Lieber guter Weihnachtsmann. Nimm dich unserer Sachen an

Vor zwei Wochen haben meine Kinder ein Spiel gespielt, das sie bisher täglich gespielt haben. Sie haben eine Spielzeugkiste nach der anderen aus dem Regal genommen, ausgeleert und das Ausgeleerte dort liegengelassen, wo es gerade hingekippt worden war. Dann haben sie die Verkleidungen, das Arztzubehör, Teile der Holzeisenbahn, die Duplo-Steine, Buntstifte und Bücher ein klein wenig verstreut, sodass sie zwar nicht zu weit auseinanderlagen, aber gerade so weit voneinander entfernt, dass das Zusammensammeln über eine halbe Stunde in Anspruch genommen hätte.

Früher habe ich immer die beiden Kleinen (die die Hauptverursacher sind, nehme ich an) zum Mitaufräumen animiert. Früher, da hätten wir wohl eine Stunde lang gemeinsam aufgeräumt und uns dabei gestritten, wer schuld ist an der ganzen saudummen Aufräumerei.

Darauf habe ich jetzt keine Lust mehr. Also habe ich einen Wäschekorb genommen und alles, was auf dem Boden lag, da reingelegt. Das einzige Kriterium, um in den Wäschekorb zu kommen, war „es liegt auf dem Boden“.

Dann stand der Wäschekorb ungefähr eine Woche lang draußen auf dem Balkon. Der Wäschekorb stand in Sichtweite für alle. Am ersten Morgen dachte ich noch blauäugig, dass jetzt gleich die Forderungen kämen. „Mama, ich will mit der Eisenbahn spielen, ich will den Helm aus der Kiste da haben, warum sind meine Duplosteine da draußen?“ oder so ähnlich. Aber nichts dergleichen geschah.

Ein bisschen vorwurfsvoll stand der Wäschekorb da draußen herum, aber das bemerkte nur ich. Ich versuchte meinen Kindern zunächst noch ein schlechtes Gewissen zu machen mit Sätzen wie „Das steht jetzt alles da draußen, weil ihr nicht aufgeräumt habt. Und jetzt kriegt ihr das nicht wieder“.

Sie nickten nur und liefen ins Kinderzimmer. Dass dort die Hälfte fehlte, fiel ihnen gar nicht auf. Ihnen fielen sogar neue Spiele ein. Zum Beispiel war in der Kiste mit dem Holzspielzeug nur noch der Bodensatz übrig. Eines der Kinder kippte auch den aus, machte einen schönen kreisrunden Haufen und tat so, als würde es ihn anzünden: „Lagerfeuer“.

Als das Spiel vorbei war, weigerte ich mich, auch diesen, zugegeben kleinen, Spielzeugberg aufzuräumen. Das Lagerfeuer wurde durch die Füße der Hindurchlaufenden immer weiter auseinandergeschoben. Bald waren alle Steine hinter die Betten und Regale getreten. Der Vorgang nahm zwar zwei Tage in Anspruch, hatte aber den großen Vorteil, dass niemand aufräumen musste.

Das nächste Spiel hieß: „Mama, du bist ein Kuchen. Leg dich mal auf den Boden.“ Ich lege mich hin. Rührbewegungen über meinem Bauch. „So jetzt bist du tot.“ Biss ins Knie. Danach durfte das Kind auch mal ein Kuchen sein. Ich dekorierte es mit Mandarinenspalten, was total praktisch war, denn die aßen wir am Ende des Spiels auf. Danach standen wir selbst vom Boden auf, und so mussten wir nichts aufräumen.

P.S.

Wegen des schlechten Wetters haben wir den Wäschekorb doch wieder reingeholt und ganz ans Ende vom Flur geschoben. Die Kinder können in den ausrangierten Dingen keine sinnvollen Spielzeuge mehr erkennen (haben sie ja aber vorher auch nicht). Sie haben angefangen, ein Utensil nach dem anderen aus dem Korb zu reißen und auf den Boden zu werfen und mit Kickbewegungen durcheinanderzumischen.

Da habe ich den Korb in den Wäscheraum geschoben und die Tür zugemacht.

Wenn heute Nacht der Nikolaus kommt, soll er bittebitte den Korb einfach mitnehmen.

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