Coronatagebuch Tag #25

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Züge, lese ich, seien jetzt viel öfter pünktlich. Der Grund dafür sei, dass kaum noch Reisende ein- oder aussteigen. OK.

Was interessieren mich Züge. Lange nicht mehr in einem gesessen.

Ich habe heute ideale Homoffice-Bedingungen. Die Kinder beschäftigen sich selbst. Überhaupt beschäftigen sie sich immer öfter alleine, seit außerhalb der eigenen vier Wände keine Spielplätze, Schwimmbäder, Spielfreunde mehr locken. Sie nehmen sich Malbuch, Legokiste, Schere oder Buch und verschwinden in ihre Ecken. Ich kann mich nicht erinnern, „spielst du mit mir“ oder „ich weiß nicht was ich machen soll“ während der letzten 24 Tage gehört zu haben.

Sogar die unfertigen Matheaufgaben werden (ein wenig widerwillig) fortgeführt. Es sind ja jetzt Ferien, offiziell.

Ich schreibe einen Text zu Ende und schicke ihn ab. Mein Mann liest sich unterdessen tiefer und tiefer in die Schichten der Permakultur ein. Egal was ich ihn frage, seine Antwort lautet entweder „Stickstoff“, „Beinwell“ oder „mehrjährig“. Am Ende des Vormittags steht, nach tagelanger Beschäftigung mit der Theorie, eine Liste mit Samen und Pflanzen, die wir anscheinend benötigen.

Mann und große Tochter fahren zum Bauhaus und zur Gärtnerei und kommen Stunden später mit Pflanzen, Samentüten und Bäumen wieder.

Es zeichnet sich ab, in was wir die gesparten April-Kita-Gebühren reinvestieren: in Obstbäume. Und in eine Spende nach Circasia/ Kolumbien. Wir sind um dreieinhalb Ecken mit Leuten verwandt, die dort wohnen. Sie (oder ihre Nachbarn) sind so arm, dass die Ausgangssperre sie hart trifft. Sie müssen eigentlich täglich für Gelegenheitsjobs aus dem Haus, und um Essen zu ergattern. Jetzt dürfen sie nur noch 1x pro Woche raus, öfter das Haus zu verlassen ist verboten. Von der Spende kauft ihnen der CVJM vor Ort Lebensmittel und beliefert sie regelmäßig damit.

Wir gehen in den Garten, fegen einen Bruchteil des ganzen Staubs weg (es ist supertrocken, Regen nicht in Sicht, dazu kommt aber gar nichts in den Nachrichten), geben dem Rasen sein Wasser, hören Musik mit der JBL Box, schaukeln in Schaukel und Hängematte und sehen der Sonne beim Untergehen zu.

Heute sind es 102.024 Infizierte in Deutschland (curve flattet sich auf jeden Fall schon), 28.700 sind wieder gesund und 1695 sind gestorben.

Coronatagebuch Tag #24

Der zweite Tag barfuß im Garten.

Wir säen Lupinen unter unseren Pflaumenbaum und Apfelbaum. Wir lachen über die Amsel, die so zahm geworden ist, dass sie uns die Regenwürmer schon fast aus der Hand frisst.

Die Kinder malen. Zum Beispiel den Garten, die Vögel und die Würmer.

Es ist das erste Mal im Leben, dass wir einen Garten ganz für uns haben. Und es ist ein Segen, dass der Garten zum Treffpunkt für Freunde und Nachbarn wird. Man muss nicht mehr umständlich Zeitpunkte verabreden. Man ist ja zu Hause. Kommt einfach. (Aber auch die von gegenüber, die „nur“ eine kleine Dachterrasse haben, nutzen die jetzt intensiv. Haben einen neuen Sandkasten und sitzen ständig draußen. Wir können uns zuwinken.)

Nachbarin A. ist ein wahres Gartenlexikon. Sie kennt Schnecken, die Schnecken fressen. Sie weiß, welche Samen man vor dem Keimen in Wasser legen soll, was guter Bodenabdecker ist und welche Äste lieber nicht in den Häcksler sollen. Nebenbei kann sie auch begnadet gut Feuer machen und in jeden Garten, dessen sie sich annehmen darf, stellt sie erst einmal Bienen rein.

Wenn wir weiter so viel im Garten graben und weiter so oft unsere staubigen Hände und Füße waschen müssen, hat das Virus echt keine Chance. Denn das wird ja mit abgewaschen.

