Blogparade Mutter-Kind-Kur – Auswertung

Vielen Dank, dass Ihr bei der Blogparade  zur Mutter-Kind-Kur teilgenommen habt! Das hat mich total gefreut.

Eines vorweg: 8 der 13 Beiträge waren eindeutig positiv, zwei fielen negativ aus und drei Beiträge verbuche ich unter „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“.

Mithilfe Eurer Beiträge habe ich eine ganze Menge nützlicher Tipps für künftige Mutter-Kind-Kuren gesammelt rund um die Antragstellung, Packliste, Rechtliches.

Eure Gründe, eine Kur anzutreten, Eure Erwartungshaltung, Euer Durchhaltevermögen bei Durststrecken (wie Einsamkeit) sind insgesamt sehr unterschiedlich. Auch das Angebot in den Kliniken unterscheidet sich teilweise wie Tag und Nacht.

Doch einige Erkenntnisse ziehen sich durch (fast) alle Eure Berichte. Kurz zusammengefasst:

  1. Nicht mit zu kleinen Kindern auf Kur fahren (Stichwort Eingewöhnung in der Kur-Kita)
  2. Nicht schwanger auf Kur fahren (wenn man die Kurse alle mitmachen möchte)
  3. Jeder hat bei der Kurklinik freie Wahl, die Wunsch-Klinik muss jedoch häufig mit Bestimmtheit gegenüber der Krankenkasse durchgesetzt werden
  4. Die Ärzte und Therapeuten vor Ort müssen manches Mal überredet werden, die passenden Anwendungen / Kurse zu verschreiben oder überhaupt zuzuhören
  5. Nicht zu viel von den Behandlungen erwarten und die Kur am besten als „Urlaub vom Alltag“ genießen

Da kann ich nur sagen: Hätte ich das alles mal vorher gewusst.

Wer jetzt noch Zeit und Lust oder das Bedürfnis hat, sich weiter ins Thema Mutter-Kind-Kur einzulesen, dem möchte ich die Berichte nicht länger vorenthalten. Weiter im Text!

PRO

Allerlei Themen (Petra): Eine Erholung war es. Aber: Nicht mit (zu) kleinen Kindern! Und: Ein Ratgeber

Petra (war in Boltenhagen an der Ostsee) hat einen lesenswerten Ratgeber zusammengestellt. Auf was sollte man achten, bevor man in die Kur fährt? Was muss ich im Vorfeld wissen? Wie viel kostet eine Kur? Werde ich als Arbeitnehmer weiterhin bezahlt?

Petra schreibt, eine Kur mit kleinen Kindern sollte man nur machen, wenn man sie auch (gerne) in fremde Hände geben möchte. Eine Eingewöhnungszeit gibt es im Kur-Kindergarten nicht.

Petra ist zufällig an ihre Kurklinik „geraten“ und war mit der Einrichtung sehr zufrieden.

Was hat Petra aus ihrer Kur mitgenommen:

„3 Wochen nicht putzen, einkaufen oder kochen: Super Erholung! Genau das wollte ich (…) Ich weiß jetzt: Ich schaffe auch 8 Stunden Zugfahren mit meinem Kind, ich habe Freunde, denen ich vertrauen kann UND ich werde zu Hause vermisst!“


Ein Haufen Liebe (Sandy): Rundum zufrieden

Auch Sandy war mit ihrer Kurklinik (auf Rügen) sehr zufrieden. Sie hatte die Klinik im Vorfeld selbst ausgesucht.

Was Sandy aus ihrer Kur mitnimmt:

– meine Familie ist mir das wichtigste und die geb ich nie mehr her
– ich habe tolle, für ihr Alter recht selbstständige Kinder, auf die ich mich verlassen kann
– ich mache schon viel “ richtig“ in unserer Erziehung und den Rest lerne ich nach und nach
– es ist egal, was andere denken (an dem Punkt arbeite ich noch weiter)


Tulpentopf (Tina): Die kleinen Dinge wieder schätzen lernen

Tina (sie war in der Ostseeklinik Zingst in Boltenhagen) zieht ein Jahr später Bilanz. Ihre Kinder erinnern sich noch gut an die Zirkusnummer, die sie ihren Müttern vorgeführt haben. Aktivitäten wie Weben, Trommeln, Stockkampf haben den Kindern – und ihrer Mutter – gezeigt, wie sie sich im Alltag entspannen können. Zu Hause setzt die Familie dieses „an nichts anderes denken (können) und Spaß dabei (haben)“ u.a. beim gemeinsamen Lego-Bauen und Ausmalen um.

Zwei von drei größeren Schritten, die Tina in ihrem Leben gehen wollte, hat sie seit der Kur schon geschafft: Sie hat die Arbeit im Vereinsvorstand abgeben können und ein Studium begonnen.

Vor der Kur hat Tina sich oft geärgert, wenn sie mal „nichts“ oder „nichts Sinnvolles“ machte. Mit der Kur hat sich ihr Fokus verändert. Ihr Fazit:

„Ich habe gelernt, geduldiger zu sein. Mit mir, mit meinen Plänen, mit den kleinen Dingen. Ich kann mit Langeweile umgehen und wertschätzen, was mir gut tut.“

Interessant sind aber auch Tinas Erfahrungen, den sie bereits direkt im Anschluss an die Kur im Blog festhielt. Hier schrieb sie u.a.: „Du wirst während der Kur nicht von dem geheilt, was du an Leiden mitgebracht hast. Mit ein bisschen Pech wird dieses Leiden nämlich gar nicht erst behandelt oder vielleicht ein einziges Mal besprochen.“ Auch Tinas Kinder kamen um Magen-Darm nicht herum. Insgesamt ist eine Kur sowieso erst was für Kinder ab 5, findet Tina.


