Unser Kiez. Oder: Unser Dorf und wir

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Wenn ich meinen Sohn in den Kindergarten bringe, muss ich einmal quer durch den Kiez. Ne, Spaß. Wenn ich meinen Sohn in den Kindergarten bringe, und es ist einer der seltenen Tage, an denen mir die vielen Steigungen nichts ausmachen und an denen es nicht regnet, dann fahre ich mit dem Fahrrad durch unser wunderschönes Dorf.

Zuerst kommen wir durchs Sägewerk. Das ist für kleine Kinder eine Attraktion, aber nicht nur für die. Auch wir Großen staunen, wenn wir den Forwarder auf Schienen hin- und hergleiten sehen, geräuschlos fast, hörbar nur das Poltern der ganzen Stämme, die er hin- und herwirft. Jeden Werktag, von halb 7 bis 18 Uhr oder später gleitet der Riese hin und her, im Dunkeln ausgestattet mit hellen Scheinwerfern.

Wir fahren quer durch das Sägewerk, weichen den Seitenstaplern aus, den Schlange stehenden Lkw aus aller Welt und dem Radlader, der so riesengroß ist, dass er ein ganzes Wohnzimmer wegschieben könnte. Das macht er aber nicht, sondern er schaufelt täglich Berge von Sägespänen in Lkw hinein, die brummend und schnaufend damit talabwärts verschwinden.

Dann fahren wir an der Wiese mit den Kühen vorbei. Zwei Kühe sind es. Immer. Bis auf die wenigen Tage, an denen sie nicht zu sehen sind. Dann sagt mein Sohn: „Die Kühe sind im Stall“, und die Welt ist für ihn in Ordnung. Manchmal sehen wir weiter weg auch zwei Pferde.

Im Winter ist die Wiese überschwemmt. Sie kann Teil eines Flussbetts werden. Im Sommer macht die Familie Z. dort Heu, mit unterschiedlichen kleineren Maschinen und einer Heugabel.

Dann kommen wir an den zwei Schweinen vorbei. Ich weiß gar nicht, zu wem sie gehören. Vielleicht gehören sie zu dem betreuten Wohnen, einem Haus mit stillen Bewohnern, die manchmal laut Musik hören, und die auch Enten, Hühner und Hasen besitzen. Die Schweine sind schonmal ausgebüxt. Auch die Pferde. Und auch die Ziegen, eine ganze Herde. Aber ich schweife ab.

Nach den Schweinen fahre ich einen Fußweg entlang, der eigentlich zu schmal ist für mein Fahrrad und komme zu den Gasthäusern. Es sind zwei, beide sind nicht mehr in Betrieb. Das eine ist ochsenblutrot gestrichen und steht in einem alten Obstgarten. Fast könnte es die Villa Kunterbunt sein, wenn darin nicht ein Paar seine alten Tage verlebte.

Das andere Gasthaus ist größer und hässlicher, bietet aber Potenzial für alles Mögliche, finde ich. Daher war es auch bei Immoscout so schnell weg, als Schnäppchen. Kurze Zeit später wurde das leerstehende Gebäude mit Benzin übergossen und angezündet, der Brand konnte aber so schnell gestoppt werden, dass man dem Gebäude von außen nichts ansieht.

Damals, an der Jahreswende 2015/16, Flüchtlingswelle und so, da hätte ich das mehr als fahrlässige Zündeln sofort in Richtung „rechte Gewalt“ geschoben. Denn der alte Gasthof stand im Gespräch, ein Heim für Flüchtlinge zu werden, angeblich war der neue Besitzer dem nicht abgeneigt. Um herauszufinden, was der Grund für die (versuchte) Brandstiftung nun war, müsste ich vermutlich eine Sage schreiben. Eine Schwarzwaldsage, bei der sich alle gruseln, die aber alles erklärt.