Heute sind es 100.024 Infizierte in Deutschland, 28.700 sind wieder gesund und 1576 sind gestorben.

 

Coronatagebuch Tag #23

Die Fußgängerzone unseres Vorörtchens befindet sich eigentlich immer im Lockdown. Dazu braucht es kein Virus. Die verrammelten Cafés. Die beiden ehemaligen Drogerien, direkt nebeneinander, warum. Die dunklen Gaststuben, so düster und unfrequentiert, dass man nicht weiß, ob sie nur heute oder überhaupt jeden Tag geschlossen haben. Ihr kennt das.

„Dauerhaft geschlossen“ steht jetzt an einem Café, das sowieso noch nie aufhatte. Auch die kleine Poststelle, der Publikumsmagnet in der verödeten Fußgängerzone, wirkt zahmer besucht als sonst. Die Leute stehen in großem Abstand Schlange, jeder Dritte trägt Mundschutz.

Die Türöffnung vom Dönerladen ist mit Plexiglas verbarrikadiert. Durch die Fenster sieht es aus, als befände sich drinnen ein Labor. Der nette Verkäufer im weißen Kittel nimmt durch eine Klappe die Bestellungen entgegen und händigt die in weißen Plastiktüten verpackten Gerichte mit weißen Handschuhen und weißem Mundschutz aus.

Der Buchladen hat geschlossen, ist aber trotzdem auf. Eine leseverrückte Kundin mit Mundschutz steht am Eingang der geöffneten Tür und ruft ins dunkle Innere, was ihr Lesewunsch sei. Ihr habe dies&das so gut gefallen. Die Buchhändlerin ist nicht sichtbar, vermutlich steht sie etwa 10 Meter entfernt an ihrem Computer und gibt den Lesewunsch in ihre Suchmaschine ein, um der Kundin das Buch später persönlich vorbeizubringen.

Die Verkehrsinsel, ein kleiner Park, der sowieso schon trostlos in die Farben von Narzissen und zu buntem Osterschmuck getunkt ist, hat eine Überraschung parat. Zwischen den vereinzelten Banksitzern (es sind ganze drei Personen) läuft eine Watschelente und zupft mit dem Schnabel an Grashalmen. Notiere: Ein Novum: Ente auf der Verkehrsinsel.

Obwohl ich nur ein Paket abgegeben und ein Brot gekauft habe, ist mir nach zehn Minuten ganz schwindelig, so als wäre ich drei Stunden shoppen gewesen und hätte nichts getrunken.

Zu Hause ist zum Glück alles im Lot. Meine Freundin ist aus der Quarantäne zurück (sie hat das Virus nicht bekommen) und muss nicht mehr in den eigenen vier Wänden bleiben. Sie besichtigt unseren neuen Garten. Wir finden Bärlauch zwischen den Grundstücken am Hang und picknicken auf unserem neuen Rasen mit Bärlauchbrot. Die Kinder liegen mit Vogel- und Insektenbüchern auf dem Rasen und notieren alles, was krabbelt und fliegt:

  • eine Amsel
  • ein Regenwurm
  • eine Hummel
  • ein frisch geschlüpfter Junikäfer.

Die Nachbarn warten heute mit einem Fußballtor auf, mit einer Schüssel voller Kaulquappen und mit Blumensamensäen. Wir pflanzen einen Apfel- und einen Pflaumenbaum und wässern den Rasen. Das dauert fast eine Stunde lang, wenn man es richtig machen will. Selbst wenn wir in den Osterferien noch wegfahren dürften, wir können jetzt gar nicht mehr weg. Wir müssen ja alle drei Tage dem Rasen Wasser geben.

Heute waren wir 7 Stunden draußen am Stück. Ich glaube, so lange war ich seit dem letzten Sommerurlaub nicht mehr draußen.

Heute sind es 95.637 Infizierte in Deutschland, 26.400 sind wieder gesund und 1395 sind gestorben.

Coronatagebuch Tag #22

Freitag. Der Tag, der immer mit mahnender Stimme sagt: Guck mal, was du diese Woche wieder alles nicht geschafft hast.

Die zurückligende Woche, insgesamt die dritte mit Homeschooling, ging rückblickend so schnell vorbei wie keine Woche zuvor. Jeder Tag fließt in den nächsten. Heute wäre schon der letzte Schultag vor den Osterferien gewesen.