Schnuppismama: Info-Blog rund um die Kur in Norddeich

Schnuppismama (Haus ReGenesa in Norddeich) hat ihre Organisation rund um die Kur umfassend beschrieben. So gibt sie bereits Tipps zur Antragstellung.

Wer wie Schnuppismama im Haus ReGenesa in Norddeich zu kuren gedenkt, kann gerne in die Infos rund ums Packen, Parken, Waschen, Zimmeraufteilung, Essen, Qualität und Quantität der Kinderbetreuung etc. reinlesen. Sie beschreibt auch, welche Verordnungen man bekommt und wie der Therapieplan vor Ort aussieht.

Zwischendurch einfach mal „nichts tun“ tat ihr gut. Schön war es auch, einfach loszuziehen und das touristische Programm vor Ort zu genießen. Auch die Andachten bzw. Gottesdienste in der evangelischen Kur-Einrichtung taten ihr gut.

Fazit: Schnuppismama war vor allem von der Physiotherapie und den Sporteinheiten begeistert. Nicht ganz so zufrieden war sie mit dem psychotherapeutischen Teil ihrer Kur. Aber sie lenkt ein:

„Es hätte also hier vielleicht besser laufen können, aber seien wir ehrlich, (…) eine freie Therapeuten-Wahl lässt sich aus Zeitgründen einfach nicht umsetzen. Daher bin ich dennoch sehr zufrieden mit diesem Teil und habe einiges für mich mit nach Hause genommen.“


Frühlingskindermama: Alles steht und fällt mit der Kinderbetreuung oder: Weniger ist mehr

Die Frühlingskindermama (Ostseestrand Kurklinik Klaus Störtebeker) war mit großer Skepsis in ihre Kur gefahren. Zu viele negative Erfahrungsberichte hatte sie vorab gehört und gelesen. U.a. deshalb entschied sie, mit nur einem Kind loszufahren. Sie wählte den Großen, für den sie im Alltag weniger Zeit hat als für ihre anhänglichere Kleine.

Das war sicher eine gute Idee, denn einen Sechsjährigen muss man nicht lange an die neuen Umstände gewöhnen. Dachte die Frühlingskindermama.

Die Kinderbetreuung stellte dann aber als etwas holperig heraus:  1) fand die Betreuung der Kinder meist nur am Vormittag statt, war also zu kurz, 2) ging ihr Sohn auch noch ungern in die Kur-Kita, sodass sie ihn auch mal nur für drei Stunden abgab. Was sie in ihrer Entscheidung, ihre jüngere Tochter zu Hause gelassen zu haben, bestärkte:

„Eine zuverlässige Fremdbetreuung ist unglaublich wichtig für das Gelingen einer Kur. Mit sehr kleinen oder trennungsängstlichen Kindern würde ich mir sehr gut überlegen, auf eine Mutter-Kind-Kur zu fahren.“

Die Frühlingskindermama buchte gleich eine Menge Kurse. Das wurde ihr dann doch zu viel, und so machte sie ab der zweiten Woche weniger.

„Es können lediglich Anregungen zur Bewältigung vermittelt werden und Eltern für typische Probleme sensibilisiert werden. Dessen sollte man sich bewusst sein, sonst wird eine zu hohe Erwartungshaltung sicher nicht erfüllt.“

Die Erwartungen der Frühlingskindermama jedenfalls wurden sicherlich mehr als erfüllt: Sie liebte die Natur rings ums Haus, den nahen Strand und den Wald. Ihr Kind schloss schnell Freundschaften und auch sie fühlte sich in der Gruppe Mütter wohl:

„Gut, dass ich die Kur gemacht habe!“


Mutterseelesonnig (Annette): Kraft tanken in der Wunsch-Klinik, solange die Gesellschaft (noch) nichts für die Mütter tut

Annette fragt sich, warum die Mütter eigentlich so schnell ausbrennen und verbindet ihre Überlegungen mit dem Aufruf, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen.

Was kann man gegen den miserablen Gesundheitszustand vieler Mütter tun? Annette meint:

„Man könnte die Betreuungssituation verbessern, man könnte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern (…) man könnte präventiv Haushaltshilfen verordnen, man könnte bessere Netzwerke für Familien spannen, man könnte bezahlbaren Wohnraum für Familien schaffen (…) Stattdessen hetzen die Frauen sich kaputt und werden alle paar Jahre liebevoll wieder aufgepäppelt.“

Solange die gesellschaftlichen Zustände so sind, nimmt Annette die Möglichkeit einer Kur aber gerne an. Ihr Engagement und ihre Durchsetzungsfähigkeit haben sich bei der Suche nach der richtigen Klinik bewährt:

„Ich hab mir eine Klinik gesucht, gefragt ob der Platz zu meinem Wunschzeitraum frei ist und habe dann genau diese Klinik zu diesem Zeitpunkt in den Antrag der Krankenkasse geschrieben. Die Krankenkasse hat dann gesagt: Nö, zu teuer, such Dir was anderes aus, was aus unserm Katalog. Ich hab dann gesagt: Nö, ich will dahin und nirgends anders! Weil die Klinik aus diesen und jenen Gründen genau richtig für mich ist. Und dann haben die das bewilligt, irre!“

Annette fährt, wann immer sie kann, in ein und dasselbe Kurheim: das Caritashaus am Feldberg, das sich tatsächlich als rundum schönes, übersichtliches und erholsames Haus erwiesen hat (running gag dieser Blogparade: ich war in demselben Haus, habe es aber eher als Stationierung empfunden!).