Dann kommt der Bahnübergang und dann die Holzbrücke über den Fluss. Das ist meine Lieblingsstelle. Im Sommer feiern wir auf der Brücke. Ich weiß zwar nicht so genau wieso, aber es gibt Wurst und Bier und es gibt Feuerwehrleute, die braten und ausschenken. Es gibt auch Blasmusik, es gibt Kuchen, es gibt ein Feuerwehrfahrzeug, das mit den Kindern Runden fährt. Die Kinder stehen mit den nackten Beinen im Fluss, und die Großen sitzen auf derselben Bierbank wie im Jahr davor, mit denselben Bekannten am Tisch, so als wäre zwischen dem letzten Sommer nicht ein Jahr sondern nur eine Stunde vergangen.

An den weniger heißen Tagen stehen die Fliegenfischer ganz in schwarzen Gummisachen im Fluss und fangen Forellen. Jetzt im Winter ist der Fluss oft ein wahnwitziges Gebräu, das Äste und Einkaufswagen ablädt.

In der Adventsszeit führt auch der Adventsweg über die Brücke, die zwei Teile eines Dorfes oder zwei Teil-Dörfer miteinander verbindet. Dann sind an allen Pfosten Zweige festgemacht, überall flackern Teelichter und Kunstbelichtung, und alle haben es schön, oder wollen es zumindest schön haben.

Ich überquere die Bundesstraße und komme noch an drei Häusern vorbei, bevor der Weg abbiegt hinauf zur Kirche, neben der unser Kindergarten steht. Das letzte Haus am Waldrand zieht stets meinen Blick auf sich, denn einmal ganz rundherum türmen sich – Dinge. Autoreifen, Spielzeug, Bücher, Gartengeräte, Teile für irgendwas, Krims und Krams. Es sind Türme, ganze Städte.

Das erinnert mich immer an eine Nachbarin in meiner ehemaligen Heimatstadt, die sich nicht trennen konnte, oder zumindest: die nichts wegwerfen konnte. Alles, alles was sie auf Flohmärkten geschenkt bekam, stellte sie in den Vorgarten ihres Mietshauses, ausdrücklich zum Wegnehmen. Das waren meist alte Bücher und Keramik. Aber immer mal wieder waren auch Kindersitze, Hochstühle, Babybadewannen und größere Spielzeuge mit dabei. Das rissen wir Neu-Eltern natürlich an uns, versteht sich.

Jetzt biege ich ab, Wald rechts, Fluss links, und fahre hinauf zur Kirche, die meinen Kindern viel Begeisterung entlockt. Sie wird liebevoll „Ding-Dong“ genannt. Da sie an den Kindergarten angrenzt, läutet sie hier immer besonders LAUT. Dann heißt es „DING-DONG!!!“ (gebrüllt).

Ja, bei uns ist was los.

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Ich freue mich, dass dieser Beitrag teilnehmen durfte in der Reihe #kiezmitkind bei Mami Rocks. Hier geht der Artikel, wie er bei Mami Rocks erschienen ist: http://mamirocks.com/leben-mit-kindern-im-schwarzwald-oder-mein-dorf-und-ich/

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Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Ein 5. Januar im Schwarzwald #wmdedgt

 

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Die erste Januarwoche ist wie alle ersten Januarwochen. Die Weihnachtsferien sind irgendwie schon zu lang. Irgendwie haben alle Grippe. Der Dezember-Schnee ist verschwunden. Stattdessen hat es die letzten Tage so heftig geregnet, dass es tagsüber gar nicht mehr richtig hell wurde. Heute ist der erste glasklare Tag seit Jahresbeginn.

Das Ergebnis des Regens kam heute Nacht, als unser Dorf vom Rest der Welt abgeschnitten war wegen eines tobenden Bachs. Meine Familie, die einkaufs- und arztterminhalber am Nachmittag mehrere hundert Kilometer zurückgelegt hatte, musste das Auto unten stehen lassen und zu Fuß über den Bahndamm waten, wo sie dann bei Freunden klingelten und in einem VW-Bus sicher nach Hause gebracht wurde.

Das Wasser wollte ich mir heute Früh aus der Nähe ansehen, aber es sah schon wieder recht friedlich aus, siehe Bild. Ich hatte mir meinen Sohn geschnappt, um runter zum geparkten Auto zu laufen. Irgendwie machen wir das diesen Winter öfters. Zweimal mussten wir das Auto schon wegen dichtem Schneefall und Glätte unten im Dorf stehenlassen.