Ich packe ein Paket für eine Freundin. Sie hat kleinere Kinder, und ab und zu schicke ich ihr die Klamotten und das Spielzeug, die hier ausgemustert wurden. Das Paket ist ziemlich groß geworden. Ich schicke die Anmeldung für die Mittagsbetreuung ab dem kommenden September los. Ich schreibe sogar ans Arbeitsamt. Ich überweise Rechnungen und freue mich, dass mein Konto so gut gedeckt ist (die Kindergartengebühren von insgesamt 500 Euro werden im April nicht abgebucht).

Ich schreibe einen Artikel zu Ende und verschicke ihn zum Gegenlesen. Ich skype mit einer Professorin, die in Miami festsitzt, um Input für meinen nächsten Artikel zu erhalten. Auch mein Mann scheint eine Menge Anrufe, Videokonferenzen und Tutorials zu haben, ich blicke gar nicht mehr durch.

Ich überprüfe zum ersten Mal, wie weit die Tochter in den letzten 3 Wochen mit ihrem Schulstoff gekommen ist. Fertig ist sie nicht. Die Zoom-Konferenzen, die die Lehrerin für Freiwillige angeboten hat, hat sie ebenfalls irgendwie nicht mitbekommen. Aber sie hat jeden Tag etwas gemacht, Neues gelernt, Altes wiederholt, sie hat die „Vorstadtkrokodile“ zwei Mal gelesen, zwei Mal mit YouTube Sport gemacht und zwei Mal Villager gespawnt (Letzteres ist kein Schulstoff, scheint aber mindestens so viele Abgründe zu bergen wie die Potenzrechnung). Außerdem hat sie täglich viele Stunden lang Kindergartenkinder beschäftigt (die eigenen Geschwister und bis zu drei zusätzliche Nachbarskinder) und hingenommen, dass der Klavierunterricht nur noch per WhatsApp zu ihr kommt.

Heute flitzt ein Nachbarskind in unserer Wohnung herum, das bei uns ist, solange die Eltern arbeiten. Die Freunde (4, 5 und 5 Jahre) spielen mit vielen Meinungsverschiedenheiten und Besserwissereien, aber ohne Streit und Tränen miteinander. Sie essen alle ordentlich zu Mittag und kochen auch was für mich in der Kinderküche. Zusammen denken wir uns neue Freunde für das NEINhorn aus. Der Renner ist der NASCHbär.

Heute sind es 91.159 Infizierte in Deutschland, 24.575 sind wieder gesund und 1275 sind gestorben.

Coronatagebuch Tag #21

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Heute sind es 84.794 Infizierte in Deutschland (wir haben damit China überholt), 22.440 sind wieder gesund und 1107 sind gestorben.

Gut ist: Wenn man die Dunkelziffer der (wahrscheinlich bereits) Infizierten (die nie zum Arzt gingen bzw. die wieder gesund sind, ohne getestet worden zu sein) mit einrechnet, und auch die Dunkelziffer der Toten, die vermutlich nicht auf das Virus getestet wurden, kommt man auf eine Sterberate von „nur“ etwa 1 Prozent. (Schätzung anhand von Zahlen aus Teilen Italiens, eine Indutrienation mit funktionierendem Gesundheitssystem, weltweit betrachtet.)

Schlecht ist: Wenn die ganze Welt das Virus einmal gehabt haben muss, um immun zu sein, bedeutet das, dass (innerhalb einer ungenauen Zeitspanne) ewa 80 Millionen daran sterben müssen (wenn in der Zwischenzeit kein Impfstoff oder andere Maßnahmen gegen das Virus vorliegen).

Draußen und drinnen

Egal ob die weltweiten Entwicklungen und Zahlenanpassereien nun gut oder schlecht für die Menschheit sind: Klar ist, dass die Lage da draußen überhaupt nicht zu der Lage da drinnen passt.

Was dazu führt, dass mir auf dem Weg zum Supermarkt immer mulmig ist, denn das ist derzeit das einzige reglementierte „Bad in der Menge“, das man nehmen darf. Auch wenn die geordneten, entzerrten Schlangen, die aktuell sehr freundlichen Verkäufer und die teilweise kontingentierte Ware zu einem an sich entspannten Einkaufserlebnis führen – ich will einfach nur nach Hause.

