Coronatagebuch Tag #59

Die im Lockdown neu hinzuaddierten Hobbies festigen sich. Unsere heißen: Gartenbau und Spazierengehen. So unspektakulär es klingt, wir hatten vorher nie Zeit dafür.

Heute haben wir zum ersten Mal Salat, Radieschen und Erdbeeren geerntet und den Kompost weiter ausgebaut.

Und wir waren zum ersten Mal beim Bergwerksstollen mitten im Wald. Die Kinder haben am Bach gespielt, sind über Baumstämme balanciert und haben Lehm mit nach Hause genommen.

Komisch, mit Vierjährigen steht man auf Spaziergängen praktisch nur herum. Fünfjährige rennen die ganze Zeit vor und sind ständig aus dem Blickfeld, wenn man nicht hinterrast.

Heute war Sonntag. Unsere Kirche hat wieder offen. Es soll nachmittags einen kurzen Gottesdienst geben, draußen, mit Mundschutz, Sicherheitsabstand und ohne Gesang. Parallel gibt es aber immer noch den Youtube-Livegottesdienst. Dem haben wir uns heute gewidmet, während wir gleichzeitig mit den Kindern gebastelt und Spargel geschält haben. Vielleicht schafft man im Lockdown doch alles in kürzerer Zeit.

Coronatagebuch Tag #26

Diese ganzen Studien, die jetzt kursieren, in denen untersucht wurde, vor was Gesichtsmasken alles schützen und vor was nicht.

Österreich trägt Maske. Und will die Geschäfte und die Wirtschaft deshalb Anfang Mai wieder öffnen.

Der bayerische Ministerpräsident, der immer ein paar Tage vor der Bundesregierung mit dem neuesten heißen Scheiß kommt, sagte heute sinngemäß: „Letzten Endes werden wir um eine Art Mundschutz nicht herum kommen.“

Eine Packung einfacher Mundschutze hat fast den Gegenwert eines Goldbarren. Mundschutz-Lager werden von Security bewacht. Mit Mundschutz beladene Lkws werden von der Polizei eskortiert. Betrüger nennen eine Anzahl an Mundschutzen, die sie angeblich verkaufen können und erhalten Anzahlungen in Millionenhöhe.

Und dann das neue Tracking. Oder Tracing. Das RKI (die oberste Gesundheitsbehörde Deutschlands) verfügt bereits über die Daten aller Telekom-Nutzer in Deutschland und könnte jederzeit überprüfen, wo ich mich befinde, wen ich treffe – möchte dies aber gar nicht tun, sondern nur „Bewegungsströme verstehen“. „Über 100 Personen gleichzeitig auf der Domplatte in Köln, gestern waren es um dieselbe Uhrzeit nur 5 – was ist da los? Sollte man da mal Polizei hinschicken?“ Das sind so Informationen, die derzeit interessant sind.

Seit heute gibt es eine Art neue Fitness-App, herausgegeben vom RKI. Die Nutzung ist freiwillig. Über die Smartwatch misst die App die Körpertemperatur und andere Lebenszeichen. Diese Daten werden verknüpft mit der Postleitzahl. „Zwei neue Fälle mit Fieber und Atemnot im PLZ-Kreis 56297“ ist dann in etwa die Meldung, die das RKI daraus ablesen kann.

Gleichzeitig wird an einer (europäischen) Technologie gefeilt, die Personen datenschutzrechtlich konform tracken kann.

Knapp zwei Wochen Kontaktsperre stehen uns noch bevor. In den verbleibenden 12 Tagen muss der Bürger schonend auf das Thema Mundschutz-Pflicht und Tracking-Pflicht vorbereitet werden. Es diene der Wirtschaft, die dann wieder laufen könne. Es diene damit uns allen. Halten Sie aber weiterhin Abstand zu anderen. Usw.

Wir haben heute wieder 8 Stunden im Garten gearbeitet. Der Boden ist in der obersten Schicht staubtrocken. Die Kinder werfen das braune Pulver in die Luft und freuen sich, wenn es wie Puder auf dem Wag nach unten verpufft. Wieder bleiben wir bis zum Sonnenuntergang draußen, barfuß und mittlerweile auch schon braungebrannt.

Heute sind es 107.458 Infizierte in Deutschland, 36.081 sind wieder gesund und 1983 sind gestorben.

Coronatagebuch Tag #13

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Den Garten umgraben. Dazu ist jetzt viel Zeit.

