Wonach der August riecht

Der August riecht nach Zelt und nach Schlafsackschweiß. Der August riecht nach in der Salami, in der Sonne heißgekocht. Der August riecht nach vertrocknetem Gras und nach vergilbten Maispflanzen die mit ihren Füßen im Staub stehen.

Der August riecht nach der Wärme der Holzkabinen, in denen man auf Komposttoiletten sitzt.

Der August riecht nach Waldbrandstufe 5 und nach beschlagnahmten Gaskochern. Der August riecht nach Eichen, die vor Früchten starren, aber nur ganz selten macht es Plopp und eine Eichel landet im flachen Ufer des Sees.

Öfters macht es Knack und ein ganzer Ast kommt runter, deshalb am grünen Parkeingang die Warnung: Aufgrund der großen Trockenheit kann es bei Altbäumen zu Starkastabbrüchen kommen.

Der August riecht nach Sand und Seemodder und nach Sonnencreme in aufgewärmten Gewässern. Er riecht nach überhitzten Schwimmflügeln an kalten Ärmchen, nach Plastiktüten, aus denen man das Plastiksandspielzeug in den Sand kippt.

Der August riecht nach Pommes und Knackwurst mit Wespen und obendrauf Ketchup. Der August riecht nach Gurkenlake und nach frischgebackenem Kuchen und Pumpkannenkaffee für die frißchgeföhnten Eltern der frischgeföhnten Brandenburger Erstklässler.

Der August riecht nach Parkplatzstaub mit Kronkorken und nach der Süße der Mülleimer. Er riecht nach Nudelwasser und Wohnmobilklo. Er riecht nach Plastikbecherkaffee, den wir auf dem Spielplatz und am Seeufer trinken.

Und der August riecht nach der Kernseife, mit der abends die Kinderhände geschrubbt werden, während Hals, Zähne, Ohren und Zehen langsam eingrauen dürfen.

Mehr Beiträge zu „Wie der August riecht“ gibt es bei der Goldenen Bloggerin Fräulein ReadOn.

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Campen gehen mit Kindern. Ein Erfahrungsbericht

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So geht Campen mit Babys, Kleinkindern, größeren Kindern (und Erwachsenen)