Wir fanden das Auto wieder, das trocken geblieben war, und auch gar nicht abgeschlossen (pssst!), stiegen ein und fuhren in den nächsten und in den übernächsten Ort. Supermarkt, dm, Paketabgabestelle, Apotheke, Bäcker. Erst ganz am Schluss fiel mir ein, dass heute der letzte Tag vor zwei Feiertagen ist. Aber ich hatte nicht die geringste Lust, nochmal eine Runde durch die Läden zu machen und beschloss, dass des Einkaufens nun genug sein sollte.

Nachmittags spielten wir Pferd, Eisenbahn, Puppe, verschiedene Gesellschaftsspiele ab 2, und ich las etwas vor. Vorlesen macht mich sehr müde, wenn die Kinder dabei wild durcheinandergreifen, -rufen und -fallen, aber trotzdem unbedingt vorgelesen bekommen wollen. Es macht mich sehr, sehr, sehr müde. Die beiden Kleinen husten außerdem seit einer Woche um die Wette, haben Durchfall und leiden unter Stimmungsschwankungen. Mittlerweile fühle ich mich selbst von dem Virus lahmgelegt. Aber ich muss ja weiterlaufen. Habe gestern Nachmittag schon im Bett gelegen, und ein Nachmittag muss ja reichen, um krank zu sein.

Abends schreibe ich noch ein paar Termine für Januar und Februar in meinen Terminkalender. Es sind alles Termine, die sich um das älteste Kind drehen. Bei uns ist es üblich, dass die Eltern die Gruppen-Freizeitaktivitäten der Kinder selber durchführen. Wenn man will, dass sein Kind irgendwo dabei ist, wo auch andere Kinder sind, muss man also selbst etwas auf die Beine stellen. In der Regel bekommt man Unterstützung von der Kirche oder vom Sportverein, die die Örtlichkeit und die Rahmenbedingungen stellen. Den kirchlichen Unterricht (zum Beispiel Jungschar) oder das Training führen dann aber die Eltern durch. Wer nicht direkt eine Gruppe leitet, sollte sich ab und zu wenigstens um das leibliche Wohl kümmern. Mein Terminkalender füllt sich also mal wieder schnell mit Hinweisen wie „heute für 12 Leute backen!“, „heute 2 Euro mitgeben!“, „kleines Theaterstück einstudieren!“.

Die Maus hat sich heute schon wieder nicht fangen lassen. Seit drei Tagen lebt sie im oberen Klo, das wir seither nicht mehr betreten, ignoriert alle aufgestellten Fallen und zerfetzt Klopapier und Handtücher. So richtige Frotteehandtücher. Irgendwann gräbt sie noch ein Loch in die Fliesen, male ich mir gerade aus…

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? aka #wmdedgt ist eine Aktion von Frau Brüllen. Wer noch mehr Blogs über den 5. Januar lesen will, der klicke hier: http://bruellen.blogspot.de/2018/01/wmdedgt-0118.html

Ich lese mich jetzt ein bisschen durch die Blogs und gehe dann schlafen. Und ihr so?

Fifferlotta: Kindermode aus dem Schwarzwald

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Landkind im Schlafanzug von Fifferlotta

Gleich vorweg: Nein, das hier ist keine Werbung oder sonstige Kaufempfehlung. Ich zeige euch hier nur das Unikat eines sehr, sehr schönen (wunderschönen!) weichen!!! Schlafanzugs für Kinder, der vom Stoffeinkauf bis zur letzten Naht in Baiersbronn / Nordschwarzwald hergestellt wurde.

Es ist ja nicht so, dass sich hier im dunklen Tal eine ausgewachsene Näh- oder gar Modeszene treffen würde. (Wobei, ein paar Täler weiter gibt es das Label Waldwerk. Waldwerk hat auch Sachen für Kinder, und zwar Hoodies und T-Shirts mit Schwarzwald-Optik. Ja, und auch auf Artwood lohnt es sich, herumzustöbern, hier gibt es Oberbekleidung für Erwachsene und Kunstfotografie. Und vor allem für Mütter von Babys interessant ist Mania Stillschal – eine Kreation aus Freudenstadt.)

