Kitas und Kindis. Oder: Fischstäbchen vs. Waffeln. Achtung Klischeewarnung

Wenn ich über Kindergartenplätzemangel, Kindergartenmittagessen und Kindergartenöffnungszeiten lese, also in den Medien oder auf Blogs, dann wird dieses lange Wort K-I-N-D-E-R-G-A-R-T-E-N meist so abgekürzt: Kita.

Die Kitas

Kitas haben endlose Fluren mit einer unendlichen Anzahl an Haken. Kitas riechen nach Kartoffelbrei- und Fischstäbchen-Dunst. In Kitas treffen die Eltern, die sich mit dem Fahrradanhänger durch den Morgenverkehr gequält haben und nach der Kinderabgabe schnell wieder gehen müssen, nur für ein paar Millisekunden aufeinander. In Kitas gibt es Schwarze Bretter voller Zettel mit Angeboten von der Caritas, dem Kinderschutzbund, der Psychologischen Beratungsstelle, dem Frauenhaus, auf Deutsch, Türkisch, Arabisch und Russisch.

Die Kindis

Und dann gibt es noch die Kindis. Das sind die Dorf-Kindergärten, die einfach nur rundum süß und lieb und vertrauenserweckend, sauber und übersichtlich sind. Kindis haben auch mal nur zehn Kindern pro Gruppe. In Kindis wird täglich draußen gespielt, und vor der Abholzeit wird laut und sauber(!) bekanntes Liedgut gesungen.

Kindi-Eltern basteln nicht nur die Laternen (sowieso eine Selbstverständlichkeit), sie  bauen auch Brunnen, Hochbeete, Bänke, Spielgeräte und Haltestellenwartehäuschen. Die Mütter kommen nicht nur zum Muttertag in den Kindi, sondern auch jeden Monat zur gemeinsamen Andacht. Und wenn etwas gebacken, jemand verabschiedet, Päckchen für arme Leute gepackt oder sonstwo geholfen werden muss, sowieso.

Im Kindi kennt jeder jeden aus anderen Zusammenhängen als aus dem Kindi. Die Mutter, die neben dir in der Garderobe ihren Nachwuchs zur Eile antreibt, ist entweder deine direkte Nachbarin, die Mutter eines guten Spielkameraden eines deiner Kinder, deine Sandkastenfreundin oder deine Schwägerin. In der Regel alles zusammen. Trifft keiner der vier Bekanntsheitsgrade zu, bist du vermutlich nicht von hier.

80 Prozent der Kindi-Eltern stehen nach vier Stunden schon wieder abholbereit im Gruppenraum, den sie selbstverständlich betreten dürfen. Denn ein Kindi mit Regelöffnungszeiten (RÖ) hat nur 4 Stunden auf. Aber auch in einem Kindi mit Verlängerten Öffnungszeiten (VÖ) von 6 Stunden werden Kinder nicht die volle Zeit geparkt. Vier Stunden, das reicht schon. Zum Mittagessen sind alle wieder daheim.

Kindergartenplätzemangel, Kindergartenmittagessen und Kindergartenöffnungszeiten?

Liefern auf dem Dorf wenig bis gar keinen Gesprächsstoff. Die Kindi-Plätze müssen natürlich belegt werden, sonst wird wegen Kindermangel wieder eine Gruppe geschlossen. Soviel ist klar. Wir Dorfeltern sind also dazu verpflichtet, weiterhin für Nachwuchs zu sorgen, so sagte es uns jedenfalls der Pfarrer.

Warmes Essen gibt es im Kindi nie (bis auf Ausnahmen wie gemeinsames Waffelbacken), das wäre ja auch komisch, weil alle Haushalte (oder wenigstens die Oma-Haushalte) mittags ein warmes Essen für die Kindi-Kinder auf den Tisch stellen können. Die Öffnungszeiten bleiben also erstmal so. Mit 6 Stunden VÖ haben wir hier auch nichts zu meckern. Es gibt weitaus Schlimmeres!

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12 von 12 im Juni

Heute soll es regnen, stürmen oder schneien. Egal. Wir spielen den ganzen Tag. Mit wechselnder Begeisterung natürlich. Dabei versuche ich irgendwie 12 Fotos zu machen, denn heute ist 12von12, das Fotoprojekt am 12. eines jeden Monats.

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1/12 Die Jüngste entdeckt jeden Tag etwas neues. Heute ist es ein blauer Vogel mit weißen Punkten.

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2/12 Die Größte findet tatsächlich ein paar Stunden Zeit, sich um ihren Bruder zu kümmern. Der ist immerhin fast 5 Jahre jünger als sie. Gleich am Morgen bastelt sie sich Handschuhe aus Gefriertüten. Bruderherz steht in seinem Gitterbettchen und guckt zu und ist ruhig. Danach wollen sie zusammen auf dem Spielteppich Autos schieben. Klappt aber nur so mäßig. Der Bruder will nämlich die Autos lieber in die Kiste zurückräumen als damit zu spielen, während die Schwester ihn doch dabei fotografieren will, wie er ganz süß spielt. Menno.

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3/12 Nach dem Frühstück baut sie ihm die Wasserfarben auf. Zu dritt malen wir schließlich drei Bilder, wobei der Bruder auch die Finger benutzen darf.

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4/12 Mittach. Für mehr Fischstäbchen in sozialen Netzwerken.

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5/12 „Pinat?“ – – – „Fifff?!?!“ Der Bruder ist nicht so begeistert. Zum Glück gibt es aber auch Nudeln.

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6/12 Solange die kleine Schwester ihm beim Essen zusehen darf, ist sie auch ruhig.

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7/12 Nach dem Mittagessen fährt Landfamilien-Papa weg. Schaffen am Sonntag, ob das jetzt schwäbische oder doch eher badische Mentalität ist, weiß ich auch nicht. Nach der Mittagspause, die drei von vier schlafend verbringen, das Schulkind hingegen bastelnd, ist Zeit um… ja, um weiterzuspielen.

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8/12 Während der Bruder puzzelt, lernt die Schwester alle Länder rund ums Mittelmeer kennen, dank „Meine Welt“, dem Ausmalbuch von Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski. Das Buch besitzt sie schon ein Jahr oder länger, sie malt aber überhaupt nicht gerne aus, Falten, Schneiden, Hämmern und Kleben stehen ganz oben auf der Liste. Deshalb muss heute schon sehr schlechtes Wetter sein, oder ihre Neugier hat gesiegt, immerhin gibt es was über die Welt zu lernen… Das Land in Schwarz-Rot-Gold ist übrigens die Türkei.

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9/12 Fußball! Irgendwer spielt gegen Kroatien.

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10/12 Mich interessiert ja eigentlich alles, außer Fußball. Solche Ableger zum Beispiel. Gerade habe ich drei Stück pro Woche.

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11/12 Für mehr Toast in den sozialen Netzwerken, oder sagte ich das schon?

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12/12 Abendlektüre. Unsere weitläufige Wohnung in einem noch viel weitläufigeren Gebäude war früher ein Kindererholungsheim. Vor 30 Jahren kaufte eine Familie das ehemalige Heim und machte ein christliches Seminarzentrum daraus. Viele der Kinderbücher der 60er – 80er Jahre gingen in den Besitz der Familie über. Jetzt wurde mal ein wenig ausgemistet, und so lesen wir jetzt: Pumuckl.