Die Freundin muss in Quarantäne. Das Gesundheitsamt hat bei ihr angerufen: Sie könne sich wohl denken, weshalb der Anruf komme. Sie habe mit jemandem Kontakt gehabt. Den Namen dürften sie aber nicht nennen. Sie solle 14 Tage zu Hause bleiben. Ihre Familie sei nicht mit unter Quarantäne gestellt. Weitere Anweisungen kämen schriftlich.

Ein Freund, der ein bisschen weiter weg wohnt, ist krank. Er hat sich testen lassen und er ist positiv. Zwei weitere aus der Familie sind ebenfalls krank. Dem Rest geht es gut, aber die ganze Familie darf nicht mehr raus. Ich weiß nicht, wer jetzt für sie einkauft und mit dem Hund spazierengeht.

Der Wahnsinn, der bislang nur auf dem Bildschirm in Form von Livestreams und Eilmeldungen und Kurzreportagen auf mich zugerast kam, der sich in seltsamen Abstandstänzen im Supermarkt und unerklärlich halbleeren Regalen gezeigt hat, ist nun ein wenig nähergerückt. Panik erzeugt das bei mir nicht. Eher Erleichterung, dass ich hier keine andere Dimension, keinen seltsamen Cyberwar und auch keine Erfindung irgendeines Medienmoguls mitansehe. Erleichterung darüber, dass das irgendwie plausibel ist, was wir hier machen. Auch wenn ich dabei immer nur Wäsche wasche, putze, Nudeln und Kaffee koche, Ausmalbilder ausdrucke und meinen Garten umgrabe.

Ich bin um meine Freunde besorgt. Ich kann selbst nichts tun. Aber ich bin nicht über alle Maßen in Sorge. In über 80% der Fälle verläuft die Krankheit mild oder sogar symptomlos.

Was das eigentliche Problem ist

Das eigentliche Problem, das wird immer deutlicher, ist nicht die hohe Wahrscheinlichkeit, eine tödliche Krankheit zu bekommen. Sondern die zunehmende Wahrscheinlichkeit dass, sollte man in nächster Zeit eine schwerwiegende Krankheit bekommen und auf einen Platz in einer Intensivstation angewiesen sein (und es gibt ja noch andere schlimme Krankheiten, lebensgefährliche Unfälle usw.), man nicht mehr ausreichend behandelt werden kann. Weil:

a) entweder hat die Intensivstation wegen Überfüllung schon geschlossen. Oder

b) es fehlt an der so banalen wie notwendigen Grundausstattung (mit so billigem Material wie Desinfektionsmittel und diesen Mundschützen aus Papier wird seit dem Ausbruch in China im Januar spekuliert, vielleicht wird es von 10 Prozent der Bevölkerung auch wirklich aus Angst vor einer Invasion der Außerirdischen geklaut und gebunkert, oder es ist WIRKLICH schon länger knapp, weil in China die letzten drei Monate kaum mehr Dinge produziert wurden wegen der ganzen Schließungen, was weiß ich), jedenfalls fehlt die Grundausstattung, die für die banalste OP eben gebraucht wird, und ohne die man in Krankenhäusern schlichtweg nicht operieren darf. Oder

c) es fehlt das kostspieligere Material, Dinge wie Atemgeräte, Masken, Schläuche, Druckmesser etc., die gerade für Patienten mit einem schwerwiegenden Verlauf lebenserhaltend sind.

Deswegen werden Intensivpatienten aus Frankreich und Italien derzeit nach Deutschland verlegt. Es heißt, sie müssten sonst in ihren Ländern sterben, weil die Kapazitäten an Intensivbetten, Grundausstattung und/oder lebenserhaltenden Geräten überschritten seien.

Die einzige Maßnahme, die gegen die Überlastung der Krankenhäuser zu helfen scheint: die Ansteckung minimierne, indem man so wenig wie möglich unter Leute geht. Und deshalb gibt es aktuell in ganz Europa, gleichzeitig wohl auch in allen anderen Kontinenten Ausgangssperren, Kontaktverbote, Schulschließungen, Reisewarnungen und den (teils befürchteten, teils bereits umgesetzten) Shutdown ganzer Branchen.

Dazu hier ein brauchbarer Artikel bei Krautreporter.

Heute sind es 37.323 Infizierte in Deutschland, 3.547 sind wieder gesund, 206 sind gestorben.