gehen die Leute ohne Masken auf die Straße. So viel weiß ich schon von den letzten Sonntagen. Das entspannt. Das tut gut zu wissen, dass da jetzt niemand mit Maske draußen rumläuft. Auch wenn man wegen Regen und Gewitter sowieso nicht raus will.

1. Mai: Demos gegen die Pandemie

In Berlin gab es trotz stark eingeschränkten Versammlungsverbots Demonstrationen. Masken aufsetzen und rausgehen – in Gruppen. Ja, tatsächlich. Linke bzw. autonome Gruppe bekamen diesmal Verstärkung von Pandemie-Ablehnern („Hygiene-Demo“), die mit den aktuellen Regulierungen der Regierung nicht einverstanden sind und mit vielem anderem auch nicht. Sie wollen, dass die Pandemie aufhört und behaupten daher, es gebe keine.

Abends dann in den Nachrichten: eine vermummte Gruppe hat ein ZDF-Kamerateam angegriffen und vier von sieben Personen krankenhausreif geprügelt.

Und: In Michigan stürmen Bewaffnete, aufgewiegelt vom US-Präsidenten, das Parlament. Sie wollen sofortige Lockerungen, angeblich wieder zur Arbeit oder einfach nur die Pandemie scheiße finden.

Wir bleiben zu Hause.

Heute lernt die große Tochter den Beat zu „Revolution“ auf dem Schlagzeug. Der Sohn baut die ISS nach. Die kleine Tochter bastelt ein Memory. Die Kinder sprudeln vor Energie. Vermutlich bekommt man das bei Regen eher mit, weil alles im Haus geschieht. Aber ich liebe es, dass wir drinnen bleiben dürfen. Nicht müssen. Aber dürfen. Für das tägliche Familienmanagement ist so eine Pandemie wirklich das beste. Jeder Tag läuft gleich ab. Um Aufgaben außerhalb des Hauses wahrzunehmen, müssen wir das Haus nicht verlassen, sondern nur den Bildschirm anmachen. Die Kinder bewegen sich ebenfalls in einem sehr kleinen Radius. Aber das schadet ihnen offenbar nicht.

Ab Montag haben die Spielplätze wieder offen.

Ich stelle mir die Spielplätze so gruselig vor, dass ich beschlossen habe, den Kindern diese gute Nachricht nicht zu verkünden.

Am Tor ein Wärter, der dieses nur öffnet, wenn eine Familie den Spielplatz wieder verlässt. Der jedem Eintretenden aus 1,50m Abstand die Hände mit einem Desinfektionsspray einsprüht. Eltern, die – mit Mundschutz und ganz ans Ende von Bänken gerückt sitzend – ihre Kinder zurechtweisen: „Maximilian! Da darf nur einer drauf!“ – „Emilia! In die Armbeuge!“ usw.

Vielleicht wird es auch eine App geben, über die man sich ein Zeitfenster auf dem Spielplatz reserviert. Montag, 11. Mai, 15:00 bis 15:30. Am Eingang wird dann der QR-Code eingescannt, der auf deinem Gerät gespeichert wurde. So wie es jetzt in China gemacht wird. Muss zugeben, da wäre ein implantierter Chip die einfachere Lösung.

Oder das hier:

 

Coronatagebuch Tag #49

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Kinderkunst: Schiff aus Gipskarton

#Coronart

Vor lauter Langeweile machen wir Kunst.

Nee, langweilig ist uns nicht. Aber es ist so viel Zeit in der Pipeline. Wir können schon das ganze NEINhorn auswendig und führen das demnächst als Theaterstück auf. Im Livestream. Via Zoom oder so.

Die Tochter schreibt vor lauter fehlender Ablenkung ihre Deutsch-Aufsätze schon ganz sauber und fehlerfrei. Sogar die Fleißaufgabe für die Alten im Altenheim. Dann legt sie den Füller hin und geht wortlos in die Werkstatt, nimmt eine Säge und Gipskarton und baut sich ein Schiff.

Währenddessen schreiben wir die Partitur von Eleanor Rigby nach Gehör auf. (Es gibt jetzt nämlich für Eingeweihte einen Instagram-Account, auf dem jeden Abend ein Beatles-Song gelauncht werden muss. Da kommt man kaum hinterher.)

Vorgestern konnte ich nachts nicht ins Bett gehen, weil ich eine Kurzgeschichte für 1000zeichen fertigkriegen musste. Seither schaue ich jeden Tag nach, ob sie schon online ist. Oder ob sie vielleicht nie online geht, weil sie zu schlecht ist. Aber auch das will ich dann ja wissen.

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Kinderkunst: Lehmfiguren