Annette macht es nichts aus, wenn eine Kur mal ohne ein bestimmtes Konzept daherkommt, wenn sich Leerlauf ergibt und sie dadurch viel Zeit, auch mit den Kindern, verbringen kann. Denn im Alltag als Alleinerziehende mit fulltime job sind es in erster Linie die Entspannungszeiten, die ihr fehlen. Rumlümmeln, Spazierengehen, gemeinsam mit den Kindern im Bett lesen: Das ist Annettes bescheidener Anspruch an die Kur. In ihrem Lieblings-Kurheim kommt dann on top hinzu, dass ihr das Programm wirklich zusagt.

Annette nennt ihren Blogbeitrag „Unter Müttern“. Das sagt eigentlich schon alles. Jede hat eine andere Erzählung, eine andere Erziehungsmethode im Gepäck hat. Nicht immer ist es leicht, die Geschichten und Gewohnheiten der anderen um einen herum zu ertragen.

„Drei Wochen unter Müttern zu sein, ist vielleicht die größte Herausforderung an der Kur.“

Dennoch will Annette auch weiterhin die Mutter-Kind-Kur als eine kurzfristige Lösung von Alltagsproblemen und Burn-out-Gefahr nutzen:

„Und anderem, damit ich weiter die Kraft habe, mich für eine Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen zu Gunsten von Familien und besonders Alleinerziehenden zu engagieren, damit es diese Kuren nicht mehr braucht.“

DANKE, Annette, für Deinen Text, den Du extra für die Blogparade geschrieben hast! *winkt rüber zum Feldberg, wo Du gerade mal wieder auf Kur bist, was sonst!*


Karolina (Linalisu): Dranbleiben, dann wird es auch was mit der Wunsch-Klinik!

In Karolinas Familie sind es vor allem ihre beiden Kinder, die mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Mit ihrem ersten Kur-Aufenthalt (in Cuxhaven in der Strandrobbe) vor einigen Jahren war Karolina mehr als zufrieden.

Drei Jahre nach ihrer guten Erfahrung beantragte sie zum zweiten Mal eine Kur. Ihr Wunsch, wieder nach Cuxhaven zu kommen, wurde erst nicht genehmigt, aber Karolina blieb hartnäckig an ihrer Krankenkasse dran. Sie schreibt:

„Nicht aufgeben! Widerspruch einlegen und am Ball bleiben. Immer wieder anrufen und nachfragen. Man hat ein Recht auf seine Wunschklinik!“

Wie auch Annette (mutterseelesonnig) wusste Karolina: Jedem steht ein Platz in seiner Wunschklink zu – auch wenn man dann ggf. nicht sofort seine Kur antreten kann. Umfassende Informationen liefert das Müttergenesungswerk. Also: Bevor man an die Krankenkasse schreibt, unbedingt erstmal Beratung hinzuziehen!

Karolina war jedenfalls auch beim zweiten Mal mit ihrer Kur rundum zufrieden. Von der Kinder- und Hausaufgabenbetreuung über die Wattwanderungen bis zum Austausch mit den Ärzten und anderen Eltern: Alles stimmte.

„Immer wieder würden wir eine Kur machen und wir hoffen, dass wir auch ein drittes Mal in die Strandrobbe fahren dürfen.“


Ahoikinder (Ute): Kein Haushalt, kein Job und immer gut zu essen

Ute hatte mit zwei Kindern und ihrem Job und dem Blog schon eine ganze Menge am Laufen. Als sie zum dritten Mal schwanger war, verließen sie die Kräfte. Erst dachte sie:

„Ich bin doch nicht krank! Ich schaffe doch immer alles und habe genug Energie für alles.“

Ihr Körper sagte ihr jedoch anderes, und so bekam sie noch während der Schwangerschaft einen Kurplatz (in der Kurklinik Lindenhof, Nähe Passau).

Ute beschreibt ihre Kur als sehr entspannend. Keine Hetze am Morgen, sehr flexible Kinderbetreuungszeiten. Kein Haushalt, kein Job und immer gut zu essen! Unterm Strich hatte sie somit viel mehr Zeit für ihre Kinder als zu Hause.

Ihre beiden Jungs hatten Spaß bei Fußball- und Indianerspielen, sie selbst erholte sich bei Massagen und Wannenbädern. Einiges war ihr in der Schwangerschaft aus ärztlicher Sicht nicht erlaubt, kneippen und Aquagymnastik zum Beispiel. Ute konnte jedoch ihre Kur-Ärzte überreden, und so durfte sie immerhin bei der Gymnastik im Wasser mitmachen.

Wer mehr über die Voraussetzungen rund um eine Kur erfahren will, liest Utes Interview mit Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks.


