Fifferlotta: Kindermode aus dem Schwarzwald

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Landkind im Schlafanzug von Fifferlotta

Gleich vorweg: Nein, das hier ist keine Werbung oder sonstige Kaufempfehlung. Ich zeige euch hier nur das Unikat eines sehr, sehr schönen (wunderschönen!) weichen!!! Schlafanzugs für Kinder, der vom Stoffeinkauf bis zur letzten Naht in Baiersbronn / Nordschwarzwald hergestellt wurde.

Es ist ja nicht so, dass sich hier im dunklen Tal eine ausgewachsene Näh- oder gar Modeszene treffen würde. (Wobei, ein paar Täler weiter gibt es das Label Waldwerk. Waldwerk hat auch Sachen für Kinder, und zwar Hoodies und T-Shirts mit Schwarzwald-Optik. Ja, und auch auf Artwood lohnt es sich, herumzustöbern, hier gibt es Oberbekleidung für Erwachsene und Kunstfotografie. Und vor allem für Mütter von Babys interessant ist Mania Stillschal – eine Kreation aus Freudenstadt.)

Aber eigentlich werkeln wir hier auf dem Land alle nur so vor uns hin, nach Feierabend, an Samstagen, und häufig wird dabei das eigene Haus instand gesetzt oder für die Familie genäht.

Die Kindermode von Prisca Irmscher geht da einen Schritt weiter.

Freunde und Freundevonfreunden sind begeistert von Priscas Nähkünsten. Zu Recht. Immer wieder bekommt Prisca Anfragen nach neuen Stücken wie Hosen, Mützen, Lätzchen, Pullis, Kleidchen, Krabbelschuhen aus Leder, Windeltaschen, Wickelunterlagen, Schlüsselanhängern und Einkaufswagenchiptäschchen. Und „wenn’s die Zeit erlaubt, nähe ich auch Taschen für Muddi“, sagt Prisca, die selbst zwei Kinder, zwei Jobs und einen Hund hat.

Priscas Hobby-Label trägt den sehr süßen Namen „Fifferlotta“. Ein Name, der wie Prisca aus einem dunklen Graubündener Tal in der Schweiz stammt: „Fifferlotta“ bedeutet dort nämlich „Lausemädchen“. Ich habe mich sofort verliebt!

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Fifferlotta steht für Mode, die den Alltag von Müttern und Babys hübscher und bunter macht – und dabei praktisch bleibt.

Stoff: Tipp-Tapp-Stoffe aus Baiersbronn / Obertal
Wer an weiteren Unikaten von Fifferlotta interessiert ist, schreibt einfach der Prisca: prisca.irmscher@email.de.

Wenn es eine interessante Mode-Entwicklung im (Nord-) Schwarzwald gibt, von der ich noch nicht gehört habe (und das ist ziemlich wahrscheinlich), schreibt hier einen Kommentar hin! Ich werde gerne berichten, sofern es um Mode für Kinder oder Eltern geht.

Dieser Beitrag enthält keine Werbung. Ich schreibe über das, was mir gefällt ohne Gegenleistung, und setze Links auf Webseiten, wie es mir gerade passt.

Ein Bett im Schwarzwald

6 Gründe, warum Eltern mit Airbnb vermieten sollten (keine Werbung)

Vorab: Airbnb ist diese Plattform zur privaten Vermietung von Gästewohnungen oder Gästezimmern.

Ich habe mit wenigen Klicks und ein paar Fotos aus meiner Kamera ein Inserat erstellt. Jetzt wohnen regelmäßig Urlauber bei uns. Fast immer sind es junge Paare, die im Schwarzwald wandern gehen. Tipps rund um Wanderwege und Gastronomie erhalten sie direkt von uns, ihren Gastgebern. Sie bezahlen keine Kurtaxe.