Es ist ein sehr schönes, trockenes Frühjahr. Wenn nicht Corona die Schlagzeilen beherrschen würde, wäre die Niederschlagslosigkeit im März (wird es ein weiteres zu trockenes Jahr?) ein Thema. Klima hin oder her, das helle Sonnenlicht von morgens bis abends begleitet uns durch den Tag. Auch wenn die Sonne irgendwie apokalyptisch scheint, es ist immerhin die Sonne, sie ist warm, sie beschleunigt das Wachstum der Natur, sie lässt die Vögel singen und die Kinder nach draußen eilen.

Wir haben schon das Klingelschild geputzt, einmal alle Bäume ausgegraben, bei uns und beim Nachbarn Rasen verlegt. Wenn das mit dem Kontaktverbot so weitergeht, putzen wir womöglich noch unser Auto! Oder wir streichen unser Haus quietschegelb an! Oder bauen einen Swimmingpool in den Keller! Möge Gott uns davor bewahren.

Ich telefoniere nicht öfter mir meinen Eltern als sonst, aber vielleicht regelmäßiger. Meine Mutter macht sich gerade große Sorgen um ihre beiden Schwestern. Die eine ist gerade aus der Klinik entlassen worden. Tablettenentzug. Ihre Reha wollte sie nicht antreten. Da ihre Reha-Klinik zwischenzeitlich in eine Klinik mit normalem Betrieb umfunktioniert wurde, stand eine Reha wohl auch nicht mehr auf der Tagesordnung. Sie sitzt jetzt also zu Hause, Entzug beendet, aber das gewohnte Leben geht nicht weiter. Denn ihr Essenslieferdienst kommt jetzt nicht mehr.

Die andere sitzt in Indien fest. Sie besucht dort auf die alten Tage regelmäßig eine Klinik und ein Kinderheim, die sie vor vielen Jahren mitgegründet hat. Sie ist nicht als Touristin oder mit irgendeiner Organisation in Indien und wird daher nicht vom Auswärtigen Amt „zurückgeholt“. Meine nicht zurückgeholte Tante und mein nicht zurückgeholter Onkel erleben die Krise also in Indien – wo die drastischste Ausgangssperre der Welt herrscht. Ganze Straßen werden abgeriegelt und nicht weiter versorgt.

Ist das, was meine Tanten miterleben müssen, „drinnen“ oder „draußen“? Werden sie später (vielleicht erleichtert, vielleicht amüsiert) von einer alptraumhaften, chaotischen, aber sehr kurzen Zeit in ihrem Leben berichten? Werde ich sie überhaupt jemals wiedersehen?

Coronatagebuch Tag #20

Mundschutz-Rezension

Rezension auf Amazon für einen gebrauchten Mundschutz, Zustand Sehr gut

Darf man schon? Oder ist man dann vielleicht die einzige?

Nein, ich fühle mich damit soooo blöd. Als wäre ich Latexfetischist oder Zwangsneurotiker. Bin ich ja nicht. Soll auch keiner von mir denken. Also lass ich die Gummihandschuhe lieber da wo sie sind, in ihrem ungeöffneten Pappkarton im Schrank und gehe mit nackten Händen einkaufen.

Noch komischer als die Gummihandschuh-Frage ist die Mundschutz-Frage.

Darf man schon? Nein, ist ja sooo peinlich. Man sieht aus wie, wie, ja wie ein der Konformität gehorchender Bürger Chinas. Aber man ist doch hier nicht komform! Man trägt, was man will und wie es einem gerade passt!

Seit die Krankheit in Europa ihren Lauf nimmt, sind täglich Widersprüchlichkeiten rund um das richtige oder falsche Tragen eines Mundschutzes zu hören, es ist eine wahre Abfolge von Absurditäten, im folgenden veröffentlich:

Mundschutz – ja oder nein?!