CONTRA

Mama arbeitet (Christine): In die Räder der Kur-Industrie geraten

Christine wagt sich über ein Jahr nach Beendigung ihrer Kur (die im Bayerischen Wald stattfand) an ein zweites Fazit, das nicht gut ausfällt. Dafür ist es diesmal ein ehrliches, wie sie sagt.

„Mir schwebte Wellness mit All-Inclusive Verpflegung und Kinderbetreuung vor.“

Stattdessen fand sie sich mit ihren drei Kindern in einem winzigen Zimmer mit Stockbetten wieder:

„Das ganze sah aus wie in einer Jugendherberge. Insgesamt wohnten wir in diesen 3 Wochen auf etwa 15 Quadratmetern.“

Christine wurde in der Kur (ungefragt) auf Diät gesetzt, obwohl sie, um sich erholt zu fühlen, lieber mehr als weniger isst. Hinzu kam, dass für sie keiner der Programmpunkte infrage kam. Kein Wunder, dass sie sich fehl am Platz fühlte und anfing, sich zu langweilen. Tatsächlich sagte ihr die Klinikleitung:

„Tja, Frau Finke, das tut mir Leid – wir wissen manchmal auch nicht, warum die Krankenkassen uns die Leute schicken.“

Aber die tägliche Langeweile war nicht das Schlimmste. Am traurigsten war Christine darüber, dass ihre Tochter den 3. Geburtstag in Quarantäne, also im Zimmer verbringen musste.

„Da war ich so traurig, dass ich (…) weinte, und meine Tochter mich trösten wollte.“

Christines trauriges Fazit:

„Mein Gesamteindruck war, dass ich in die Räder einer Kur-Industrie geraten war, in der Menschen als Belegeinheiten gesehen werden.“


Goldkäferblog (Stephanie): Nie wieder schwanger und mit Kleinkind auf Kur

Stephanie (Kur in Thüringen) fand die Kur mit einem nur 1,5-jährigen Kind beschwerlich. Zum Beispiel war der Wickelplatz im Bad zu eng und es gab nicht mal Seife. Hinzu kam, dass die Wege für so einen kleinen Laufanfänger sehr weit waren. Täglich musste zum Essen mehrmals das Haus gewechselt werden, was sich für die Mutter eines Kleinkindes (mit dem zweiten Kind schwanger) als purer Stress herausstellte.

„Im Allgemeinen fand ich Kur nur anstrengend. Ich habe mich keinesfalls erholt. Ich wollte jeden Tag mehr Heim. (…). Ich bin teilweise aggressiv geworden…“

Stephanies Fazit:

„Ich (…) habe für mich gelernt, dass ich NIEMALS mehr schwanger und mit Kleinkind auf irgendeine Art Kur gehen werde. Ob ich sowas überhaupt wiederholen werde, steht in den Sternen.“ Denn: „Schwanger wirst du behandelt wie ein rohes Ei und mit dem Kleinkind macht es einfach keinerlei Freude, wenn der Kurort gleich so gegen null dafür ausgerüstet ist, obwohl er es zu meinen scheint…“

Interessant ist auch Stephanies Vorbericht. So sagte ihr die erste Kurklinik kurzerhand ab, als die von ihrer Schwangerschaft erfuhr. Stephanie musste sich dann sehr zügig für ein anderes Haus entscheiden, „denn im Mai würden sie Schwangere bereits auch (hier) nicht mehr aufnehmen.“


Mit 1 lachendem und 1 weinenden Auge

Wiktoria’s life (Wiktoria): Programm & Essen gut, persönliche Beratung schlecht. Und alle werden krank

 

Wiktorias erste Woche (sie war in Neuhaus-Schierschnitz in Thüringen) lief gut an. Unterkunft: geräumig, Ausblick: klasse, Essen: vom Feinsten. Auch das für sie bereitgestellte Programm war passend und ihr Kind ging gerne in die Krippe.

Zur Halbzeit wurden an die dreißig Mütter und Kinder krank: Magen-Darm. Wie auf einer Kur üblich bedeutete das für die Kranken: Quarantäne, also vom Arzt verschriebener „Stubenarrest“. Wiktoria schreibt:

„Leider ist seitdem auch die Stimmung im Haus etwas gekippt. Alle hatten sich verschanzt. Die Kranken, um nicht anzustecken. Die Gesunden, um sich die Pest nicht auch noch zu holen. Unser toller Zusammenhalt, den ich letzte Woche gelobt habe – er war weg. Zwei Tage später sind drei Mamas abgereist.“

Die dritte Woche bringt endgültig Enttäuschung. Entlastende Gespräche mit einem Therapeuten haben bislang nicht stattgefunden. Die Sozialpädagogin nimmt sich erst Zeit für Wiktoria, nachdem diese bei einer Feedbackrunde angegeben hatte, sich nicht genügend versorgt zu fühlen. Doch die Pädagogin kennt sich mit ihrem Problem (ADHS) gar nicht aus. Die Klinikleitung verspricht Abhilfe, doch dann muss Wiktoria wegen ihrem kranken Kind früher abreisen.

Wiktorias hat aber Positives für sich mitgenommen:

„Ich muss gar nichts. Nichts gegen meinen Willen tun, nichts erdulden und schon gar nichts ertragen.“

Sie will in Zukunft öfter „Nein“ sagen können und sie möchte mehr für ihre Bewegung tun.