Aber eigentlich werkeln wir hier auf dem Land alle nur so vor uns hin, nach Feierabend, an Samstagen, und häufig wird dabei das eigene Haus instand gesetzt oder für die Familie genäht.

Die Kindermode von Prisca Irmscher geht da einen Schritt weiter.

Freunde und Freundevonfreunden sind begeistert von Priscas Nähkünsten. Zu Recht. Immer wieder bekommt Prisca Anfragen nach neuen Stücken wie Hosen, Mützen, Lätzchen, Pullis, Kleidchen, Krabbelschuhen aus Leder, Windeltaschen, Wickelunterlagen, Schlüsselanhängern und Einkaufswagenchiptäschchen. Und „wenn’s die Zeit erlaubt, nähe ich auch Taschen für Muddi“, sagt Prisca, die selbst zwei Kinder, zwei Jobs und einen Hund hat.

Priscas Hobby-Label trägt den sehr süßen Namen „Fifferlotta“. Ein Name, der wie Prisca aus einem dunklen Graubündener Tal in der Schweiz stammt: „Fifferlotta“ bedeutet dort nämlich „Lausemädchen“. Ich habe mich sofort verliebt!

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Fifferlotta steht für Mode, die den Alltag von Müttern und Babys hübscher und bunter macht – und dabei praktisch bleibt.

Stoff: Tipp-Tapp-Stoffe aus Baiersbronn / Obertal
Wer an weiteren Unikaten von Fifferlotta interessiert ist, schreibt einfach der Prisca: prisca.irmscher@email.de.

Wenn es eine interessante Mode-Entwicklung im (Nord-) Schwarzwald gibt, von der ich noch nicht gehört habe (und das ist ziemlich wahrscheinlich), schreibt hier einen Kommentar hin! Ich werde gerne berichten, sofern es um Mode für Kinder oder Eltern geht.

Dieser Beitrag enthält keine Werbung. Ich schreibe über das, was mir gefällt ohne Gegenleistung, und setze Links auf Webseiten, wie es mir gerade passt.

Ein Bett im Schwarzwald

6 Gründe, warum Eltern mit Airbnb vermieten sollten (keine Werbung)

Vorab: Airbnb ist diese Plattform zur privaten Vermietung von Gästewohnungen oder Gästezimmern.

Ich habe mit wenigen Klicks und ein paar Fotos aus meiner Kamera ein Inserat erstellt. Jetzt wohnen regelmäßig Urlauber bei uns. Fast immer sind es junge Paare, die im Schwarzwald wandern gehen. Tipps rund um Wanderwege und Gastronomie erhalten sie direkt von uns, ihren Gastgebern. Sie bezahlen keine Kurtaxe.

Lange haben wir gezögert, ob wir ein Zimmer unserer (jaja, zugegeben luxuriös großen) Wohnung aufgeben sollen. Wo soll denn dann unsere eigene Verwandtschaft unterkommen, wenn die mal zu Besuch sind? Und wohin sollen die größeren Kinder sich verkrümeln, wenn sie mal ein Video gucken oder mit Lego spielen wollen, ohne dass die Kleineren ihnen reinpfuschen? Und wann sollen wir das alles stemmen: das Inserat up-to-date halten, Gäste auswählen, Betten frisch machen, alles neben unserem eigenen Haushalts-Wahnsinn?

Doch dann gab es einen (kleinen) finanziellen Engpass, und so haben wir vor einem Monat beschlossen, unser Gästezimmer endlich zu inserieren. Ich betreibe hier keine Werbung für Airbnb, und ich kann die Plattform selbst auch nicht uneingeschränkt empfehlen. Dennoch, gerade für Familien in Elternzeit macht die (Unter-) Vermietung eines Zimmers ziemlich viel Sinn!