Chronologie März 2020

  1. Deutscher Online-Shop hamstert Millionen Mundschutze in China (ausgerechnet) und verkauft sie zum zigfachen Preis auf Amazon.
  2. Meinung: Einen Mundschutz zu tragen bringt nichts, ja birgt sogar eine Gefahr. Denn wie hoch steht die Chance, dass man ihn falsch aufsetzt und dann schützt der gar nicht!!!1einself!
  3. Außerdem: Es gibt ganz unterschiedliche Mundschutze! Man kann nicht nur den richtigen Mundschutz falsch aufsetzen, man kann auch den falschen Mundschutz richtig aufsetzen und das bringt dann auch nichts!
  4. Mundschutze sind mittlerweile in Apotheken und Baumärkten ausverkauft.
  5. Aber das ist nicht schlimm. Man erfährt: Ein Mundschutz bringt nur dem medizinischen Personal etwas, denn nur die haben mit Kranken zu tun und müssen sich schützen. Otto Normalverbraucher hat nicht mit Kranken zu tun und muss sich folglich nicht schützen.
  6. In unzähligen Gifs/ Slideshows unter dem Titel „Mundschutz für Dummies“ erfährt man: Es gibt zwei Mundschutz-Arten: Es gibt den Mundschutz, mit dem man sich vor Kleinstpartikeln wie Viren schützen kann (FFP2-Maske oder Feinstaub-Maske). Und es gibt den Mundschutz, der davor schützt, die eigenen Tröpfchen zu verbreiten (OP-Maske).
  7. Ungeachtet dieses kleinen, aber feinen Unterschieds nähen die Flüchtlingsfrauen auf Lesbos ihre Mundschutze einfach aus Stoff.
  8. Krankenhäuser überall in Europa stehen vor dem Schutzmaterial-Kollaps. Schutzmasken und -mäntel werden mehrfach getragen oder untereinander getauscht, weil es nicht mehr genügend gibt. Es fehlt auch Desinfektionsmittel. Überall beschweren sich Ärzte, dass ihnen Material und Mittel weggeklaut werden.
  9. Ärzte und Politiker mahnen: Kaufen Sie keine Mundschutze! Das medizinische Personal ist dringend darauf angewiesen! Aka: Wenn Sie ohne Not einen Mundschutz kaufen, stirbt woanders ein Patient!
  10. Auch Beamtungsmasken für Patienten mit Lungenentzündung werden rar. Kliniken bitten die ehrenamtlich organisierte 3D-Druck-Welt um Mithilfe, bevor führende Firmen (Autoindustrie) auf die Herstellung von Beatmungsmasken umsatteln.
  11. Bekleidungsfirmen fangen an, Mundschutze herzustellen.
  12. Dem Bundesgesundheitsminister wird zum Vorwurf gemacht, er habe Mundschutze im Februar einfach an China verschenkt und die Produktion im Inland nicht erhöht.
  13. Auf Amazon gibt es Mundschutze mittlerweile zum Fantasiepreis. Zum Beispiel den Trendsetter „Einweg-Mundschutz gebraucht, Zustand Sehr gut für 7,95€“. Geliefert wird erst in 4-8 Wochen. Wenn überhaupt.
  14. Auf einmal verweisen die Politiker und ihre Berater doch auf die asiatischen Mundschutz-Nationen: das Virus würde dort so wunderbar eingedämmt, die Infektionen lägen auf einem ganz niedrigen Level. Warum? Ahaaa! Es gibt dort eine Mundschutzpflicht!
  15. Österreich erlässt als erstes Land in Europa eine Mundschutzpflicht beim Einkaufen. Seit heute werden dort Einweg-Mundschutze vor den Supermärkten verteilt. Aber auch hier mangelt es an der vorhandenen Stückzahl, wie nicht anders zu erwarten war.
  16. Haltung der Politiker in Ö: Ein Mundschutz schützt nicht vor Ansteckung, aber einen zu tragen, zeige „gegenseitigen Respekt“.
  17. Führende Virologen ermuntern auch die Deutschen, mit Mundschutz vor die Tür zu gehen. Erneut Diskussion, ob man den Mundschutz nur dann aufsetzen soll, wenn man krank ist. Oder eher dazu, um sich vor potenziellen Kranken in der Öffentlichkeit zu schützen. S. 6.
  18. Man hört, dass es „höflicher“ sei, einen Mundschutz zu tragen als keinen.
  19. Es gibt keine Mundschutze zu kaufen, daher gilt nun auch aus Sicht führender Berater: man kann sie ganz einfach selbst aus einem Stück Stoff basteln. Oder sich einen Schal über den Mund ziehen. Das reicht.
  20. Unzählige Anleitungen zum Mundschutz-Selber-Basteln schwirren durchs Netz.
  21. Man darf Mundschutze nur nähen und verkaufen, wenn das Wort „Schutz“ nicht vorkommt. Medizinisches Personal darf jedoch nicht auf Selbstgenähtes zurückgreifen, da es dafür keine Zertifikate gibt.
  22. Die DIN-Normen für medizinisches Schutzmaterial sind aufgehoben. Jeder darf jetzt ungestraft Mundschutze nach der DIN-Norm produzieren.
  23. Nichtsdestotrotz werden Mundschutze weiterhin aus China importiert. Dabei gehen anscheinend besonders Händler aus den USA kriminell zur Sache: sie kaufen die bereits georderte Fracht für Frankreich oder Deutschland auf dem Weg zum Flughafen für das Drei- bis Vierfache in bar ab.
  24. Und schließlich: Atemschutzmasken im Faktencheck, nach heutigem Stand.