Mann Kind Koffer (Pseudonym: Mutterstiefchen): Kleinkind und Kur geht gar nicht

Mutterstiefchen (war in Arendsee in Sachsen-Anhalt) missfiel auf ihrer Kur einiges: Die Essenszeiten waren wie im Krankenhaus extrem früh (z.B. Abendessen spätestens um 18 Uhr). Der Ort („liegt gefühlt mitten im Nirgendwo“) war ein Kaff, man konnte nur begrenzt etwas unternehmen. Für ihr Kleinkind (2 Jahre) fehlte ihr die Eingewöhnungszeit für die Krippe. Sie hatte einen vollen Terminplan und musste dafür „bereits am dritten Tag Mini Mann von 8 – 16 Uhr in einer fremden Kita abgeben“.

Am Alter ihres Kindes lag es auch, dass für Mutterstiefchen die ersten zwei Wochen reiner Stress waren. Erst in der dritten Woche wurde es doch noch schön, aber als die Entspannung einsetzte, war die Kur auch schon wieder vorbei.

Ihr Fazit:

„Mit einem Kind in diesem Alter (2 Jahre) würde ich nicht mehr in Mutter-Kind-Kur fahren.“

Dennoch plant sie eine weitere Kur, denn mit einem älteren Kind (und vielleicht auch mit weniger Terminen pro Tag) ist so eine Kur doch eine tolle Sache.


Mamanatur (Anita): Einsam am Strand

Mamanatur zieht erst fünf Jahre nach ihrer Kur Bilanz. Und die fällt hauptsächlich negativ aus. Anita fühlte sich in der Kur einsam, ganz auf sich allein gestellt mit ihren beiden 3-jährigen Zwillingen. Sie vertraute den Erziehern wenig und versuchte, möglichst viel Zeit mit ihren Kindern am Strand zu verbringen. Da sie zu dritt in einem Bett schlafen wollten (Familienbett), wurde Anita mit ihren Kindern „etwas abseits“ untergebracht. Das störte sie nicht, im Gegenteil, hofft sie doch, abseits vom Trubel ein wenig mehr Schlaf zu finden. Dennoch: Tagsüber hätte sie gerne Anschluss zu den anderen Müttern gefunden.

Insgesamt kam Anita ihre Kur „wie ein netter Urlaub“ vor. Aber:

„Die Einsamkeit hat mich sehr mitgenommen“.

Ihr vorsichtiges Fazit:

„Das ist nur meine Erfahrung und jedes Haus ist anders und nicht jede Klinik passt zu jeder Familie, denke ich.“

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Meine Kur. Macht mit bei der Blogparade! #meinekur

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Wart ihr schonmal in einer Mutter- oder Vater-Kind-Kur? Hat es euch dort gefallen? Warum? Warum nicht?

Drei Jahre ist sie jetzt her, meine Mutter-Kind-Kur.

Es gab einige Gründe, warum ich diese Kur unbedingt machen wollte, die da waren:

  1. So eine Kur mit Kind steht einem alle vier Jahre zu – warum nicht abgreifen?
  2. Einige Bekannte, die schon eine Kur erlebt hatten, schwärmten davon.
  3. So ein Kind und die damit einhergehende Verantwortung ist immer ein Grund, um sich fixundfertig, alle und schlapp zu fühlen.
  4. Ich hatte seit der Geburt, wie auch schon vorher, immer an irgendetwas gesessen. Gearbeitet, geschrieben, mich beworben, gemacht. Teilweise für Geld. Teilweise freiwillig. Oft des nachts. Jetzt sollte Schluss damit sein! Jetzt war Erholung dran!
  5. Ich habe seit meiner Kindheit Asthma und diverse Allergien. Ich nehme deshalb täglich Medikamente. Ich bin also zusätzlich belastet. Wenn das kein Grund für einen sofortigen Kurantritt ist, weiß ich auch nicht…

Hier lest ihr, was ich in der Mutter-Kind-Kur gemacht habe. Wie das Miteinander war, welche Anwendungen ich hatte & wie hilfreich die waren. Wie die Kinderbetreuung war, wie wir unsere Freizeit gestalten konnten. Und was diese Quarantäne ist & wie man garantiert eine bekommt.

Blogparade #meinekur

Wart ihr selbst schonmal in einer Mutter- oder Vater-Kind-Kur? Habt ihr ein Blog, auf dem ihr ein persönliches Fazit gezogen habt? Oder hattet ihr ein besonderes Erlebnis auf eurer Kur, das ihr mit uns teilen wollt?

Dann seid ihr bei der Blogparade #meinekur richtig. Verlinkt euren Beitrag unter diesem Beitrag in den Kommentaren! Ganz egal, ob ihr euren Beitrag neu schreibt oder ihr einen älteren Beitrag wieder hervorkramt – was zählt, ist eure eigene Sicht auf die Kur.

Die Blogparade startet ab sofort. Deadline ist der 31. Mai 2017.

Nach der Deadline sammle ich eure Beiträge in einem extra Post, verlinke auf jeden einzelnen Beitrag und versuche, ein Fazit aus dem Sammelsurium eurer Beiträge zu ziehen (Darauf freue ich mich schon!).

Ich freue mich über viele unterschiedliche Sichtweisen! Sagt uns eure Meinung!