Ich finde jedenfalls, wie hätten schon viel früher damit anfangen sollen! Warum? 6 Gründe, warum Eltern mit Airbnb vermieten sollten:

  1. Es macht kaum zusätzliche Arbeit. Eltern, die viel zu Hause sind bzw. in Elternzeit, rennen den ganzen Tag zwischen Waschmaschine, Wickeltisch und WLAN hin und her. Nebenher noch ein Gästezimmer zu saugen und ab und zu mal die Airbnb-App zu checken ist, verglichen mit dem abendlichen Aufräumen des Kinderzimmers oder der Putzaktion des Hochstuhls, wirklich ein Klacks.
  2. Die Waschmaschine läuft sowieso schon. OK, jetzt kommen noch ein paar Gästebettbezüge und Gästehandtücher dazu. Doch: ein paar Wäschen hin oder her, zählen wir da überhaupt noch mit? Die Waschmaschine darf halt nicht schlapp machen.
  3. Die Welt kommt zu uns ins Wohnzimmer. Wenn man Kleinkinder hat, ist man oft und viel zu Hause. Ja, das ist langweilig. Immer schläft gerade ein Kind, oder ist krank, oder alles spielt gerade so schön, macht Hausaufgaben, oder man muss selbst dringend schlafen. Und schon ist der Tag wieder rum, ohne dass man vor die Tür gekommen ist. Von abendlichen Ausgängen ganz zu schweigen. Gerade in diesem extrem auf das Haus konzentrierten Lebensabschnitt gibt es nichts Schöneres, als die Welt zu sich nach Hause zu holen! Wir haben mit unseren Gästen spontan Pizza gegessen oder Pilze und Esskastanien aus dem Wald gekostet. Wir haben ganze Abende mit unseren Gästen verquatscht. Das war, anders als ich zunächst befürchtet hatte, kein bisschen anstrengend. Im Gegenteil. Wir brauchten dazu auch keine WhatsApp-Verabredungen, keinen Babysitter und konnten die Hausschuhe einfach anlassen.
  4. Es kommen noch mehr Freunde und Verwandte als vorher. Der Platz für die eigenen Verwandten und Freunde wird nicht weniger, im Gegenteil. Denn: nicht immer ist ein Airbnb-Gast da. Viele Tage steht das aufgehübschte Gästezimmer auch einfach nur leer rum. Freunde und Verwandte kucken sich das im Internet an. Und plötzlich checkt es jeder: da gibt es ein nettes, aufgeräumtes Zimmer mitten in einem Feriengebiet. Und jetzt will jeder mal zu Besuch kommen. Das ist schön!
  5. Der eigene Alltag wird relativiert. Seit gut anderthalb Jahren leben wir hier auf dem Land. Und nein, ich bin nicht ganze Nachmittage, Abende oder Wochenenden damit beschäftigt, die Hochzeit der Kusine aus dem Nachbardorf auszurichten und mit Schwester, Mutter, Freundin spazieren, joggen, Kuchen essen zu gehen. Das, was andere Mütter so machen, die hier aufgewachsen sind und sich hier prima auskennen. Gut, sicher bin ich (sind wir) auch etwas zu zurückhaltend oder zu selbstverliebt, um uns in das Leben hier zu stürzen. Sicher wiegt die Erinnerung an das Zurückgelassene, die alte Heimat, zu schwer. In Kontakt mit anderen Reisenden, Fremden zu treten, das tut in solch einer Situation gut. Wir sind trotz unseres überschaubaren Wissens über die Gegend für einen kurzen Moment die Welterklärer für unsere Gäste, die aus Spanien, Belgien, Frankreich zu uns in den Schwarzwald kommen. Im Gegenzug erfahren wir Einzelheiten zum Beispiel aus dem Künstlerleben Mallorcas. Ferne Orte sind plötzlich ganz nah. Wir sprechen wieder Englisch und Französisch. Mitten im Schwarzwald zu leben fühlt sich nicht mehr absolut, sondern relativ an. Und falls es einmal doch nicht ganz so nett mit einem der Gäste sein sollte (was bisher nie vorgekommen ist): Für den Rest des Lebens wird man nichts mehr voneinander hören.
  6. Man kann Geld verdienen. Der ursprüngliche Grund, warum wir als Eltern vermieten: das Geld! Mit Vermietung an Urlauber kann man kleinere Lücken mit geringem Aufwand wieder stopfen, was als Arbeitende/r in Teilzeit oder Elternzeit mitunter notwendig werden kann. Mit Airbnb ist dieses Hinzuverdienen auch noch erschreckend einfach. Mit der Zusage, die Gast und Gastgeber einander geben, steht der Preis fest. Einen Tag nach Eintreffen des Gastes wird die Summe auf mein Konto überwiesen. Kein Bargeld, keine Nachzahlungen, kein Gewese mit dem Gast über vorzuschießende oder zurückzuzahlende Kaution, der Gast muss im Ausland nicht an einen Bankautomaten, ich brauche kein Wechselgeld, kurz: ich verdiene Geld, ohne es zu bemerken. Fast ein bisschen unheimlich.