Lange haben wir gezögert, ob wir ein Zimmer unserer (jaja, zugegeben luxuriös großen) Wohnung aufgeben sollen. Wo soll denn dann unsere eigene Verwandtschaft unterkommen, wenn die mal zu Besuch sind? Und wohin sollen die größeren Kinder sich verkrümeln, wenn sie mal ein Video gucken oder mit Lego spielen wollen, ohne dass die Kleineren ihnen reinpfuschen? Und wann sollen wir das alles stemmen: das Inserat up-to-date halten, Gäste auswählen, Betten frisch machen, alles neben unserem eigenen Haushalts-Wahnsinn?

Doch dann gab es einen (kleinen) finanziellen Engpass, und so haben wir vor einem Monat beschlossen, unser Gästezimmer endlich zu inserieren. Ich betreibe hier keine Werbung für Airbnb, und ich kann die Plattform selbst auch nicht uneingeschränkt empfehlen. Dennoch, gerade für Familien in Elternzeit macht die (Unter-) Vermietung eines Zimmers ziemlich viel Sinn!

Ich finde jedenfalls, wie hätten schon viel früher damit anfangen sollen! Warum? 6 Gründe, warum Eltern mit Airbnb vermieten sollten:

  1. Es macht kaum zusätzliche Arbeit. Eltern, die viel zu Hause sind bzw. in Elternzeit, rennen den ganzen Tag zwischen Waschmaschine, Wickeltisch und WLAN hin und her. Nebenher noch ein Gästezimmer zu saugen und ab und zu mal die Airbnb-App zu checken ist, verglichen mit dem abendlichen Aufräumen des Kinderzimmers oder der Putzaktion des Hochstuhls, wirklich ein Klacks.
  2. Die Waschmaschine läuft sowieso schon. OK, jetzt kommen noch ein paar Gästebettbezüge und Gästehandtücher dazu. Doch: ein paar Wäschen hin oder her, zählen wir da überhaupt noch mit? Die Waschmaschine darf halt nicht schlapp machen.
  3. Die Welt kommt zu uns ins Wohnzimmer. Wenn man Kleinkinder hat, ist man oft und viel zu Hause. Ja, das ist langweilig. Immer schläft gerade ein Kind, oder ist krank, oder alles spielt gerade so schön, macht Hausaufgaben, oder man muss selbst dringend schlafen. Und schon ist der Tag wieder rum, ohne dass man vor die Tür gekommen ist. Von abendlichen Ausgängen ganz zu schweigen. Gerade in diesem extrem auf das Haus konzentrierten Lebensabschnitt gibt es nichts Schöneres, als die Welt zu sich nach Hause zu holen! Wir haben mit unseren Gästen spontan Pizza gegessen oder Pilze und Esskastanien aus dem Wald gekostet. Wir haben ganze Abende mit unseren Gästen verquatscht. Das war, anders als ich zunächst befürchtet hatte, kein bisschen anstrengend. Im Gegenteil. Wir brauchten dazu auch keine WhatsApp-Verabredungen, keinen Babysitter und konnten die Hausschuhe einfach anlassen.
  4. Es kommen noch mehr Freunde und Verwandte als vorher. Der Platz für die eigenen Verwandten und Freunde wird nicht weniger, im Gegenteil. Denn: nicht immer ist ein Airbnb-Gast da. Viele Tage steht das aufgehübschte Gästezimmer auch einfach nur leer rum. Freunde und Verwandte kucken sich das im Internet an. Und plötzlich checkt es jeder: da gibt es ein nettes, aufgeräumtes Zimmer mitten in einem Feriengebiet. Und jetzt will jeder mal zu Besuch kommen. Das ist schön!
  5. Der eigene Alltag wird relativiert. Seit gut anderthalb Jahren leben wir hier auf dem Land. Und nein, ich bin nicht ganze Nachmittage, Abende oder Wochenenden damit beschäftigt, die Hochzeit der Kusine aus dem Nachbardorf auszurichten und mit Schwester, Mutter, Freundin spazieren, joggen, Kuchen essen zu gehen. Das, was andere Mütter so machen, die hier aufgewachsen sind und sich hier prima auskennen. Gut, sicher bin ich (sind wir) auch etwas zu zurückhaltend oder zu selbstverliebt, um uns in das Leben hier zu stürzen. Sicher wiegt die Erinnerung an das Zurückgelassene, die alte Heimat, zu schwer. In Kontakt mit anderen Reisenden, Fremden zu treten, das tut in solch einer Situation gut. Wir sind trotz unseres überschaubaren Wissens über die Gegend für einen kurzen Moment die Welterklärer für unsere Gäste, die aus Spanien, Belgien, Frankreich zu uns in den Schwarzwald kommen. Im Gegenzug erfahren wir Einzelheiten zum Beispiel aus dem Künstlerleben Mallorcas. Ferne Orte sind plötzlich ganz nah. Wir sprechen wieder Englisch und Französisch. Mitten im Schwarzwald zu leben fühlt sich nicht mehr absolut, sondern relativ an. Und falls es einmal doch nicht ganz so nett mit einem der Gäste sein sollte (was bisher nie vorgekommen ist): Für den Rest des Lebens wird man nichts mehr voneinander hören.
  6. Man kann Geld verdienen. Der ursprüngliche Grund, warum wir als Eltern vermieten: das Geld! Mit Vermietung an Urlauber kann man kleinere Lücken mit geringem Aufwand wieder stopfen, was als Arbeitende/r in Teilzeit oder Elternzeit mitunter notwendig werden kann. Mit Airbnb ist dieses Hinzuverdienen auch noch erschreckend einfach. Mit der Zusage, die Gast und Gastgeber einander geben, steht der Preis fest. Einen Tag nach Eintreffen des Gastes wird die Summe auf mein Konto überwiesen. Kein Bargeld, keine Nachzahlungen, kein Gewese mit dem Gast über vorzuschießende oder zurückzuzahlende Kaution, der Gast muss im Ausland nicht an einen Bankautomaten, ich brauche kein Wechselgeld, kurz: ich verdiene Geld, ohne es zu bemerken. Fast ein bisschen unheimlich.

