Postpandemische Überlegungen

Es ist zu arbeiten, aber erst ist das Kind in die Kita zu bringen.

Es ist das Kind in die Kita zu bringen aber erst ist das Kind zu testen. Das Kind will krank sein.

Es ist zu arbeiten aber erst ist ein Testzelt aufzusuchen.

Es ist zu arbeiten, aber erst ist zur Arbeit zu fahren.

Es ist zu arbeiten, aber erst muss noch ein Zugticket gekauft werden. Und ein Pausenbrot. Und Kaffee.

Es ist zu arbeiten, aber erst muss ein Gespräch darüber erfolgen, wie man noch besser arbeiten kann.

Es ist zu arbeiten, aber L. möchte sich treffen.

L. ist zu treffen aber es ist schon spät geworden also ist jetzt das Kind abzuholen.

Wäsche ist aufzuhängen und Geschirr einzuräumen. In der Pandemie haben die Kinder das mittags nach dem Homeschooling gemacht. Jetzt macht es niemand.

Es ist Pause zu machen aber erst müssen die Kindergeburtstagseinladungen verschickt werden.

Es sind Einladungen zu verschicken aber erst sind Einladungen zu basteln.

Es sind Einladungen zu basteln, aber erst muss der Kalender geupdatet werden. Ich kann nicht: wenn andere Termine sind, wenn Fahrt zur Kita ist, wenn ich selbst unterwegs bin, wenn ich schlafe. Ich kann: zu allen anderen Zeiten.

Es sind Kinder frühzeitig ins Bett zu bringen aber erst sind Pausenbrote wegzuwerfen.

Es sind Pausenbrote wegzuwerfen und dabei wird gestritten, wer am Wochenende das Grillgut mitbringt und wer wo übernachten darf.

Es ist zu schlafen aber erst sind alle nichtpflichtigen Termine wieder abzusagen.

Ich lösche aus dem Kalender: Sommerfest, Elternabend, Theaterbesuch, Spielplatzverabredung, Gemeindepicknick, Mittagessen mit L…. und bin trotzdem noch nicht Herrin der Zeit, weil ich den Wecker wieder auf halb sieben stellen muss.

Coronatagebuch Tag #60

Es ist eine Lüge, dass man zu mehr kommt, wenn man mehr Zeit hat.

Zum Beispiel habe ich trotz eines wirklich immensen Zeitfensters auch in diesem Jahr noch nicht mit der Steuererklärung begonnen.

Man schafft es auch nicht, mehr Sport zu treiben. Ich habe es gar nicht erst versucht, weil ich weiß, dass es nicht geklappt hätte. Wer hingegen vorher schon Sport gemacht hat, macht jetzt genausoviel Sport, nur anders. Joggen anstatt ins Fitnesscenter z.B.

Man schafft auch die 1001 verhassten Aufgaben nicht in dieser gedehnten Zeit unterzubringen. Wie förmliche Briefe schreiben, ein Brett anschrauben, eine Wand streichen, endlich ein Fotoalbum aus allen irgendwo abgelegten Bilddateien zu machen. Einmal die Woche oder wenigstens einmal im Monat was Leckeres zu backen, funktioniert ebensowenig. (Auch hier gilt: wer vorher schon regelmäßig gebacken hat, tut das natürlich weiterhin).

Nachdem ich die Situation nun 60 Tage lang eingehend studiert habe, bin ich zu der gesicherten Erkenntnis gekommen: wenn mehr Zeit vorhanden ist, werden auch einzelne Aufgaben größer.

Am meisten Zeit haben Kleinkinder. Sie haben vom Aufstehen bis zum Schlafengehen einfach immer Zeit. Für alles. Müssen aber fast nie was.

Für Kleinkinder sind deshalb auch einzelne Aufgaben viel größer als für solche Leute, die weniger Zeit dafür haben. Sollen sie z.B. den Tisch decken oder eine kleine Pfütze Wasser aufwischen, winden sie sich unangenehm berührt ob der endlos langen Zeit, die das dauert. Nach einer Sekunde ist für sie gefühlt eine Stunde vergangen und sie geben auf, weil sie ja doch nicht fertig werden, und das obwohl sie es wider besseren Wissens sogar versucht haben.

So ist es mit den Kindern und der Zeit. Ich sollte nach der Pandemie ein Buch veröffentlichen mit dem Titel „Kinder und Zeit. Antagonisten im Jahr 2020“. Aber dafür hab ich ja keine… genau.

Coronatagebuch Tag #43

Ich soll nicht Alkohol trinken und dabei Corona-News lesen Ich soll nicht Alkohol trinken und dabei Corona-News lesen Ich soll nicht Alkohol trinken und dabei Corona-News lesen Ich soll nicht Alkohol trinken und dabei Corona-News lesen Ich soll nicht Alkohol trinken und dabei Corona-News lesen Ich soll nicht Alkohol trinken und dabei Corona-News lesen Ich soll nicht Alkohol trinken und dabei Corona-News lesen Ich soll nicht Alkohol trinken und dabei Corona-News lesen Ich soll nicht Alkohol trinken und dabei Corona-News lesen Ich soll nicht Alkohol trinken und dabei Corona-News lesen Ich soll

Weil: Ich habe am nächsten Tag schlimme Kopfschmerzen. Und überhaupt: Ich wäre auf jeden böse, der sowas Bescheuertes wie ich machen würde.

Wochenrückblick

Gegessen: Reis mit Gemüse (gekocht vom Kind, das so etwas nieee essen würde, außer, es kocht selbst), zweimal Nudeln mit Tomatensoße, Bulgur mit Putenfleisch, Kartoffelbrei mit Rotkraut und Würstchen.

Geguckt: Pandemic (schlechter Zweiteiler, NICHT gucken, außer ihr wollt euch das Gefühl injizieren, Filme bildeten die Realität ab), Frozen (mit den kleinen Kindern), Rico und Oskar und die Tieferschatten (mit den großen Kindern – wobei das mittlere Kind beide Filme sehen durfte), Fridays for Future live bei YouTube, Urbarium live auf Instagram, drei bis sechs Zoom-Events (werden uns definitiv mehr Geräte für die Familie anschaffen müssen).

Gereist: Erstmals. Mit dem Auto (das ziemlich eingestaubt war und nur unwillig starten wollte) einmal quer durch die Stadt in ein fremdes Viertel. Hier findet also der Klavierunterricht statt. Es sieht alles aus wie früher. Die Sonne scheint, Menschen gehen spazieren, warten auf den Bus, Kinder spielen auf dem Rasen. Wir laufen mit Schutzmasken durch diese Szenerie und fühlen uns, als wären wir von einem Seuchenkommande geschickt worden. Tochter: Das ist so peinlich, Mama! Mama: Tochter, stell dir einfach vor, wir sind zwei Notärzte, die zu einem wichtigen Einsatz gerufen wurden! Tochter: Och nö, wir gehen doch nur zum Klavierunterricht (dort wird die Maske aber benötigt, und wir setzen sie vorher rechtzeitig auf! Darum!)

Gearbeitet: Etwas mehr als bisher. Vor allem Dinge kommuniziert, Gesagtes abgetippt, Dinge verschoben und neue Dinge gestartet.

Gehört: Beatles, Paul Kalkbrenner, Tschaikowskij, Dominik Bär.

Gekauft: Hose, Toner, Kies, Sand, Tomatenerde, Masken (diverse)

Konzentration auf einer Skala von 1 bis 10: 2