Initiationsritus. Warum es dazu jetzt zu spät ist

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Lieber Nordschwarzwald, liebes Dörflein R.,

wenn ich etwas jünger und formbarer gewesen wäre,  hättet ihr mich jetzt. Ihr hättet mich durch eure Herzlichkeit, eure Unbestechlichkeit, eure Lieder. Ich habe hier schon mehrmals „der Mond ist aufgegangen“ in Gruppen von >50 Personen gesungen. Der Wald steht abends wirklich schwarz und schweiget.

Ihr hättet mich besonders durch die Natur. Ihr das Holz abzuringen, ihr Heu einzuatmen, das hätte mich schon längst gepackt.

Wer hier nicht mit dem Unimog in den Wald fahren kann, der kann dorthinein joggen oder sich dort die romantischsten Sonnenaufgänge und -untergänge vor die Kameralinse holen. Wer hier kein Heu macht, nicht fliegenfischt, keine Pferde sein eigen nennt, hat trotzdem täglich damit zu tun, grüßt den Heuwender, den Fliegenfischer, den Pferdeheimbringer. Und auch wer wie ich kein Beil halten kann und bei Motorsäge nur Bahnhof versteht, der versteht dennoch, was es heißt, der Natur das Holz abzuringen.

Man sieht und man BEGREIFT, wie das Holz ganzjährig in langsamen, zeitlupenartigen Bewegungen gefällt, gelagert, gewässert, geschält wird. Wie Stamm für Stamm, Brett für Brett, Scheibe für Scheibe freigelegt, gestapelt und schließlich seiner Verwendung zugeführt wird. Man sieht einen Zaun, einen Bretterstapel, ein Lagerfeuer oder einen Stock, an dem ein Kind herumschnitzt und spürt KÖRPERLICH jede einzelne Minute, die es gedauert hat, bis das Holz dieser Verwendung zukommen konnte.

Manche stehen 9 Monate im Jahr eine halbe Stunde früher auf, um das Holz im großen Ofen zu schüren, der das ganze Hause warm hält.

Dieses frühe Aufstehen entfällt nun. Es ist Juli. Mit etwas Glück muss erst im Oktober wieder geheizt werden. Dafür schart man sich nun abends um die Lagerfeuer.

Jeder Scheit, der in den Feuern verbrennt, ist schon lange vorher gestapelt, gespalten, gelagert, gefällt worden. Jeder Scheit verbrennt mit dieser Stille, mit der auch der Wald still dasteht und schweigt. In dieser Stille steckt eine unglaubliche Kraft. Man kann ihr nur zusehen, aber niemals, niemals ein Teil von ihr werden.

Ich bin nicht mehr 20, und ich bin nicht aus freien Stücken hier. Ich bin nur zu Gast und werde es für immer sein. Ich will hier eigentlich gar nichts. Ich will nur eines: es meinen Kindern hier so angenehm wie möglich machen. Sie sollen die weiten, duftenden Wiesen, die seltsam lebendigen Waldmaschinen, den Wald bei Sommer und bei Winter lieben. Sie lieben das alles schon jetzt, ungebeten und spontan und tief überzeugt.

Ich will sie aber auch stark machen für das, was zu einem späteren Zeitpunkt kommen wird. Ich will ihnen zeigen, dass dieses Landleben nur eine Option unter vielen ist. Dass es in den meisten Teilen der Welt anders zugeht. Dass das meiste, was hier selbstverständlich ist, es anderswo keineswegs ist. Dass das, was wir hier erleben, woanders zwar genauso möglich ist, dort aber immer nur eine Möglichkeit unter vielen bleibt.

