Fifferlotta: Kindermode aus dem Schwarzwald

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Landkind im Schlafanzug von Fifferlotta

Gleich vorweg: Nein, das hier ist keine Werbung oder sonstige Kaufempfehlung. Ich zeige euch hier nur das Unikat eines sehr, sehr schönen (wunderschönen!) weichen!!! Schlafanzugs für Kinder, der vom Stoffeinkauf bis zur letzten Naht in Baiersbronn / Nordschwarzwald hergestellt wurde.

Es ist ja nicht so, dass sich hier im dunklen Tal eine ausgewachsene Näh- oder gar Modeszene treffen würde. (Wobei, ein paar Täler weiter gibt es das Label Waldwerk. Waldwerk hat auch Sachen für Kinder, und zwar Hoodies und T-Shirts mit Schwarzwald-Optik. Ja, und auch auf Artwood lohnt es sich, herumzustöbern, hier gibt es Oberbekleidung für Erwachsene und Kunstfotografie. Und vor allem für Mütter von Babys interessant ist Mania Stillschal – eine Kreation aus Freudenstadt.)

Aber eigentlich werkeln wir hier auf dem Land alle nur so vor uns hin, nach Feierabend, an Samstagen, und häufig wird dabei das eigene Haus instand gesetzt oder für die Familie genäht.

Die Kindermode von Prisca Irmscher geht da einen Schritt weiter.

Freunde und Freundevonfreunden sind begeistert von Priscas Nähkünsten. Zu Recht. Immer wieder bekommt Prisca Anfragen nach neuen Stücken wie Hosen, Mützen, Lätzchen, Pullis, Kleidchen, Krabbelschuhen aus Leder, Windeltaschen, Wickelunterlagen, Schlüsselanhängern und Einkaufswagenchiptäschchen. Und „wenn’s die Zeit erlaubt, nähe ich auch Taschen für Muddi“, sagt Prisca, die selbst zwei Kinder, zwei Jobs und einen Hund hat.

Priscas Hobby-Label trägt den sehr süßen Namen „Fifferlotta“. Ein Name, der wie Prisca aus einem dunklen Graubündener Tal in der Schweiz stammt: „Fifferlotta“ bedeutet dort nämlich „Lausemädchen“. Ich habe mich sofort verliebt!

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Fifferlotta steht für Mode, die den Alltag von Müttern und Babys hübscher und bunter macht – und dabei praktisch bleibt.

Stoff: Tipp-Tapp-Stoffe aus Baiersbronn / Obertal
Wer an weiteren Unikaten von Fifferlotta interessiert ist, schreibt einfach der Prisca: prisca.irmscher@email.de.

Wenn es eine interessante Mode-Entwicklung im (Nord-) Schwarzwald gibt, von der ich noch nicht gehört habe (und das ist ziemlich wahrscheinlich), schreibt hier einen Kommentar hin! Ich werde gerne berichten, sofern es um Mode für Kinder oder Eltern geht.

Dieser Beitrag enthält keine Werbung. Ich schreibe über das, was mir gefällt ohne Gegenleistung, und setze Links auf Webseiten, wie es mir gerade passt.

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Initiationsritus. Warum es dazu jetzt zu spät ist

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Lieber Nordschwarzwald, liebes Dörflein R.,

wenn ich etwas jünger und formbarer gewesen wäre,  hättet ihr mich jetzt. Ihr hättet mich durch eure Herzlichkeit, eure Unbestechlichkeit, eure Lieder. Ich habe hier schon mehrmals „der Mond ist aufgegangen“ in Gruppen von >50 Personen gesungen. Der Wald steht abends wirklich schwarz und schweiget.

Ihr hättet mich besonders durch die Natur. Ihr das Holz abzuringen, ihr Heu einzuatmen, das hätte mich schon längst gepackt.