Optional, aber toll: Verwendet in eurem Beitrag die Tags #meinekur, gerne auch #mutterkindkur #vaterkindkur und #eb2gether und verlinkt auf diesen Beitrag: https://landfamilie.net/category/mutter-kind-kur/

#eb2gether bedeutet „Elternblogs together“ und ist eine Idee von Frida Mercury aka @2kindchaos.

Im Wochenbett am Weltfrauentag

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Eine Frau bekommt in ihrem Leben zu unzähligen Anlässen Blumen. Hier: Blumenstrauß, geordert in Kanada, zur Geburt von Kind 3.

Beitrag zur Blogparade Frauenleben am Weltfrauentag.

Was macht ihr (als Frauen) am Weltfrauentag? Wie sieht euer Leben aus – wenn das Private politisch ist? Das wollte Dr. Mo vom Blog muttermensch.wordpress.com wissen. Eine gute Frage, die sicher irgendwas mit Feminismus zu tun hat. Landfamilie findet’s raus!

Der Frauentag ist in Deutschland ja kein Feiertag, auch Blumen werden eigentlich nicht verschenkt. Er fällt für mich in dieselbe Kategorie wie Muttertag und Valentinstag, also Tage, an denen man irgendwie daran erinnert wird, wie gut man es doch habe, da man eine Mutter / einen Partner / eine Frau an seiner Seite hat. Mehr weiß ich darüber nicht, ich nehme diese Tage nicht allzu ernst.

Wochenbett ist Ausnahmezustand. Für die Frau

Ich habe am 29. Februar unser 3. Kind zur Welt gebracht. Sie ist am Frauentag 8 Tage alt, wird achtmal gestillt und sechsmal gewickelt. Alle drei Kinder haben Schnupfen, der Mittlere auch noch Husten und Windelausschlag (ja, hier werden zwei Kinder gewickelt!). Unser Haushalt ist im Ausnahmezustand. Meine Mutter ist da, daher sind Küche und Fußboden sauber wie selten. Ja, wenn man meinen Mann und mich nicht ranlässt, wirkt sich das gleich auf die Qualität aus! Mehr und mehr entspanne ich mich, ich merke, dass ich sogar den Jetlag vom Anfang schon überwinde, mehrere Stunden am Stück hellwach sein kann. Morgens nicht zusammen mit dem Schulkind aufstehen zu müssen ist ein unglaubliches Geschenk!

Für den Mann geht’s weiter wie bisher

Für meinen Mann geht erstmal alles weiter wie immer. In Elternzeit geht er später. Er muss genau dasselbe leisten wie sonst auch, und da unsere Kleinste mit Schnuller nachts sogar ziemlich leise ist, glaube ich, dass er das auch packt. Bislang ist sie fast den ganzen Tag „meins“. Wird von mir hochgehoben, getragen, gefüttert, gewickelt, getröstet. Die Tage sind eine Endlosschleife. Das war beim ersten Kind noch ein Schock, aber nun weiß ich: auch das geht vorbei.

Der Frauentag als solcher: passiert nur im Internet

10 Uhr: Die beiden Großen sind bei Tagesmutter und in der Schule, der Mann auf der Arbeit. Meine Mutter und ich erledigen unsere Aufgaben rund um Haushalt und Baby. Es ist harmonisch und ruhig. Gerade schläft die Kleine und ich finde zwei spannende Artikel, die das Internet sich für den Weltfrauentag aufgespart hat: Einmal der Fotowettbewerb von EyeEm und Edition F zum Thema „Darstellung von ‚Businessfrauen‘ in der Stockfotografie reloaded“ und einmal der hochinterressante Blickwinkel von Meike Lobo auf den heutigen Feminismus in der ZEIT: „Die feministische Selbstdemontage“. Das Handy schlägt an, eine WhatsApp-Nachricht ist von der Tagesmutter gekommen. Sie schickt ein Bild mit einem Blumenstrauß und gratuliert zum Weltfrauentag. Spontan fotografiere ich den großen Blumenstrauß, den mein Onkel zur Geburt aus Kanada geschickt hat und schreibe zurück: „Weil es Frauen wie dich gibt, können andere Frauen arbeiten.“ Ich habe diese Aussage jetzt nicht dahingehend überprüft, ob sie wirklich den Feminismus- bzw. Gleichberechtigungs-Nerv trifft oder nicht und lass die jetzt mal so stehen.

Die Pfarrerin kommt

11 Uhr: Es klingelt. Die Pfarrerin! Ich finde es sehr sympathisch von ihr, einfach reinzuschneien. Wenn man sich lange vorher ankündigt, wird ja meistens eh nichts daraus. Und so reden wir eine Stunde lang über Kinder (sie hat vier plus zwei Enkel), den neuen Waldkindergarten, die neuen Flüchtlingsunterkünfte und den Religionsunterricht, den Lehrer und Pfarrer in Baden-Württemberg gleichermaßen erteilen. Lustigerweise ist die Kunde von der Geburt nicht übers Standesamt, Gemeindeblatt oder auf sonst einem offiziellen Weg zur Pfarrerin geeilt, sondern direkt über die zuverlässige Mundpropaganda unserer Tochter, die es allen in ihrer Schule erzählt hat.