Initiationsritus. Warum es dazu jetzt zu spät ist

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Lieber Nordschwarzwald, liebes Dörflein R.,

wenn ich etwas jünger und formbarer gewesen wäre,  hättet ihr mich jetzt. Ihr hättet mich durch eure Herzlichkeit, eure Unbestechlichkeit, eure Lieder. Ich habe hier schon mehrmals „der Mond ist aufgegangen“ in Gruppen von >50 Personen gesungen. Der Wald steht abends wirklich schwarz und schweiget.

Ihr hättet mich besonders durch die Natur. Ihr das Holz abzuringen, ihr Heu einzuatmen, das hätte mich schon längst gepackt.

Wer hier nicht mit dem Unimog in den Wald fahren kann, der kann dorthinein joggen oder sich dort die romantischsten Sonnenaufgänge und -untergänge vor die Kameralinse holen. Wer hier kein Heu macht, nicht fliegenfischt, keine Pferde sein eigen nennt, hat trotzdem täglich damit zu tun, grüßt den Heuwender, den Fliegenfischer, den Pferdeheimbringer. Und auch wer wie ich kein Beil halten kann und bei Motorsäge nur Bahnhof versteht, der versteht dennoch, was es heißt, der Natur das Holz abzuringen.

Man sieht und man BEGREIFT, wie das Holz ganzjährig in langsamen, zeitlupenartigen Bewegungen gefällt, gelagert, gewässert, geschält wird. Wie Stamm für Stamm, Brett für Brett, Scheibe für Scheibe freigelegt, gestapelt und schließlich seiner Verwendung zugeführt wird. Man sieht einen Zaun, einen Bretterstapel, ein Lagerfeuer oder einen Stock, an dem ein Kind herumschnitzt und spürt KÖRPERLICH jede einzelne Minute, die es gedauert hat, bis das Holz dieser Verwendung zukommen konnte.

Manche stehen 9 Monate im Jahr eine halbe Stunde früher auf, um das Holz im großen Ofen zu schüren, der das ganze Hause warm hält.

Dieses frühe Aufstehen entfällt nun. Es ist Juli. Mit etwas Glück muss erst im Oktober wieder geheizt werden. Dafür schart man sich nun abends um die Lagerfeuer.

Jeder Scheit, der in den Feuern verbrennt, ist schon lange vorher gestapelt, gespalten, gelagert, gefällt worden. Jeder Scheit verbrennt mit dieser Stille, mit der auch der Wald still dasteht und schweigt. In dieser Stille steckt eine unglaubliche Kraft. Man kann ihr nur zusehen, aber niemals, niemals ein Teil von ihr werden.

Ich bin nicht mehr 20, und ich bin nicht aus freien Stücken hier. Ich bin nur zu Gast und werde es für immer sein. Ich will hier eigentlich gar nichts. Ich will nur eines: es meinen Kindern hier so angenehm wie möglich machen. Sie sollen die weiten, duftenden Wiesen, die seltsam lebendigen Waldmaschinen, den Wald bei Sommer und bei Winter lieben. Sie lieben das alles schon jetzt, ungebeten und spontan und tief überzeugt.

Ich will sie aber auch stark machen für das, was zu einem späteren Zeitpunkt kommen wird. Ich will ihnen zeigen, dass dieses Landleben nur eine Option unter vielen ist. Dass es in den meisten Teilen der Welt anders zugeht. Dass das meiste, was hier selbstverständlich ist, es anderswo keineswegs ist. Dass das, was wir hier erleben, woanders zwar genauso möglich ist, dort aber immer nur eine Möglichkeit unter vielen bleibt.

Manchmal, da will ich meine Kinder aber auch einfach nur in Ruhe lassen. Sollen sie doch alles für eine Selbstverständlichkeit erachten, Kinder machen das doch eh. Dass sonntags fast alle in die Kirche gehen? Geschenkt. Dass mittags die fürsorgliche Oma oder Mama nicht nur manches Mal, sondern immer kocht? Selbstverständlich. Dass der Vater, der Onkel, der Großvater entweder in einem renommierten Unternehmen schafft, oder Lehrer oder Pfarrer ist? Ist doch normal. Dass jede Aktion, die für die Kinder bereitgehalten wird, entweder in einer Kirche oder in einem Verein stattfindet, de facto aber von den eigenen Eltern, den älteren Geschwistern, einem Onkel oder einer Tante durchgeführt wird? Immer.

Irgendwann werden meine Kinder dann selbst an so einem Lagerfeuer sitzen und zusammen mit ihrem Verein, ihrer Kirche, ihren Nachbarn, wahrscheinlich einer Mischung aus allen, den Initiationsritus begehen. Sie werden singen und sich verlieben und sich für immer, immer an ihre Heimat binden. Und auch, wenn sie sie später für immer verlassen sollten, wird ihr Herz doch im Nordschwarzwald im Dörflein R. bleiben.

Für mich ist es dazu schon zu spät.

Stillen im Café oder: Hipster 2.0

Neulich bin ich in meinem derzeitigen Lieblingscafé gewesen und es ist noch mehr zu meinem Lieblingscafé geworden.

Aber der Reihe nach.

Wir, die Eltern, atmen gerade ein wenig arbeitsfreiere Luft. Wir gehen jetzt manchmal mitten in der Woche schwimmen. Oder wir setzen uns früh um halb 9 ins unser Lieblingscafé mitten im Dorfkern, oder heißt das politisch korrekter Ortskern. Wir sind um diese Uhrzeit die einzigen. Alle anderen schaffen, ob auf der Arbeit oder in Haus und Hof. Und alle jungen Mütter, die mit Baby unterwegs sind, scheinen lieber spazierenzugehen.

Wir stellen unseren Fahrradanhänger mit Baby drin in den Schatten und bestellen frisch gebackene Dinkelbrötchen, selbst gemachte Brombeermarmelade und ein frisches Stück Marmorkuchen (die Rezepte gibt’s hier). Das Mehl wird vor Ort gemahlen. Neben unserem Platz an der Sonne rauscht das Wasser für den Mühlenantrieb. Die Limonade, verfügbar in allen schrägen Geschmacksrichtungen, auch Cola, wird ganz lokal im Nachbartal hergestellt.

Unsere Hipsterherzen sind also befriedigt und wir finden alles schon genauso gut wie in der Stadt. Aber dann finden wir es hier auf einmal noch viel besser!

Das liegt daran, dass die Bedienung, eine Großmutter mit Brille, Charme und Schürze, von unserem Baby wie magisch angezogen ist. Zusammen mit ihrer Kollegin versucht sie, das Alter des Babys zu erraten und liegt gleich richtig. Als das Baby gestillt wird, erhalten wir ein strahlendes Lächeln: „Die Kleine muss ja auch satt werden!“. Und selbstverständlich passen beide Servicekräfte auch mal kurz auf das Baby im Anhänger auf, während die Eltern weg sind, und halten es solange bei bester Laune.

Das muss das neue hipster sein.

Wie sie es in Schwaben machen. Und wie sie es in Baden machen. Trigger-Warnung: Baden-Bashing

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Schwäbische Schwarzwaldfichte oder Badische Weintraube? Das Wappen von Sasbachwalden / Baden kann sich nicht so ganz entscheiden.

Seit ich hier im Schwäbischen wohne, und das immerhin schon seit einem Jahr, wird mir das Badische immer suspekter. Ich meine, was muss man alles sehen, wenn man an einem unbescholtenen Sams- oder Sonntag ins Badische hinüberfährt?

Da wohnen Leute, die an einem ganz normalen Samstagvormittag nicht schaffen. An einem Samstag!

Zu einer Uhrzeit, wenn ordentliche Leut auf den Wiesen und Holzplätzen und Vorgärten mit Sensen und Rindenschälern und Spitzhacken am Werk sind. Es wird Heu und Holz und eine neue Garageneinfahrt gemacht. Jawohl, alles mit der Hand. Muss ja alles fertig werden, bevor es Sonntag wird. Man fährt mit dem Fahrrad vorbei, auf dem Weg ins Badische, man grüßt, und man sieht: Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Nur ein paar Kilometer weiter flussabwärts rollt man über die Landesgrenze. Und sofort bietet sich ein ganz anderes Bild: Im Badischen, da versammeln sich am hellichten Tag Leute um die Tische ihrer Gärten und ihrer Cafés. Sie sitzen im Grünen, und sie sitzen am Straßenrand. Einfach so. Es fließt Alkohol, und das, der Lautstärke der Gespräche und des Gelächters nach zu urteilen, in rauen Mengen. Am hellichten Samstag, wohlgemerkt. Aber auch sonntags. An jedem Tag eigentlich.

Klar. Mr schaffet, und die, die besaufen sich! War klar, ne. Hat der Badenser denn keine eigene Wiese, keinen eigenen Forst, die er bestellen kann? Hat er nicht mal an seinem Haus etwas auszubessern? Nichts? Na dann, dann… müsste er sich doch einfach etwas ausdenken, was es zu schaffen gibt! Irgendwas!

Man sieht auch sofort, dass die Badenser lange nicht so geschickt sind wie die (fast hätte ich gesagt: wir) Schwaben. Schonmal einen badischen Holzhaufen gesehen? Nein? Umso besser, denn den traurigen Anblick erspare ich gerne jedem. Ich sage nur: Es gibt gleich lang hacken. Und es gibt nicht gleich lang hacken. Es gibt aufschichten. Und es gibt hinschmeißen. Für mehr traurige Details fehlen mir hier einfach die Worte.

Zum Straßenausbessern muss ich an dieser Stelle auch noch was sagen. Ich bin sie schließlich schon alle abgefahren, die Verbindungen zwischen Schwaben und Baden, mit dem Fahrrad und noch viel öfter mit dem Auto. Hier droben bei uns, da ist der Asphalt nämlich völlig in Ordnung. Wir bessern ja auch jedes Teilstück einer Landes- und Bundesstraße turnusmäßig aus, indem wir dieses Stück (je nach Länge) für einige Monate oder Jahre komplett sperren und in dieser Zeit einfach den Asphalt einmal komplett austauschen. Und zwar lange, bevor Risse und Schlaglöcher auftauchen. Was wir machen, machen wir richtig.

Was sie hingegen in Baden mit den Straßen machen, wollen wir gar nicht so genau wissen. Wir vermuten aber aufgrund des plötzlich auftretenden Gerüttels stark, dass Schlaglöcher hier mit Teerbatzen zugekleistert werden. Muss nicht weiter kommentiert werden.

Und dann muss ich an dieser Stelle unbedingt noch was über die Bahnübergänge sagen. Es fährt nämlich so ein Bähnle, von der Landeshauptstadt der Badenser etwa anderthalb Stunden bergan, bis es auch bei uns (huch!) Schwaben ankommt. Nimmt man nicht dieses Bähnle, sondern, wie ich, Fahrrad oder Auto, muss man also ziemlich oft Bahnübergänge kreuzen. Das nervt, denn jedes Mal anhalten und so. Wir Schwaben haben das aber voll im Griff: Schranke runter, zack Bahn fährt vorbei, Schranke wieder rauf. Funktioniert doch, oder?

Mal schauen, wie sie es in Baden so machen. Schranke runter. Warten. Warten. Warten. Warten. Motor aus. Warten. Warten. Warten. Fenster auf, Lieblingssender suchen, Handy checken. Sich von Motorrädern überholen lassen. Warten. Da, der Zug. Motor wieder an. Warten. Warten. Warten. Warten. Warten. Ah, da muss doch noch irgendwann der Zug aus der Gegenrichtung kommen. Motor wieder aus. Aussteigen. Zigarette anzünden, Dehnübungen machen, irgendeine Nummer wählen. Baden, oder: Menschen, die auf Schranken starren. Ich meine, die Zeit- und Spritvergeudung, die sich da ansammelt, die schadet doch  der Volkswirtschaft??!!

Und mr schaffet. Um das wieder auszugleichen. War klar, ne.

Mutter-Kind-Kur, 18. Tag. Ausflug an den Aralsee

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2014 war ich mit meiner damals Vierjährigen in der Mutter-Kind-Kur im Schwarzwald. Wie es dort war, erzähle ich hier im Rückblick.

Wir sind beide wieder ganz gesund, ein Aufheben der Quarantäne ist aber erst abends in Sicht. Ich nehme mein geduldiges Kind an der Hand, in meiner Umhängetasche habe ich Lego, Salzstangen und den DVD-Player mit Bob der Baumeister. So nehme ich sie mit zum Abschlussgespräch unserer Gruppe.

Doch dort werde ich an der Tür abgewiesen: Kinder sind hier nicht erlaubt. Also keine Abschlussrunde. Was für ein Resümee die anderen Mütter meiner Gruppe von der Kur ziehen, werde ich nie erfahren.

Traurig und wütend setze ich mich raus auf die Sonnenterrasse, wo es keinen Schnee mehr gibt, die Tochter im Sand buddelt, als wäre es der letzte Tag auf der Welt mit Sand. Hier treffe ich Tina, eine Mutter, die hier oben urlaubsglücklich ist, viel Sport treibt, schläft und Bücher liest und gar nicht mehr nach Hause will. Ich hingegen verstehe nicht, wie man sich in einer Klinik auch nur ansatzweise wie zu Hause fühlen kann und will: heim.

Frage: Was ist das? Kreuzen sich zwei Bundesstraßen, an der einen ein LIDL, an der anderen ein Schnapsmuseum, im Dreieck zwischen den beiden Straßen der höchstgelegene Bahnhof Deutschlands? Antwort: Bärental (967 m ü.d.M.). Es ist die letzte Station vor dem Caritashaus auf dem Feldberg und gewissermaßen die Verbindung zur Welt. Von dort sind wir mit dem Zug in 50 Minuten in Freiburg und in etwa 10 Minuten bei der Endhaltestelle Seebrugg, das irgendwo in die Täler geklemmt ist.