Ein Leitfaden für mehr Harmonie im Urlaub

  1. Campen mit Babys
    Babys ab etwa 4 Monaten lieben es, auf dem Boden herumzukullern, mit allem zu spielen, was ihnen in die Quere kommt, mit den Augen und Ohren vertraute Details zu erhaschen. Unser Baby hat sich beim Zelten rundum wohlgefühlt – wahrscheinlich am wohlsten von uns allen. Auf dem weichen Boden herumrutschen und durch die sanft schaukelnden Zeltwände den Stimmen der Familie zu lauschen, die nicht sichtbar, aber deutlich hörbar vor dem Zelt rumort: Mehr wollte unser Baby nicht, und das am liebsten den ganzen Urlaub lang. Die Zeltliebe des Babys ging so weit, dass ich nach der Ankunft zu Hause gleich ein kleines Strandzelt auf dem Balkon aufbauen musste, um dem genervten Geschrei der Jüngsten ein Ende zu setzen.
  2. Campen mit Kleinkindern
    Kleinkinder ab 1,5 Jahren sind rund um die Uhr am Entdecken. Es gibt einfach nichts, was nicht spannend für sie ist und sich irgendwie umfunktionieren lässt. Heringe, Zeltleinen, die Essens-Kisten im Zelt, der Müll vor dem Zelt, die Schuhe, mühevoll weggeräumte Taschenlampen, Handys und Geldbeutel… Und nicht nur das. Mit dem Zelten fallen auch die liebgewordenen Rituale des Kleinkindes weg: Hell und Dunkel, müde und wach, damit sieht es auf einmal ganz anders aus. Kleinkinder sind einfach die größten Störenfriede des auf Ordnung und Minimalismus bedachten Campers. Aber auch hier lässt sich mit ein paar Tricks das beste rausholen. Das erste und oberste Gebot lautet: Das Kleinkind muss am Laufen gehalten werden! Es darf niemals ruhen, außer wenn es schläft, dann aber unbedingt. Nimm es jedes Mal mit, wenn du zum Klo, zum Spülen, zur Rezeption musst. Auch wenn der Weg dadurch jedes Mal zehn Minuten länger dauert: halte es sooft es geht vom Zelt fern. Setze dich mit ihm ins benachbarte Strandbad, dort kann es stundenlang Steine sammeln, im Sand buddeln, Enten hinterherjagen. Wenn es abends dann immer noch nicht schlafen will, setze es in deinen Fahrradanhänger, dein Kanu, dein Auto, egal. Hauptsache, es darf nochmal eine schöne Abendrunde drehen.
  3. Campen mit größeren Kindern
    Eigentlich sind größere Kinder beim Camping zu allem bereit. Lange aufbleiben zum Beispiel, kein Problem. Mal früher ins Bett müssen, auch nicht soooo schlimm. Kein Eis heute zum Nachtisch, macht nichts, morgen ist ja auch noch ein Tag. Regen stört sowieso überhaupt nicht, da darf man im Zelt bleiben, spielen und malen und alles durcheinanderbringen. Was große Kinder eher stört, ist das Programm, das mit dem Zelten gar nichts zu tun hat. Man hat ihnen erzählt, dass sie mit ihren Eltern zelten dürfen / müssen. Darauf haben sie sich seit Wochen eingestellt, dazu sind sie bereit. Und nun das: Kanufahren? Wandern?! Alte Studienfreunde der Eltern besuchen???!!!! WTF??????!!!!!!!!
    Aber auch das machen größere Kinder mit. Wenn man ihnen im Gegenzug ihre eigenen Ideen gestattet. Den ganzen Tag auf dem Camping-Spielplatz spielen zum Beispiel. Einfach im Zelt sitzen, lesen und schreiben, anstatt mit den Besuchskindern zu spielen. Den Campingplatz alleine erkunden und wiederkommen ohne sich Fragen anhören zu müssen, wo man so lange war. Dann sind auch die großen Kinder vom Campingurlaub und seinen Nebenerscheinungen restlos begeistert.
  4. Campen mit Erwachsenen
    Fürs Campen eher ungeeignet haben sich die Erwachsenen erwiesen. Gut, sie liefern die Fakten wie Auto steuern, Zelt aufbauen, Essen kochen, alles schnell wegräumen bei Regen. Aber sie bezahlen das Ganze ja auch. Was die Erwachsenen nicht können, ist: das Campen, das sie sich ja selbst eingebrockt haben, so zu nehmen, wie es ist. Es müsste ihnen doch eigentlich klar sein, dass sie am Morgen nicht so einfach und schnell an einen Kaffee kommen wie zu Hause. Sie müssten doch wissen, dass sich die Kinder nicht willig um sieben Uhr abends ins Bett legen, sondern noch spielen wollen, bis es dunkel wird.
    Aber sie sind stur, diese Erwachsenen, und sehen einfach nicht ein, dass manches nicht so ist, wie sie es von zu Hause gewohnt sind. Das macht die Erwachsenen oft biestig. Ein wenig zu biestig für den Geschmack der Kinder. Daher auch der sehnsüchtige Blick des ältesten Kindes auf campende Jugendgruppen: „Wenn ich so alt bin, gehe ich nur noch mit meinen Freunden zelten!“

Campen gehen (adult edition)

Campen gehen mit den Kindern (6, 2, 0) und Angst haben vor:

  • Rückenaua
  • Durchschrei- und Durchnuckelnächten
  • im Zeltgetümmel in Richtung See oder in Richtung Straße verschwundenes Kleinkind
  • was essen/ trinken gehen wollen, wegen völliger Übermüdung aber ins Bett müssen
  • was essen/ trinken gehen wollen, aber vor dem Zelt sitzen und die schlafenden Kinder bewachen
  • wegen der zu lauten Kinder angezählt werden
  • selbst die zu lauten Mitcamper anzählen, die die eigenen Kinder nicht schlafen lassen
  • nicht genügend Schlaf zu bekommen (erwähnte ich das schon irgendwo?)
  • Regen
  • Zecken (besonders an Babys und Kleinkindern)
  • Hunden
  • Krankheiten (auf jeden Fall alles mit Fieber und schlimmer!)
  • schlechter Laune (wegen Regen, zu wenig Schlaf, zu viel Enge…)
  • ständig unaufgeräumtem Zelt

Aber campen gehen.