Coronatagebuch Tag #3

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Alles bekommt eine Bedeutung.

Dass die Sonne besonders frühlingshaft scheint. Dass die Vögel besonders laut singen. Dass es so ein Kratzen im Hals und einen leichten trockenen Husten gibt. Dass zwei von drei Kindern sich mit Bauchweh plagen und das dritte so starkes Asthma zeigt wie seit seiner Medikamenten-Einstellung nicht mehr.

Die Freunde sind gewarnt, kommen aber trotzdem. Es gibt einen schönen Spaziergang im Wald bis zu einem Kreuz auf einer Wiese. Der Wald ist voller Spaziergänger. Die Kinder sehen ein Reh.

In die Busse darf man jetzt nur noch hinten einsteigen. Rund um den Busfahrer ist eine Absperrung errichtet, damit er vor dem Virus geschützt bleibt. Die Deutsche Bahn meldet, ab Dienstag gebe es Einschränkungen im Nahverkehr. Es gibt keine Ticketkontrollen mehr. Deutschland macht seine Grenzen zu Österreich, Frankreich, Schweiz, Luxemburg und Dänemark dicht. In Tübingen wird am Impfstoff gegen das Virus geforscht, Hauptinvestor ist Dietmar Hopp. Es ist zu lesen, der US-Präsident möchte die Forscher für hohe Summen abwerben und den Impfstoff exklusiv nur für US-Bürger abkaufen. In einer Serie, die zu schreiben wäre, hätte er damit vielleicht Erfolg. Im echten Leben offensichtlich nicht.

Mittags bestellen wir Pizza in der Pizzeria. Es gibt Cola, Pommes und Fischfilet obendrein und die üblichen Diskussionen darüber, ob das gesund ist.

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Danach feiern wir Premiere: Wir trinken zum ersten Mal Kaffee im Garten. Seit wir viel Efeu und anderes grünes Gestrüpp beseitigt haben, sehen wir ab und zu auch mal die Nachbarin. Sie lebt alleine in einer Villa hinter der Mauer und ist 96 Jahre alt.

Die Kinder spielen im Sand und wir schicken eine Drohne über unser Grundstück, die uns beim Nichtstun zusieht.

Beim Kaffeetrinken kommen Mails rein. Ungewöhnlich für einen Sonntag. Bei mir steht eine Gehaltsverhandlung an, der zukünftige Arbeitgeber schickt mir sein Angebot. Mein Mann bekommt Neuigkeiten für den letzten Schultag morgen, was da zu tun sei.

Abends dann Zimmer aufräumen, Baden, Bücher vorlesen und Logo gucken. Die Kinder sind ziemlich fertig, das könnte aber an der Frühlingssonne liegen.

Heute 5800 Infizierte und 13 Tote in Deutschland.

12 von 12 im Juli

Einmal im Monat 12 Bilder machen und mit ihnen seinen Tag nacherzählen… was viele Blogger schon jahrelang pflegen, kann ja so dumm nicht sein. Und so habe ich das am 12. Juli zum ersten Mal probiert. Mal sehen, was dabei rauskam.

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Eigentlich darf ich an den Sonntagen meistens ausschlafen. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Und so gibt es heute zwischen 7 und 10 Uhr drei bis viermal Frühstück. Ich bin drauf vorbereitet und trinke erstmal nur einen Kaffee.

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Achja, es ist Sonntag, das fällt mir beim Fotografieren die ganze Zeit auf. Und an Sonntagen macht man ja nicht unbedingt etwas so Typisches oder Wichtiges. Man macht eher die Sachen, die man die ganze Zeit mal machen wollte. Wie dieses hier: Pflanzen umtopfen.

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Kirche ist vielleicht doch etwas Typisches für uns. Dachte ich. Denn früüüüüher, als wir noch in der Stadt lebten, schafften wir es ab und zu mal, in der lokalen Landeskirche vorbeizuschauen. Auch wenn da viele Leute waren, kannten wir da niemand und niemand wollte uns dort kennen lernen. Das musste doch heißen, dass wir ziemliche Aliens waren. Manchmal beschlich mich der Gedanke, dass wir einfach noch zu jung für die Kirche waren und so in 20-30 Jahren wiederkommen sollten.

