30 Tage Ausmisten. Das Minsgame und ich

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#Minsgame Tag 24: Münzen aus aller Welt

Im September habe ich bei #Minsgame (Minimalismgame) mitgemacht – der digital verbreiteten Wegwerf- oder Ausmist-Challenge. Minsgame funktioniert so: Man entnimmt jeden Tag ein Ding mehr seinem Fundus an Überflüssigem und wirft es wirklich und wahrhaftig weg / bringt es zum Recyclinghof / spendet es / verschenkt es (aber nur, wenn wirklich jemand Interesse daran hat), und das macht man so einen ganzen Monat lang.

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#Minsgame Tag 21: Kaputtes oder bislang ungenutztes Spielzeug

Sprich: Hat man am ersten des Monats noch ein Ding aussortiert, sind es am zweiten des Monats schon zwei, undsoweiter. Zusätzlich hält man für die sozialen Netzwerke jedes aussortierte Teil fotografisch fest. Sonst wird es ja langweilig. Außerdem glaube ich, ich würde nach drei Tagen aufhören, wenn ich mich nicht selbst zwingen würde, immer wieder etwas Kaputtes, Skurriles oder doch noch Brauchbares für die Kameralinse auftreiben zu müssen. Und das täglich! Um der Herausforderung willen hatte ich mir zusätzlich auferlegt, an jedem Tag nur zusammenpassenden Kram rauszuschmeißen. Also nicht Spielzeug mit Elektronik, Stoffreste mit Flaschen, sondern, immer schön fotogen, nur eine „Sorte“ Zeug pro Tag.

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17x Elektro- und Elektronikschrott. #Minsgame Tag 17

Ich habe bei dem Spiel Minsgame einiges gelernt. Zunächst über das Spiel selbst: Keiner schafft es meiner Meinung nach, die aussortierten Kabel, Schachteln, Tuben, Flaschen und Schlüssel auf den passenden Tag genau zu finden. Anfangs habe ich daher – wie bei jeder guten Kampagne – ein paar Wochen Vorschub geleistet und angefangen, die Sachen schon im August zu sammeln. Damit kam ich ungefähr bis Tag 12. Somit fing das Spiel ganz unstressig an mit Bildern, die ich bereits geknipst hatte und nur noch hochladen musste.

Auf Instagram, Twitter und Facebook entwickelten sich teils rege Diskussionen rund um die Do’s und Dont’s des Entsorgens. Wegwerfen ist anscheinend mit vielen Bedenken verbunden.

Unter meinen Wasch- und Putzmitteln (Tag 18) war einiges, was ich als wegwerfenswert erachtete, weil ich es einfach noch nie benutzt hatte. Interessanterweise rief gerade der Bereich Putz- und Waschmittel Bedenkenträger auf den Plan. Man könne doch nicht so Praktisches einfach wegwerfen, oder etwas so Wertvolles… hieß es. Bei den 12 Babyrasseln und 17 Elektroteilen und 30 Batterien fand jedoch keiner etwas nützlich, ökologisch wertvoll respektive bedenklich, brauch- oder reparierbar… Putzmittel haben anscheinend etwas Polarisierendes!

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#Minsgame Tag 14: Bücher müssen gehen.

Dasselbe passierte mir beim Bücher-Wegwerfen. Unter anderem wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass mein Diercke-Atlas von 1990(?) doch einen antiquarischen Wert besäße. Doch wie oft bin ich mit Büchern, die ich für wirklich antik und goldwert erachtete von Antiquariat zu Antiquariat gezogen. Umsonst. Habe schließlich alles in öffentliche Bücherschränke gestellt. Wo es feucht wird und sich eh niemand dafür interessiert außer irgendwelchen Messies. Jetzt ist der alte Atlas weg und auf Twitter folgt mir jetzt der @Diercke. Sehr nett!

Der moralische Zeigefinger erhob sich auch, als ich mich an Tag 24 daran machte, Kleingeld aus anderen Ländern auszusortieren. Gerade Währung im Kleinstbereich (unter 1 Euro) nimmt mit der Zeit nicht an Wert zu, ein Museum bin ich auch nicht, und den Kindern zum Spielen gibt man die Münzen ja auch nicht unbedingt. „Was machst du da – GELD WEGSCHMEIßEN???“ rief man mir sofort entsetzt zu. Da war guter Rat teuer. Und ich bekam ihn auch sofort in Form eines unfassbar wichtigen und interessanten Hinweises: Überschüssige ausländische Münzen kann man ganz einfach, egal aus wie vielen Ländern sie kommen, in einen Umschlag stecken und an die Welthungerhilfe adressieren. Das werde ich auf jeden Fall tun!

Gut war: Manche Dinge, von denen ich mich trennen wollte, konnten andere Leute durchaus gebrauchen. Ich bekam E-Mails und Direktnachrichten mit der Bitte, das doch bitte für sie aufzuheben. Hab ich gemacht. Gerne.

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Die kann jemand noch gebrauchen. #Minsgame Tag 11 bzw. 9

An Tag 27 war dann sogar meine Tochter soweit. Sie hatte am Vortag ein neues Zimmer bekommen und zur Feier des Tages trennte sie sich von einem Haufen alter Bastel- und Fußballzeitschriften. Übrigens ohne Minsgame zu kennen. Ich legte selbst noch einige alte Zeitschriften obendraufund – schwupp – waren wir bei 27. Und wir merken bis heute nicht, dass uns etwas fehlt.