Dann kommt die Hebamme

11:30 Uhr: Die Pfarrerin wird durch die Hebamme abgelöst. Sie bleibt nur kurz, denn es gibt kaum Neuigkeiten auszutauschen. Hm, wir haben das Baby bislang noch nicht gewogen, außer im Strampelanzug, aber das zählt nicht. Und als wir einmal um Mitternacht mit brüllendem Säugling versucht haben, die Waage anzustellen, hat sich diese konsequent geweigert, irgendetwas anzuzeigen. Auch der Arzt hat bei der U2 vergessen, die Kleine zu wiegen. Jetzt sitzen wir hier, das Baby wächst und wird immer schwerer und wir wissen nicht, was es wiegt! Sachen gibts.

Kochen und Kinder abholen: erledigen diese Woche meine liebsten Mitweiber!

12:30 Uhr: Die Erstklässlerin ist nach Hause gekommen, dank Schulbus und dem formidablen Shuttleservice unserer Vermieterin. Es ist wirklich unbeschreiblich, wie sie sich um unsere Kinder gekümmert hat, vor und nach und auch während der Geburt. Das kann ich im Leben nicht wieder wettmachen! Meine Mutter hat gekocht: Pommes mit Würstchen, Ketchup und Gurkensalat. Was Besseres gibt es nicht, findet die Erstklässlerin.

Haushalthilfe gesucht. Auch hier wird eine Frau kommen

15:00 Uhr: Es ist schön, sich ein paar Tage lang ausschließlich um das Baby kümmern zu dürfen. Aber was ist ab Montag? Da bin dann mindestens den halben Tag mit Groß- und Klein-Baby alleine! Ich kann das Groß-Baby nicht heben, jedenfalls nicht ständig, es keine Treppe hochtragen, mich nicht bücken, um etwas aufzuheben, was es zum x-ten Mal runtergeworfen hat. Außerdem ist er, seit das „Beebie“ da ist, furchtbar nervös und rebellisch. Das wird der Horror! Ich klemme mich ans Telefon, rufe Arzt, Krankenkasse und die Diakonie an, mit dem Ziel, für die nächsten Wochen eine Haushaltshilfe zu bekommen. Und oh Wunder, alle geben mir schon morgen einen Termin oder versprechen, alsbald zu helfen, am besten, ich schaue persönlich vorbei.

Keine Ahnung, was am Frauentag sonst noch so passiert ist. Ich gehe nicht vor die Tür, das Neugborene auch nicht. Die anderen kommen und gehen: Flötenstunde, Bandprobe, in Pfützen fallen, das sind so die Dinge, die die anderen heute erleben, während ich jedesmal, wenn ich etwas im Untergeschoss zu erledigen habe, überlege, ob das Treppenlaufen die Mühe wirklich wert ist. Und dann doch oben bleibe.

Im Wochenbett am Weltfrauentag fühle ich mich bei meinen Mit-Frauen am meisten aufgehoben

Klar ist mir geworden: Es gibt keine Zeit im Leben, in der die Hilfe oder auch nur die Worte anderer erwachsener, gerne älterer Frauen, eine solche Rolle spielen wie im Wochenbett. 50-50-Gleichberechtigung hin oder her: Ein Mann wird diesen Zustand nie erleben. Selbst wenn er sich , als „neuer Vater“, dafür entscheiden sollte, mehrheitlich oder auch ganz alleine für Baby und Haushalt verantwortlich zu sein, wird er kaum nachvollziehen können, aus welch einem körperlichen (bei manchen auch seelischen) Tief frau nach der Geburt erst wieder nach oben klettern muss. Egal, wie der Alltag danach wieder aussieht, der Weg dorthin erscheint wenige Tage nach der Geburt lang und steinig.

Die Frage nach der Unterstützung im Wochenbett ist keine feministische

Die Emanzipation beider Geschlechter funktioniert nirgends so schlecht wie rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, wenn die Körper und Emotionen ihre Akteure regelrecht zu dem zwingen, was sie zu tun haben. Die Biologie – nicht die gesellschaftliche Prägung – bringt mit sich, dass es die Frau ist, die in dieser Zeit auf der Arbeit, in ihrer Familie, als Ehefrau und als Mutter der älteren Kinder mehr oder weniger komplett ausfällt.

Ein schöner Gedanke, den ich letztens irgendwo las, war der, dass arbeitende Väter parallel Vaterschutz nehmen können sollten. Um ihre Frau, die Mutter geworden ist, in den ausschlaggebenden Wochen vor und nach der Geburt maximal unterstützen zu können und sie nicht so stark an das Gesundheitssystem und die weibliche Verwandtschaft zu verlieren, um selbst mit der Aufgabe zu wachsen.

Das wäre aber jetzt gar keine Aufgabe für den Feminismus und die Frauen – hierfür müssten die Männer selber eintreten.

Wer sich das traut. Oder: Legt den Baseballschläger weg

Wie lebt ihr Vereinbarkeit? fragt Alu vom Blog Großeköpfe.

Und ich frage mich: Wie kann es sein, dass ein so beliebig-dehnbarer Begriff wie „Vereinbarkeit“ seit Jahren einzig und allein für das Thema „Mutterschaft/ Elternschaft und Beruf“ verwendet wird?

„Vereinbarkeit“ bedeutet zunächst einmal nichts anderes, als zwei Dinge unter einen Hut zu bekommen. Oder drei. Oder vier. Oder fünf. Und dabei darauf zu achten, dass keines dieser Dinge einem anderen in die Quere kommt. Dass Termine und Interessen nicht miteinander kollidieren.