Manchmal, da will ich meine Kinder aber auch einfach nur in Ruhe lassen. Sollen sie doch alles für eine Selbstverständlichkeit erachten, Kinder machen das doch eh. Dass sonntags fast alle in die Kirche gehen? Geschenkt. Dass mittags die fürsorgliche Oma oder Mama nicht nur manches Mal, sondern immer kocht? Selbstverständlich. Dass der Vater, der Onkel, der Großvater entweder in einem renommierten Unternehmen schafft, oder Lehrer oder Pfarrer ist? Ist doch normal. Dass jede Aktion, die für die Kinder bereitgehalten wird, entweder in einer Kirche oder in einem Verein stattfindet, de facto aber von den eigenen Eltern, den älteren Geschwistern, einem Onkel oder einer Tante durchgeführt wird? Immer.

Irgendwann werden meine Kinder dann selbst an so einem Lagerfeuer sitzen und zusammen mit ihrem Verein, ihrer Kirche, ihren Nachbarn, wahrscheinlich einer Mischung aus allen, den Initiationsritus begehen. Sie werden singen und sich verlieben und sich für immer, immer an ihre Heimat binden. Und auch, wenn sie sie später für immer verlassen sollten, wird ihr Herz doch im Nordschwarzwald im Dörflein R. bleiben.

Für mich ist es dazu schon zu spät.

Stillen im Café oder: Hipster 2.0

Neulich bin ich in meinem derzeitigen Lieblingscafé gewesen und es ist noch mehr zu meinem Lieblingscafé geworden.

Aber der Reihe nach.

Wir, die Eltern, atmen gerade ein wenig arbeitsfreiere Luft. Wir gehen jetzt manchmal mitten in der Woche schwimmen. Oder wir setzen uns früh um halb 9 ins unser Lieblingscafé mitten im Dorfkern, oder heißt das politisch korrekter Ortskern. Wir sind um diese Uhrzeit die einzigen. Alle anderen schaffen, ob auf der Arbeit oder in Haus und Hof. Und alle jungen Mütter, die mit Baby unterwegs sind, scheinen lieber spazierenzugehen.

Wir stellen unseren Fahrradanhänger mit Baby drin in den Schatten und bestellen frisch gebackene Dinkelbrötchen, selbst gemachte Brombeermarmelade und ein frisches Stück Marmorkuchen (die Rezepte gibt’s hier). Das Mehl wird vor Ort gemahlen. Neben unserem Platz an der Sonne rauscht das Wasser für den Mühlenantrieb. Die Limonade, verfügbar in allen schrägen Geschmacksrichtungen, auch Cola, wird ganz lokal im Nachbartal hergestellt.

Unsere Hipsterherzen sind also befriedigt und wir finden alles schon genauso gut wie in der Stadt. Aber dann finden wir es hier auf einmal noch viel besser!

Das liegt daran, dass die Bedienung, eine Großmutter mit Brille, Charme und Schürze, von unserem Baby wie magisch angezogen ist. Zusammen mit ihrer Kollegin versucht sie, das Alter des Babys zu erraten und liegt gleich richtig. Als das Baby gestillt wird, erhalten wir ein strahlendes Lächeln: „Die Kleine muss ja auch satt werden!“. Und selbstverständlich passen beide Servicekräfte auch mal kurz auf das Baby im Anhänger auf, während die Eltern weg sind, und halten es solange bei bester Laune.

Das muss das neue hipster sein.

Wie sie es in Schwaben machen. Und wie sie es in Baden machen. Trigger-Warnung: Baden-Bashing

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Schwäbische Schwarzwaldfichte oder Badische Weintraube? Das Wappen von Sasbachwalden / Baden kann sich nicht so ganz entscheiden.

Seit ich hier im Schwäbischen wohne, und das immerhin schon seit einem Jahr, wird mir das Badische immer suspekter. Ich meine, was muss man alles sehen, wenn man an einem unbescholtenen Sams- oder Sonntag ins Badische hinüberfährt?

Da wohnen Leute, die an einem ganz normalen Samstagvormittag nicht schaffen. An einem Samstag!

