Coronatagebuch Tag #50

Heute ist ein Feiertag.

An Feiertagen gehen die Leute ohne Masken auf die Straße. So viel weiß ich schon von den letzten Sonntagen. Das entspannt. Das tut gut zu wissen, dass da jetzt niemand mit Maske draußen rumläuft. Auch wenn man wegen Regen und Gewitter sowieso nicht raus will.

1. Mai: Demos gegen die Pandemie

In Berlin gab es trotz stark eingeschränkten Versammlungsverbots Demonstrationen. Masken aufsetzen und rausgehen – in Gruppen. Ja, tatsächlich. Linke bzw. autonome Gruppe bekamen diesmal Verstärkung von Pandemie-Ablehnern („Hygiene-Demo“), die mit den aktuellen Regulierungen der Regierung nicht einverstanden sind und mit vielem anderem auch nicht. Sie wollen, dass die Pandemie aufhört und behaupten daher, es gebe keine.

Abends dann in den Nachrichten: eine vermummte Gruppe hat ein ZDF-Kamerateam angegriffen und vier von sieben Personen krankenhausreif geprügelt.

Und: In Michigan stürmen Bewaffnete, aufgewiegelt vom US-Präsidenten, das Parlament. Sie wollen sofortige Lockerungen, angeblich wieder zur Arbeit oder einfach nur die Pandemie scheiße finden.

Wir bleiben zu Hause.

Heute lernt die große Tochter den Beat zu „Revolution“ auf dem Schlagzeug. Der Sohn baut die ISS nach. Die kleine Tochter bastelt ein Memory. Die Kinder sprudeln vor Energie. Vermutlich bekommt man das bei Regen eher mit, weil alles im Haus geschieht. Aber ich liebe es, dass wir drinnen bleiben dürfen. Nicht müssen. Aber dürfen. Für das tägliche Familienmanagement ist so eine Pandemie wirklich das beste. Jeder Tag läuft gleich ab. Um Aufgaben außerhalb des Hauses wahrzunehmen, müssen wir das Haus nicht verlassen, sondern nur den Bildschirm anmachen. Die Kinder bewegen sich ebenfalls in einem sehr kleinen Radius. Aber das schadet ihnen offenbar nicht.

Ab Montag haben die Spielplätze wieder offen.

Ich stelle mir die Spielplätze so gruselig vor, dass ich beschlossen habe, den Kindern diese gute Nachricht nicht zu verkünden.

Am Tor ein Wärter, der dieses nur öffnet, wenn eine Familie den Spielplatz wieder verlässt. Der jedem Eintretenden aus 1,50m Abstand die Hände mit einem Desinfektionsspray einsprüht. Eltern, die – mit Mundschutz und ganz ans Ende von Bänken gerückt sitzend – ihre Kinder zurechtweisen: „Maximilian! Da darf nur einer drauf!“ – „Emilia! In die Armbeuge!“ usw.

Vielleicht wird es auch eine App geben, über die man sich ein Zeitfenster auf dem Spielplatz reserviert. Montag, 11. Mai, 15:00 bis 15:30. Am Eingang wird dann der QR-Code eingescannt, der auf deinem Gerät gespeichert wurde. So wie es jetzt in China gemacht wird. Muss zugeben, da wäre ein implantierter Chip die einfachere Lösung.

Oder das hier: