Jeden Tag ist Zirkus. Besonders am Wochenende

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Himmelfahrts-Wochenende in Bildern #wib

Das Wochenende beginnt am Donnerstag. Ich bin vier Tage lang Strohwitwe mit drei Kindern, zur Hilfe. Also lasse ich mich nicht lumpen und führe die Kinder in den Zirkus aus. Das Bild entstand nach erfolgreich überstandener Show vor der Kamelweide.

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Nach Cola und Zuckerwatte klingt der Tag mit Erdnussflips aus.

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Freitagvormittag. Seit zwei Tagen spinnt das Auto wieder. Da wir gerade erst eine völlig bescheuerte, sinnlos teure Reperatur hatten und dasselbe Problem schon wieder aufzutreten scheint, fahre ich sofort in die Werkstatt. Dort ist aber gleich auf zweifache Weise alles gut: Erstens, das Problem ist gar keines (oder hat sich wieder eingerenkt). Zweitens, die Kinder können in der Spielecke spielen.

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Es ist so heiß. Ich will mit den Kindern heute ins Schwimmbad. Aber hunderte von Dingen schieben sich dazwischen. Wir packen, packen um, machen die Fahrräder flott, dann wieder doch das Auto, ich bringe Müll raus, und RUMMMS. Sofort renne ich zurück, und da steht mein Sohn neben einem Meer aus Scherben. Der Wind hat die Zwischentür zugehauen. Der Sohn hat keinen einzigen Kratzer, sondern guckt nur ein wenig überrascht. Nach einer halben Stunde haben wir aber auch die Scherben weg und können endlich ins Schwimmbad fahren.

20170527_152803.jpgSamstag. Unsere Große ist kein Pferdefan. Bislang. Seit gestern wünscht sie sich aber nicht sehnlicher, als auf einem Bauernhof zu wohnen. Passt ja, dass ausgerechnet heute Aktionstag auf dem Hofbauernhof ist. Pferdereiten, Pferdestriegeln und Hufe auskratzen ist angesagt.

Doch bevor wir zum Hof fahren, kommt erst der Ernst des Tages: das allsamstägliche F-Jugend-Fußballturnier.

Schließlich können wir los. Zu dem Hof fährt man eine sehr abgelegene, einsame Strecke durch den Wald (aber eigentlich muss man hier für fast jeden Ort eine sehr abgelegene, einsame Strecke durch den Wald zurücklegen).

Maximal acht Kinder (meine eigenen eingerechnet) sind da und unsere Große ist schwer begeistert. Einfach von allem.

Die Atmosphäre ist so toll, dass wir da im Café hängenbleiben und uns mit allen möglichen Leuten unterhalten. Junge Menschen, die ein FOEJ (Freiwilliges Ökologisches Jahr) machen, grillen und bedienen uns, ein älteres Ehepaar, das gerade die örtliche Schule gekauft hat, schaut vorbei, und meine Kinder freunden sich mit anderen an. Wir wollen nie wieder nach Hause gehen.

20170527_165634.jpgNeben dem Café, das eigentlich ein kleiner Demeter-Kaufladen ist, und einigen Tieren, gibt es eine Menge tolles Zeug für Kinder – das gleichermaßen für Erwachsene geeignet ist. Zum Beispiel dieses riesige Baumhaus hier, ein riesengroßes, selbstgebautes Holzkarussell, auf dem gut zwanzig Kinder und / oder Erwachsene Platz finden. Und natürlich Hund, Katze, Schaukeln, Feuerstelle, Außendusche und Außenbadewanne…

Doch, manchmal ist es ganz schön, hier zu wohnen.

Vom Sonntag gibt es leider keine Bilder. Aber weil ich die Kinder ein weiteres Mal ausführen wollte, waren wir im Gottesdienst in unserer Dorfkirche (die Kinder verbrachten die Kinderstunde mit Blumenpflücken, die Erwachsenen hörten eine sehr inspirierende Predigt). Danach gab es einen Kurztrip an den Fluss, oder besser in den Fluss, was für die Kinder lustig, für mich ein Spießrutenlauf war. Ich höre mich jetzt noch rumschreien: „Nur bis zu den Knien! NUR BIS ZU DEN KNIEN! NICHT weglaufen, ich muss dir erst die Hose ausziehen… bzw. das T-Shirt wieder anziehen! NICHT da hochklettern!…“ etc.etc.

Weil wir alle hungrig waren, liefen wir von dort aus zum Feuerwehrfest. Ein Kind versank dort im 7. Pommes-Himmel, eines im Apfelschorle-Wahn und eines lief gleich wieder zurück zum Fluss, um mit Kleidern direkt bis in die Mitte zu waten…

Seht noch mehr „Wochenenden in Bildern“ #wib im Blog „Geborgen wachsen“ von Frau Mierau.

Mit dem Anderthalbjährigen sprechen aka WMDEDGT

Was machst du eigentlich den ganzen Tag (WMDEDGT), wenn du sehr erkältet bist, trotzdem nicht schlafen konntest und dir jetzt ein Tag bevorsteht, an dem du außer mit einem Anderthalbjährigen vermutlich mit niemandem reden wirst?
Richtig, du schläfst erstmal so etwas ähnliches wie aus. Das Kind hatte im Gegensatz zu dir einen seligen Schlummer. Beneidenswert. Es findet eine Fahne, sagt Nane oder so etwas und läuft bis zum Frühstück naneschwenkend durch die Wohnung.
Dann will es Banane (Nane) und Brot  (Gob), bekommt zudem noch ein Müsli, dann sagt es satt und Bürste und Schrubbschrubb, es sagt übrigens beim Klatschen auch Klappklapp und bei Pferden Tripptrapp und bei Mäusen Kribbelkrabbel, wie ein geborener Entertainer für Anderthalbjährige.
Dann ziehen wir Diebel an, Gummistiefel, es regnet nämlich seit zwei Tagen.
Wir sind zwei Stunden zu spät bei der Tagesmutter, aber das macht nichts. Hauptsache, ich bin pünktlich beim Abholen. Ich werde mich einfach nur mit Bonbons ins Bett legen und den Vormittag verschlafen, nehme ich mir vor. Alles was mit Arbeit zu tun hat, muss heute warten.
Nach nur vier Stunden hole ich den Kleinen wieder ab. Er lacht und sagt guckguck und ba-bau, weil er gerade mit Duplo baut. Mit Diebeln gehen wir raus zum Brunnen, das Wasser testen. Es ist nass (nan), wie zu erwarten war.
Zu Hause muss es unbedingt wieder Nane und Gob sein, und dann „an“. Ich soll also die batteriebetriebene Eisenbahn fahren lassen. Das beschäftigt ihn etwa eine halbe Stunde. Große Trauer um die Bahn, als ich sie wieder abstelle.
Um ihn, der schon den 3. Tag tapfer ganz ohne seine geliebte Schwester ausharrt, zu überraschen, fahre ich mit ihm ins Spielhaus. Das ist eigentlich nur für Touristen, die gerade ohne ihre Kinder was machen wollen, oder die genug vom Skifahren, vom Wandern oder schlechten Wetter haben. Im Spielhaus sieht es aus wie in einem Kindergarten. Es gibt eine Legoecke, eine Kissenecke, eine Ecke mit Kleinkindspielzeug, eine mit Spielzeug für größere Kinder, Tische mit Brettspielen, eine Rutsche und eine Turnmatte, sowie bunte Becher, in denen die Kinder sich ein Getränk in einer undefinierbaren grauen Farbe einschenken können, vermutlich Tee. Die Überraschung geht auf: der Sohn findet alles klasse. Aber er kommt auch genauso bereitwillig wieder mit zum Auto. Einjährige sind toll.
Zu Hause gibt es aufgewärmte Pizza. Die Pizza ist heiß. Die Pitta ist hatt. Trotzdem beeilen wir uns mit dem Essen, wir sind nämlich spontan von der Dame des Hauses zum Musizieren geladen worden. Die Mutter der Vermieterin, die ein Klavier in ihrem Salon hat und regelmäßig ihre große Familie einlädt, mit ihr zu spielen. Dass auch wir klassische Instrumente spielen, hat sich an Silvester herumgesprochen.
Es sind tatsächlich viele Leute dort, als wir ankommen. Zwei brechen gerade auf, mit meinem Sohn beschäftigen sich abwechselnd vier weitere, wieder andere albern auf dem Sofa herum. Zwei Geigen und das Klavier sind schon mitten im Spiel und ich komme mit dem Cello dazu. Es ist ein ganz gewöhnlicher Dienstagabend, an dem ich nicht genau weiß, was mein Sohn eigentlich die ganze Zeit macht, aber er lacht irgendwo im Hintergrund und die Zeit bleibt stehen.
Erst nach einer ganzen Weile kommt er zu mir und fragt: „Machst du?“
Zu Hause plumpst er sofort in sein Bett und will nur noch schlafen. Da ist es erst sieben Uhr.
Ja, ich hatte wirklich sehr viel Zeit für mich heute, dank Erkältung, lieber Menschen und guter Angebote. Und ich habe sogar mit mehr Menschen als nur dem Anderthalbjährigen gesprochen. Wobei „nur“ definitiv nicht mehr stimmt, so oft wie er mich heute mit neuen Wörtern überrascht hat. Da das in seiner Altersklasse nicht selbstverständlich ist, staune ich immer noch.

WMDEDGT ist eine Aktion von Frau Brüllen, die immer am 5. eines Monats dazu aufruft, zu erzählen, was man denn eigentlich den ganzen Tag so macht.