Coronatagebuch Tag #25

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Züge, lese ich, seien jetzt viel öfter pünktlich. Der Grund dafür sei, dass kaum noch Reisende ein- oder aussteigen. OK.

Was interessieren mich Züge. Lange nicht mehr in einem gesessen.

Ich habe heute ideale Homoffice-Bedingungen. Die Kinder beschäftigen sich selbst. Überhaupt beschäftigen sie sich immer öfter alleine, seit außerhalb der eigenen vier Wände keine Spielplätze, Schwimmbäder, Spielfreunde mehr locken. Sie nehmen sich Malbuch, Legokiste, Schere oder Buch und verschwinden in ihre Ecken. Ich kann mich nicht erinnern, „spielst du mit mir“ oder „ich weiß nicht was ich machen soll“ während der letzten 24 Tage gehört zu haben.

Sogar die unfertigen Matheaufgaben werden (ein wenig widerwillig) fortgeführt. Es sind ja jetzt Ferien, offiziell.

Ich schreibe einen Text zu Ende und schicke ihn ab. Mein Mann liest sich unterdessen tiefer und tiefer in die Schichten der Permakultur ein. Egal was ich ihn frage, seine Antwort lautet entweder „Stickstoff“, „Beinwell“ oder „mehrjährig“. Am Ende des Vormittags steht, nach tagelanger Beschäftigung mit der Theorie, eine Liste mit Samen und Pflanzen, die wir anscheinend benötigen.

Mann und große Tochter fahren zum Bauhaus und zur Gärtnerei und kommen Stunden später mit Pflanzen, Samentüten und Bäumen wieder.

Es zeichnet sich ab, in was wir die gesparten April-Kita-Gebühren reinvestieren: in Obstbäume. Und in eine Spende nach Circasia/ Kolumbien. Wir sind um dreieinhalb Ecken mit Leuten verwandt, die dort wohnen. Sie (oder ihre Nachbarn) sind so arm, dass die Ausgangssperre sie hart trifft. Sie müssen eigentlich täglich für Gelegenheitsjobs aus dem Haus, und um Essen zu ergattern. Jetzt dürfen sie nur noch 1x pro Woche raus, öfter das Haus zu verlassen ist verboten. Von der Spende kauft ihnen der CVJM vor Ort Lebensmittel und beliefert sie regelmäßig damit.

Wir gehen in den Garten, fegen einen Bruchteil des ganzen Staubs weg (es ist supertrocken, Regen nicht in Sicht, dazu kommt aber gar nichts in den Nachrichten), geben dem Rasen sein Wasser, hören Musik mit der JBL Box, schaukeln in Schaukel und Hängematte und sehen der Sonne beim Untergehen zu.

Heute sind es 102.024 Infizierte in Deutschland (curve flattet sich auf jeden Fall schon), 28.700 sind wieder gesund und 1695 sind gestorben.