Wer hier nicht mit dem Unimog in den Wald fahren kann, der kann dorthinein joggen oder sich dort die romantischsten Sonnenaufgänge und -untergänge vor die Kameralinse holen. Wer hier kein Heu macht, nicht fliegenfischt, keine Pferde sein eigen nennt, hat trotzdem täglich damit zu tun, grüßt den Heuwender, den Fliegenfischer, den Pferdeheimbringer. Und auch wer wie ich kein Beil halten kann und bei Motorsäge nur Bahnhof versteht, der versteht dennoch, was es heißt, der Natur das Holz abzuringen.

Man sieht und man BEGREIFT, wie das Holz ganzjährig in langsamen, zeitlupenartigen Bewegungen gefällt, gelagert, gewässert, geschält wird. Wie Stamm für Stamm, Brett für Brett, Scheibe für Scheibe freigelegt, gestapelt und schließlich seiner Verwendung zugeführt wird. Man sieht einen Zaun, einen Bretterstapel, ein Lagerfeuer oder einen Stock, an dem ein Kind herumschnitzt und spürt KÖRPERLICH jede einzelne Minute, die es gedauert hat, bis das Holz dieser Verwendung zukommen konnte.

Manche stehen 9 Monate im Jahr eine halbe Stunde früher auf, um das Holz im großen Ofen zu schüren, der das ganze Hause warm hält.

Dieses frühe Aufstehen entfällt nun. Es ist Juli. Mit etwas Glück muss erst im Oktober wieder geheizt werden. Dafür schart man sich nun abends um die Lagerfeuer.

Jeder Scheit, der in den Feuern verbrennt, ist schon lange vorher gestapelt, gespalten, gelagert, gefällt worden. Jeder Scheit verbrennt mit dieser Stille, mit der auch der Wald still dasteht und schweigt. In dieser Stille steckt eine unglaubliche Kraft. Man kann ihr nur zusehen, aber niemals, niemals ein Teil von ihr werden.

Ich bin nicht mehr 20, und ich bin nicht aus freien Stücken hier. Ich bin nur zu Gast und werde es für immer sein. Ich will hier eigentlich gar nichts. Ich will nur eines: es meinen Kindern hier so angenehm wie möglich machen. Sie sollen die weiten, duftenden Wiesen, die seltsam lebendigen Waldmaschinen, den Wald bei Sommer und bei Winter lieben. Sie lieben das alles schon jetzt, ungebeten und spontan und tief überzeugt.

Ich will sie aber auch stark machen für das, was zu einem späteren Zeitpunkt kommen wird. Ich will ihnen zeigen, dass dieses Landleben nur eine Option unter vielen ist. Dass es in den meisten Teilen der Welt anders zugeht. Dass das meiste, was hier selbstverständlich ist, es anderswo keineswegs ist. Dass das, was wir hier erleben, woanders zwar genauso möglich ist, dort aber immer nur eine Möglichkeit unter vielen bleibt.

Manchmal, da will ich meine Kinder aber auch einfach nur in Ruhe lassen. Sollen sie doch alles für eine Selbstverständlichkeit erachten, Kinder machen das doch eh. Dass sonntags fast alle in die Kirche gehen? Geschenkt. Dass mittags die fürsorgliche Oma oder Mama nicht nur manches Mal, sondern immer kocht? Selbstverständlich. Dass der Vater, der Onkel, der Großvater entweder in einem renommierten Unternehmen schafft, oder Lehrer oder Pfarrer ist? Ist doch normal. Dass jede Aktion, die für die Kinder bereitgehalten wird, entweder in einer Kirche oder in einem Verein stattfindet, de facto aber von den eigenen Eltern, den älteren Geschwistern, einem Onkel oder einer Tante durchgeführt wird? Immer.

Irgendwann werden meine Kinder dann selbst an so einem Lagerfeuer sitzen und zusammen mit ihrem Verein, ihrer Kirche, ihren Nachbarn, wahrscheinlich einer Mischung aus allen, den Initiationsritus begehen. Sie werden singen und sich verlieben und sich für immer, immer an ihre Heimat binden. Und auch, wenn sie sie später für immer verlassen sollten, wird ihr Herz doch im Nordschwarzwald im Dörflein R. bleiben.

Für mich ist es dazu schon zu spät.