Die letzte Konsequenz, die ich aus Minsgame ziehe, ist die: Ich streiche ab sofort einige meiner Habgier- „Sünden“! Das heißt z.B.: Keine Gratis-Magazine mehr mitnehmen, nicht mehr wahllos gebrauchte Kinderklamotten annehmen, nichts mehr horten, was ich auch nach einem Jahr nicht repariert habe (anscheinend, weil ich es gar nicht wirklich brauche). Kleingeld aus anderen Ländern am besten sofort einem Bettler auf der Straße geben, bevor man das Land verlässt.

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#Minsgame Tag 27: Zeitschriften

Im Übrigen habe ich im Monat September sehr viel mehr weggeworfen und sogar verkauft, als ich mit #Minsgame zeigen konnte. Daran war der Schulstart im September schuld, aber auch das neue Tochterzimmer, Geburtstag sowie allgemeines Kinder-Wachstum. Das Minsgame habe ich zum ersten Mal bei buntraum verfolgt.

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Ich will diesen Sommer mein Handy zu Hause lassen

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Ich im Sommer 2001. Foro: Archiv. No filter

Ich will diesen Sommer mein Handy zu Hause lassen und auch keinen Computer nutzen.

Gut, nur im August, okay, nur etwa rund drei Wochen lang, kurz: also während der paar Tage, in denen ich voraussichtlich nicht zu Hause, sondern in der Sommerfrische bei Verwandten weilen werde.

Und wenn ich mich schon so einschränke, kann ich auch gleich noch Fernsehen und Bier auf die Abschussliste setzen. Und jeden Morgen täglich Gymnastik machen und in der Bibel lesen oder ein paar Stunden eine neue Fremdsprache aus einem Buch lernen. Nachmittags auf Kaffee verzichten und stattdessen eine Runde Fahrrad um den See fahren.

Klingt jetzt asketisch?

Nun ja. Meine Urlaube verliefen früher so. Zum Beispiel mein Urlaub in Südwestfrankreich 2001, nach dem Abi. Morgens Gymnastik und Bibel. Frühstück ohne Kaffee. Dann ein Plätzchen suchen, an dem man gut etwas malen oder schreiben kann. Farben und Schreibsachen hatte ich immer in meinem Rucksack, egal wohin es ging. Den Mittag, wenn es zu heiß war, drinnen verbringen, mit einer Musikkassette (ja, so altmodisch war ich da noch, aber ich hab ja heute auch kein Spotify) oder mit einem Roman (den ich von zu Hause mitgebracht oder sogar erst im Urlaub gekauft hatte, dann war der eben komplett auf Französisch, egal. Lernt man ja beim Lesen). Nachmittags konsequent schwimmen gehen oder Fahrrad fahren, am besten beides. Nie ohne die Kamera aus dem Haus. Abends Wein. Dann ins Bett.

Das Ganze funktioniert nicht erst seit gestern nicht mehr, aber es muss so etwa sechs Jahre her sein, dass meine Fähigkeit, mich in meiner Freizeit sinnvoll zu beschäftigen, langsam verlorengegangen ist.

Vor 2009, also vor den Kindern, hatte ich immer eine halbe Stunde hier, eine halbe Stunde da zur Verfügung, um zu einem Buch, einem Stift zu greifen. Lesend und schreibend Neues zu entdecken, eins mit mir zu sein. Ach was, viel mehr als halbe Stunden waren das! Selbst auf einem lauten und vollen Festival konnte ich mich mal für eine Stunde am Stück im Zelt verkriechen und den Tag Revue passieren lassen, reflektieren, was passiert war, wie ich dazu stehe und was ich am morgigen Tag gerne machen möchte.

Jetzt muss ich in meiner Freizeit (ja, nicht nur dann, aber dann auch) das Geschirr von fünf Leuten sauber kriegen, darüber nachdenken, was diese in drei Stunden wieder essen wollen könnten, ich muss gleichzeitig über drei verschiedene Kindergarderoben informiert sein, zum Beispiel: Wenn wir jetzt zum Strand gehen, sind dann nicht nur die drei Kinder da, sondern auch die drei Kinder-Sonnenhüte und die drei Kinder-Badeanzüge und die drei Kinder-Badehandtücher? Haben alle ihre Zahnbürsten mit und putzen sie die Zähne auch? Hat jeder etwas altersgerechtes zum Vor- oder Selberlesen dabei? Reicht der Windelvorrat noch? Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Tja nun, und in der dann noch verbleibenden freien Zeit muss ich schlafen, schlafen, schlafen. Oder arbeiten.

Meine geliebten Urlaubs-Beschäftigungen wiederzubeleben, ist mit drei Kindern natürlich nicht so einfach. Aber vielleicht geht es ja, wenn ich im Urlaub auf meine Inspirations- und Informationsquelle Internet verzichte. Ich will mich nicht von Neuigkeiten im Pixelformat inspirieren lassen, die nur ein paar Sekunden oder Minuten Bedeutung für mich haben. Sondern von der Natur und von den Menschen um mich herum.

Da ich jetzt aber fast Angst bekomme, dass ich dann im Urlaub nichts zu tun haben werde, so ganz ohne Internet, bestelle ich jetzt ein paar Bücher, die ich in meinen Koffer packen will. Außerdem sehe ich mal nach, wie komplett meine Aquarellfarben noch sind und kaufe mir mindestens noch ein neues Zeichenbuch.

Habt ihr noch Freizeitbeschäftigungen, die eure eigenen sind?
Wer lässt diesen Sommer auch sein Handy zu Hause?
Und wer geht einfach ohne Handtücher und Zahnbürsten in den Urlaub?