Heute sind es 77.779 Infizierte in Deutschland, 18.7000 sind wieder gesund und 909 sind gestorben.

Coronatagebuch Tag #19

Die Beschaffung von Essen und anderen Dingen des täglichen Bedarfs ist der wunde Punkt in dem neuen System. Der große Großlieferant liefert nicht mehr pünktlich. Die kleinen und mittelgroßen Lieferanten sind ebenfalls am Limit und können ihre Kapazitäten nicht aufstocken, nicht jetzt, wo einige Waren kaum noch lieferbar sind, und wo alle sonst Arbeitswilligen krankgeschrieben sind oder Überstunden abbauen, sich gerade nicht mehr bewerben oder gar in die Quarantäne geschickt wurden.

Hygieneartikel sind immer schwerer zu finden. Jetzt, wo die Umwelt sauber ist, der Fluss atmet, der Wald atmet, die Zeit atmet, jeder nur noch in seinem eigenen Haus aufs Klo geht und Türgriffe und Einkaufswagen nur noch mit Gummihandschuhen berührt, wollen auch wir GANZ sauber sein.

Creme, Seife, Zahnpasta, Shampoo sind nicht mehr das, was sie mal waren: Massenware. Die billigen Marken sind immer alle weg. Die teureren stehen auch recht vereinzelt im Regal.

(Reis ist ebenfalls eine schwierige Angelegenheit. Neulich war im Regal nur noch Jochen Schweizer Reis Pink zu haben – ja ich wünschte auch, ich hätte mich das ausgedacht. Heute haben wir stattdessen Dinkel gekocht. Früher hat man zu einer solchen Kost vermutlich „Graupen“ gesagt. Auch Nudeln kaufen wir seit letzter Woche in der Dinkel-Variante, weil die normalen Weizennudeln einfach immer alle sind, egal um wieviel Uhr wir in den Supermarkt gehen – first World problems, I know)

Die Klopapier-Kundin

Als ich die letzten beiden Male an einer Supermarktkasse anstand (in 1,5 Metern Abstand, versteht sich), hatte vor mir jeweils gerade eine Kundin eine Packung Klopapier aufs Band gelegt. Und das, obwohl die Klopapierregale vollkommen leer waren, wie ich mich gerade noch versichert hatte. Aber vielleicht flieht das Klopapier auch immer panisch, sobald es mich sieht? Es rutscht in irgendwelche Ritzen, hinter das Katzenfutter, taucht beim Tomatenmark wieder auf und lacht hinter meinem Rücken?

Jedenfalls, in beiden Fällen war Klopapier das Einzige, was die Kundin vor mir aufs Band legte. Und in beiden Fällen, das war offensichtlich, kannte die Kundin den Verkäufer sehr gut, vielleicht sogar persönlich. Ich wurde sogar Zeugin des folgenden Gesprächs:

„Wann muss ich denn wiederkommen, wenn ich die nächste Packung brauche?“
„Hier wird nur noch mittwochs und freitags geliefert.“
„Ach, prima. Dann komme ich am Mittwoch oder am Freitag wieder. Am besten schon um acht.“
„Nein nein, es kommt zwischen 11 und 14 Uhr.“
„Super, danke dir, dann weiß ich Beschei-heid! Bis zum nächsten Mal!“

Auch wir wünschen Ihnen noch einen schönen Tag, glückliche Klopapier-Käuferin. Gehaben Sie sich wohl.

Heute sind es 70.985 Infizierte in Deutschland, 15.824 sind wieder gesund und 682 sind gestorben.