Deshalb bevorzugten wir so alternative Kirchen. Da traf man dann die Leute, mit denen man sonst studieren, arbeiten und feiern ging. Da kannten wir alle und die Atmosphäre war urban und exklusiv. Wir fühlten uns nicht mehr so fremd, aber trotzdem wie eine eingeschworene Gemeinschaft: Wir gegen den Rest der Welt.

Hier aber ist in die Kirche gehen sowas von nichtbesonders. Es gibt die evangelischen Kirchgänger, die katholischen, und noch andere. Und auch noch welche, die nicht in die Kirche gehen. Aber irgendwie kann man hier seiner Bio gar kein Profil geben, wenn man sagt, ich geh sonntags in die Kirche.

Weil, wenn man sonntags in die Kirche geht, dann geht man halt in die Kirche. Und trifft da dieselben Leute, die man auch an allen anderen Wochentagen sieht. Nachbarn, Freunde, deren Kinder, deren Eltern. Die Kinder, die einander entweder Nachbarn oder Geschwister sind, spielen vor und nach dem Gottesdienst so, wie sie unter der Woche in ihren Gärten, im Kindergarten und auf dem Schulhof spielen. Es gibt keine Brüche und kaum Aufregung. Und auch keinen Moment, an dem man sich irgendwie fremd gefühlt hätte.

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Kennen alle mit kleinen Kindern: Irgendwann wollen die nicht mehr und man muss rausgehen.

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Auf das Endes des Gottesdienstes wartend, entdecke ich an einer Pinnwand die Träume und Wünsche der Konfirmanden. Die Berufswünsche sind: Fotografin, Juristin, Einzelhandelskauffrau, Soldat und Zimmermann.

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Mir wird im Lauf des Tages immer klarer, dass man beim Fotografieren für Twitter und Blog das Eigentliche nicht abbilden kann, oder es bewusst weglässt. Ich kann nicht Volleyballspielen und das gleichzeitig fotografieren, ich kann höchstens nach dem Spiel ein Stillleben vom Volleyball machen. Oder ich fotografiere andere beim Spiel – aber die wollen sich garantiert nicht bei Twitter wiederfinden. Also: Stillleben. Oder Katzenfotos. Oder Babyfotos.

Jedenfalls warten wir dort im Schatten hinter den Schaukeln darauf, dass das Baby, das immer draußen schläft und hier nicht im Bild ist, wieder aufwacht. Nicht im Bild: Tochter auf dem Trampolin. Und die Eltern mit dem Volleyball.

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Wir gehen mit unseren Nachbarn und deren Tochter am Waldrand spazieren und die Kinder finden wie immer einiges. Für uns bedeutet der Ausflug, dass wir hier im Dorf angekommen sind.

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Oder Foodfotos.

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Seit wir hier sind, bringe ich an den meisten Abenden unseren Kleinen ins Bett. Die Große darf solange im Elternbett mit ihrem Papa lesen und oft auch dort einschlafen.

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Nach dem Zubettbringen ist vor dem Aufräumen. Nicht im Bild: die Pflanzen auf dem Balkon, die von den vielen Umschmeißversuchen des Baby schon ganz geschafft sind.

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Die Wahl der Schultüte. Gerade ein heikles Thema für mich. Ich werde später sicher noch mehr dazu bloggen.

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Typischer Abend: Mal wieder merken, dass irgendwas an diesem Tag nicht effizient genug verlaufen ist und sich darüber (ein ganz bisschen) ärgern. Und dann ins Bett.

Fazit meines ersten #12von12: Es ist unheimlich schwer und eine sehr große Kunst, nur in Bildern von etwas zu erzählen. Viele können das gut. Mir fehlt beim Betrachten eigener Bilder immer zu sehr der Bezug zur Wirklichkeit bzw. der Drang zur Selbstinszenierung. Das fällt mir ohne Bilder leichter.

12von12 ist eine Aktion von Draußen nur Kännchen. Ein Blog über DIY, Lesen, Kinder. Ganz tolle Nähanleitungen gibts da übrigens!