Das fängt manchmal schon als Jugendliche/r ist. Da muss man zwei unterschiedliche Instrumente, mit denen man auftreten und vielleicht sogar Preise abräumen soll, vereinbaren. Da muss man Sport in unterschiedlichen Vereinen vereinbaren. Da muss man vereinbaren, dass man mit A befreundet ist, aber auch B gerne hat, der jedoch A ein Dorn im Auge ist.

Im Studium wird es nicht besser. Eine Studentin, die ich kannte, wollte möglichst schnell ein Doppelstudium studieren, regelmäßig ins Fitnessstudio, ein Auto finanziell am Laufen halten, regelmäßig Jugendarbeit in der Kirche machen und zum „Ausgleich“ abends noch kellnern. Wie sie das vereinbart hat? Zwei ihrer Tricks habe ich noch in Erinnerung: Erstens, das Bett mit Zeug vollknallen, sodass man sich unmöglich hineinlegen kann, wenn man abends nach Hause kommt. Zweitens: ein aufblasbarer Baseballschläger auf dem Schreibtisch, mit dem man sich ab und zu an den Kopf schlägt, um zur eigentlichen Aufgabe zurückzukehren.

Wie das Nuf richtig schreibt: Vereinbarkeit hat immer etwas mit Perfektionismus zu tun. Der Perfektionismus kommt bei vielen Menschen daher, dass sie nur jemand sind (oder zu sein glauben), wenn sie die richtigen Dinge an der richtigen Stelle in ihrem Lebenslauf absolvieren.

Wir lernen das in der Schule, spätestens im Studium. Oder auch erst danach, wenn sich herausstellt, dass man viele verschiedene Leben gleichzeitig leben muss. Man könnte auch sagen: viele verschiedene Rollen gleichzeitig spielt.

Man hat ein Privatleben, das man teils mit seinem Partner teilt, man hat ein Arbeitsleben, ein Leben mit den eigenen Kindern, vielleicht auch mit den eigenen Eltern, vielen haben außerdem ein Leben mit Freunden oder mit Hobbys oder mit ihrem Glauben und ihren Überzeugungen. In all diesen Lebensbereichen kann ich Verantwortung oder Zwang spüren, Lust oder Unlust, Gestaltungsspielraum haben oder mich eingeengt fühlen.

Fällt einer der Bereiche weg, die uns in der Gesellschaft als die Richtigen kennzeichnen, zeigen die anderen mit dem Finger auf uns. Wir schämen uns. Wir verspüren Scham immer dann, wenn wir einer gesellschaftlichen Norm nicht entsprechen. Wenn wir arbeitslos sind oder etwas machen, für das wir als überqualifiziert gelten. Wenn wir uns nicht selbst um die eigenen Kinder kümmern (können). Aber auch, wenn wir keine Kinder kriegen (wollen). Wenn wir keine erfüllende Partnerbeziehung vorweisen können. Uns so weiter.

Da die meisten aber gar keine Lust haben, in allen diesen Bereichen mitzumischen und in ihnen auch noch ganz vorne zu liegen, versuchen sie mit einer Riesenportion Perfektionismus, allen Anforderungen gerecht zu werden. Und werden dabei krank.

Dabei könnte man es auch so sehen: Das sind doch gar keine vielen verschiedenen Rollen, das ist einfach ein einziges facettenreiches Leben.

Wie bekommen wir alle diese unterschiedlichen Rollen die wir spielen, diese Räder, die wir am Laufen halten, dazu, wieder zu einer Rolle oder einem großen (langsamen) Rad zusammenzuwachsen?

Wir sollten uns gegen die die Zersplitterung unseres Ich wehren, indem wir aufhören, an jedem anderen Ort in jedem anderen Kontext jemand anderen zu spielen.

… Die coole Freundin anrufen und gestehen: Ich bin körperlich total unfit und mache mir solche Sorgen um die Gesundheit meines Kindes, ich will nicht mit auf die Party gehen, komm doch einfach zu mir…

… Die Eltern anrufen und gestehen: Ich schaffe es einfach nicht, im Job oder in der Ausbildung oder als Mutter oder als Geliebte zu glänzen, ich bin nicht jemand, ich bin ich…

… Den Chef anrufen und gestehen: Ich hatte heute Nacht zwei Stunden Schlaf, mein Babysitter fällt aus und ich habe nichts vorbereitet…

Wer sich das traut, muss nicht mehr unterschiedliche Aspekte seines Lebens vereinbaren, sondern gibt zu, dass er/sie eine vollständige Person ist. Die Schwäche und Probleme hat, die permanent an ihre Grenzen kommt. Die unmöglich alles erreichen kann, was die Gesellschaft von ihr erwartet. Die sagt, dass es voll kacke ist, im Job und vor dem Partner und mit den Kindern immer alles richtig machen zu müssen und dabei auch noch gute Laune zu zeigen. Die sagt, es gibt mehr, als das, was die Gesellschaft und der Kapitalismus von uns wollen.

Wer sich das traut, hat keine Angst vor dem Scheitern.

Veranstalter der Blogparade ist Scoyo! Das Elternmagazin und ich habe glaub gerade völlig am Thema vorbeigeschrieben.