Achja, fast hätte ich die Pizzeria DaRocco vergessen, der geografische Mittelpunkt Bärentals und ein Lichtblick, wenn kulinarisch gar nichts mehr geht.

Von diesem Bärental aus fahre ich mit meiner Tochter nach Schluchsee. Auch hier, wie auf dem Feldberg, intensive Sonne, knallblauer Himmel, aber nicht ganz so kalter Wind. Man könnte das Sitzen auf der Caféterrasse beinahe als gemütlich bezeichnen.

Der Schluchsee ist der Aralsee des Schwarzwalds. Zumindest sieht es so aus, als sei er mehrer hundert Meter vom Ufer weg ausgetrocknet. Sand wurde angekarrt, wohl damit das schlickige Ufer nicht stinkt. Bojen liegen auf Land zwischen Felsen, die schlanken Kiefern, sonst Uferbäume, stehen am Abhang weit weg vom Ufer und wirken dadurch seltsam bizarr.

Morgen ist Abreisetag.

Alle Beiträge zu unserer Mutter-Kind-Kur gibt es hier.

Mutter-Kind-Kur, 11. Tag. Heimweh, Fingerfarbe, Eis

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2014 war ich mit meiner damals Vierjährigen in der Mutter-Kind-Kur im Schwarzwald. Wie es dort war, erzähle ich hier im Rückblick.

Noch so ein strahlend-schöner Tag.

Matsch auf der Piste. Waldbäche.

Ich laufe zum zweiten Mal zu dem Blick ins Menzenschwander Tal.

Tannenrauschen, Harz- und Nadelduft, Trockenheit des Bodens und der unzähligen Flechten.

Meine Zeit hier oben ist jetzt absehbar. Das macht mir gute Laune. Ich bekomme kaum noch Anwendungen. Während meine Tochter und die anderen Kinder Heimweh bekommen, würden die meisten Mütter die Kur gerne verlängern.

ICH NICHT! Ich halte das Gerede über „was mein Kind wohl hat“ und „jetzt ist sie wieder so unmöglich“ nicht mehr aus.

Heute ist Freitag. Ich gehe zum ersten Mal seit elf Tagen zu Facebook, hier oben funktioniert das aber nicht wirklich. Dann holen wir alle unsere Kinder früher von Kindergarten und Schule ab und begeben uns mit ihnen in den Kreativraum, wo eine Malstunde stattfindet.

Wir kriegen Fingerfarbe und können „malen, was wir wollen“.

„Wie fühlt sich das an, Farbe an den Fingern?“ fragt die Kursleiterin. MANNOMANN.

Ein großes Bild sollen Mama und Kind gemeinsam malen. Dabei kriegen sich L. und ihre Mutter wie immer sofort in die Haare. Es geht darum, dass L. (sie ist fünf!) ihren Namen in Spiegelschrift auf das Bild schreibt. Die Mutter daraufhin zu den Umsitzenden, kopfschüttelnd: „Sie ist heute wieder ganz verdreht im Kopf, irgendwas ist mit ihr!“, woraufhin L. ihr wie immer zeigt, dass sie sein kann, wie sie es für richtig hält. Beide malen zeternd und schimpfend weiter.

Dann nehmen wir den Bus runter nach Titisee. Titisee wurde uns von der Kurleitung nicht empfohlen, und es gibt dort auch tatsächlich nichts außer Souvenirläden. Riesige Parkplätze vor riesigen Hallen voller Kuckucksuhren verraten, dass hier sommers volle Reisebusse halten, die vermutlich hauptsächlich asiatische Touristen ausspucken.

Viele Imbisse und Kaffeehallen haben noch zu, aber wie in Todtnau gibt es überall italienisches Eis. Wieder bekommen alle vier Kinder (2,3,4 und 5 Jahre) ein Eis, dazu ein Souvenir. Wobei wir Mamis genervt sind, dass man alle Kinder gleich behandeln muss – bekommt ein Kind irgendwas, müssen alle anderen das auch bekommen.

Alle Beiträge zu unserer Mutter-Kind-Kur gibt es hier.