Zu einer Uhrzeit, wenn ordentliche Leut auf den Wiesen und Holzplätzen und Vorgärten mit Sensen und Rindenschälern und Spitzhacken am Werk sind. Es wird Heu und Holz und eine neue Garageneinfahrt gemacht. Jawohl, alles mit der Hand. Muss ja alles fertig werden, bevor es Sonntag wird. Man fährt mit dem Fahrrad vorbei, auf dem Weg ins Badische, man grüßt, und man sieht: Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Nur ein paar Kilometer weiter flussabwärts rollt man über die Landesgrenze. Und sofort bietet sich ein ganz anderes Bild: Im Badischen, da versammeln sich am hellichten Tag Leute um die Tische ihrer Gärten und ihrer Cafés. Sie sitzen im Grünen, und sie sitzen am Straßenrand. Einfach so. Es fließt Alkohol, und das, der Lautstärke der Gespräche und des Gelächters nach zu urteilen, in rauen Mengen. Am hellichten Samstag, wohlgemerkt. Aber auch sonntags. An jedem Tag eigentlich.

Klar. Mr schaffet, und die, die besaufen sich! War klar, ne. Hat der Badenser denn keine eigene Wiese, keinen eigenen Forst, die er bestellen kann? Hat er nicht mal an seinem Haus etwas auszubessern? Nichts? Na dann, dann… müsste er sich doch einfach etwas ausdenken, was es zu schaffen gibt! Irgendwas!

Man sieht auch sofort, dass die Badenser lange nicht so geschickt sind wie die (fast hätte ich gesagt: wir) Schwaben. Schonmal einen badischen Holzhaufen gesehen? Nein? Umso besser, denn den traurigen Anblick erspare ich gerne jedem. Ich sage nur: Es gibt gleich lang hacken. Und es gibt nicht gleich lang hacken. Es gibt aufschichten. Und es gibt hinschmeißen. Für mehr traurige Details fehlen mir hier einfach die Worte.

Zum Straßenausbessern muss ich an dieser Stelle auch noch was sagen. Ich bin sie schließlich schon alle abgefahren, die Verbindungen zwischen Schwaben und Baden, mit dem Fahrrad und noch viel öfter mit dem Auto. Hier droben bei uns, da ist der Asphalt nämlich völlig in Ordnung. Wir bessern ja auch jedes Teilstück einer Landes- und Bundesstraße turnusmäßig aus, indem wir dieses Stück (je nach Länge) für einige Monate oder Jahre komplett sperren und in dieser Zeit einfach den Asphalt einmal komplett austauschen. Und zwar lange, bevor Risse und Schlaglöcher auftauchen. Was wir machen, machen wir richtig.

Was sie hingegen in Baden mit den Straßen machen, wollen wir gar nicht so genau wissen. Wir vermuten aber aufgrund des plötzlich auftretenden Gerüttels stark, dass Schlaglöcher hier mit Teerbatzen zugekleistert werden. Muss nicht weiter kommentiert werden.

Und dann muss ich an dieser Stelle unbedingt noch was über die Bahnübergänge sagen. Es fährt nämlich so ein Bähnle, von der Landeshauptstadt der Badenser etwa anderthalb Stunden bergan, bis es auch bei uns (huch!) Schwaben ankommt. Nimmt man nicht dieses Bähnle, sondern, wie ich, Fahrrad oder Auto, muss man also ziemlich oft Bahnübergänge kreuzen. Das nervt, denn jedes Mal anhalten und so. Wir Schwaben haben das aber voll im Griff: Schranke runter, zack Bahn fährt vorbei, Schranke wieder rauf. Funktioniert doch, oder?

Mal schauen, wie sie es in Baden so machen. Schranke runter. Warten. Warten. Warten. Warten. Motor aus. Warten. Warten. Warten. Fenster auf, Lieblingssender suchen, Handy checken. Sich von Motorrädern überholen lassen. Warten. Da, der Zug. Motor wieder an. Warten. Warten. Warten. Warten. Warten. Ah, da muss doch noch irgendwann der Zug aus der Gegenrichtung kommen. Motor wieder aus. Aussteigen. Zigarette anzünden, Dehnübungen machen, irgendeine Nummer wählen. Baden, oder: Menschen, die auf Schranken starren. Ich meine, die Zeit- und Spritvergeudung, die sich da ansammelt, die schadet doch  der Volkswirtschaft??!!

Und mr schaffet. Um das wieder auszugleichen. War klar, ne.